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Kultur

Operettenwettbewerb: Wenn sich Herzen und Grenzen öffnen

Von Peter Grubmüller  24. Mai 2022 00:04 Uhr

Wenn sich Herzen und Grenzen öffnen
Nicole Lubinger holte den ersten Preis, außerdem die OÖN-Publikumswertung und zwei Stückverträge.

Vor vollem Haus gewann Nicole Lubinger den vierten Operettenwettbewerb der Linzer Bruckneruni vor Viktoria Liashkevich und Tina Josephine Jaeger.

Nicole Lubinger ist die große Siegerin des 4. Operettenwettbewerbs der Linzer Anton Bruckner Privatuniversität (ABPU). Die 31-jährige Sopranistin holte am Sonntagabend im beeindruckend gefüllten Großen Saal der Institution unter 13 Sängerinnen und Sängern nicht nur den Sieg der prominent besetzten Jury (3000 Euro der Oberösterreichischen Versicherung), sondern auch jenen der OÖN-Publikumswertung, darüber hinaus wurde sie von der Bühne weg für Produktionen in Baden und des Lehár-Festivals in Bad Ischl engagiert. Dass die Kärntnerin bereits heuer ab 2. Juli die Hanna in Lehárs "Die lustige Witwe" in Bad Hall (www.stadttheater-badhall.com) singen wird, war schon vor dem Finale festgestanden. Insgesamt sieben der 13 Finalisten werden dort in der Regie von Diethmar Straßer zu erleben sein.

Es war eine Leistungsschau von beeindruckender Qualität der Studierenden Robert Holzers (Institutsdirektor für Gesang und Musiktheater). Dass der Abend mit insgesamt knapp drei Stunden um keine Minute zu lang geriet, lag einerseits an den breit gefächerten Darbietungen der musikalischen Genres: von Johann Strauss bis Franz Lehár, vom Wienerlied über Franz Schubert und Leonhard Bernstein bis zu Jacques Offenbach und Ruperto Chapí y Lorentes Zarzuelas. Darüber hinaus führte Bruckneruni-Professor Thomas Kerbl derart vergnüglich und musikalisch sattelfest (er spielte sämtliche 26 Arien auf dem Klavier) durch den Abend, worauf die Veranstaltung mit großer Leichtigkeit einlöste, wofür Operette steht: höchste Musikalität, eingebettet in augenzwinkernde, freche, gesellschaftlich relevante wie bewegende Stoffe.

Wenn sich Herzen und Grenzen öffnen
Die 13 Sängerinnen und Sänger im Finale des Operettenwettbewerbs (v.l.): Hanyi Jang, Tina Josephine Jaeger, Peter Fabig, Jana Markovic, Fiona Mantoyan, Milena Pumberger, Ksenia Skorokhodova, Nicole Lubinger, Gregoire Delamare, Ayse Yakut Somer, Navid Taheri, Lenka Jombikova, Viktoryia Liashkevich.

Wenn etwa Lubinger im Liegen Hans Bartls "Nur fest Dudln" jodelte oder der iranische Bariton Navid Taheri, in dessen Heimat Musiktheater verboten ist, Tassilos Arie "Komm Zigany, spiel mir was vor" aus Kálmáns "Gräfin Mariza" mitreißend interpretierte, dann öffneten sich Herzen und musikalische Grenzen.

Volksoper-Chefdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz – unter anderem mit Ischl-Intendant Thomas Enzinger, Bühne-Baden-Chef Michael Lakner, Landestheater-Intendant Hermann Schneider und Agentur-Chefin Ariane Hollaender-Calix in der Jury – wollte die Talente nicht ziehen lassen, ohne deren enormes Niveau wie die Vielfalt des Abends zu loben.

Gefahrlos ist auch der zweitplatzierten Viktoria Liashkevich (2000 Euro) eine große Zukunft zu prophezeien. Die Weißrussin, die Lehárs "Vilja-Lied" hinreißend darbot, wird sich bei der Bad Haller Hanna mit Lubinger abwechseln. Darüber hinaus ergatterte die Sopranistin einen Stückvertrag beim Linzer Landestheater. Tina Josephine Jaeger aus der Schweiz wurde Dritte (1000 Euro) und mit einem Engagement in Bad Ischl belohnt. Mit diesem Nachwuchs ist die Zukunft der Operette in besten Händen.

Wenn sich Herzen und Grenzen öffnen
Rektor Martin Rummel, Othmar Nagl (OÖ Versicherung), Viktoria Liashkevich, Robert Holzer, Thomas Kerbl (v.l.)

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Peter Grubmüller

Ressortleiter Kultur

Peter Grubmüller

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