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Oberösterreicherin Valerie Pachner spielt Buhlschaft und auch den Tod

Von nachrichten.at/apa, 01. Dezember 2022, 10:51 Uhr
Das waren die Buhlschaften in Salzburg
Valerie Pachner aus Bad Schallerbach. Bild: GEORG HOCHMUTH (APA)

SALZBURG. Was zuvor bereits durchgesickert war, ist nun offiziell: Burgschauspieler Michael Maertens und die Oberösterreicherin Valerie Pachner werden bei den Salzburger Festspielen den Jedermann und die Buhlschaft spielen. Bei der Präsentation der beiden gab es dann aber doch eine Überraschung.

Es war bereits durchgesickert, am Donnerstag machten es die Salzburger Festspiele auf einer Pressekonferenz in Wien offiziell: Burgschauspieler Michael Maertens spielt ab 2023 den Jedermann im gleichnamigen Traditionsstück von Hugo von Hofmannsthal, seine Buhlschaft ist die vor allem durch ihre Filme bekannte österreichische Schauspielerin Valerie Pachner, die (eine Überraschung und Novität) auch den Tod spielen wird - und das wohl ganz anders als zuvor Edith Clever.

Dadurch, dass Lars Eidinger und Verena Altenberger im vergangenen Sommer nach der Premiere erklärt hatten, dass für sie nach zwei Saisonen als Jedermann und Buhlschaft wieder Schluss sei, waren Schauspielchefin Bettina Hering und Regisseur Michael Sturminger gezwungen, für 2023 eine neue Besetzung zu suchen. Diese wurde auch in fast allen anderen Positionen verändert. So wird Sängerin Anja Plaschg (Soap&Skin) von Kathleen Morgeneyer den Glauben übernehmen, Cornelia Froboess von Angela Winkler die Rolle von Jedermanns Mutter. Sarah Viktoria Frick verkörpert nicht nur den Teufel (bisher: Mavie Hörbiger), sondern auch Gott.

Michael Maertens
Michael Maertens Bild: Soskic

Maertens, der im kommenden Jahr sein 30-jähriges Festspieljubiläum feiert (1993 spielte er in der Uraufführung von Botho Strauß' "Das Gleichgewicht" erstmals in Salzburg), hat vorerst für zwei Jahre unterschrieben, steht also auch 2024 im ersten Jahr der neuen Schauspielchefin Marina Davydova auf dem Domplatz.

Seit 1920 wurde der "Jedermann" im Rahmen der Salzburger Festspiele 757-mal aufgeführt. Premiere 2023 ist am 21. Juli, danach stehen bis 29. August 13 weitere Vorstellungen auf dem Programm, dessen weitere Eckpunkte die Festspiele am 9. Dezember bekanntgeben wollen.

"Dass ich auch den Tod spiele, hat größte Bedeutung"

Valerie Pachner als Buhlschaft hatten nur wenige auf ihrer Rechnung. Die 35-jährige Österreicherin war zwar 2013-17 Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater, wurde aber erst durch ihre Filme einer breiten Öffentlichkeit bekannt - etwa als Wally in "Egon Schiele: Tod und Mädchen" (2016). Seit Terrence Malicks "Ein verborgenes Leben" macht sie internationale Filmkarriere. Im ersten Interview erklärt sie, warum sie sich für den Domplatz ihren Terminkalender freigehalten hat.

APA: Frau Pachner, wann wurden Sie gefragt, ob Sie die Buhlschaft übernehmen wollen? Und haben Sie irgendwie damit gerechnet?

Valerie Pachner: Im Sommer haben Bettina Hering (die Schauspielchefin, Anm.) und ich das erste Mal darüber gesprochen. Ich weiß nicht, ob ich damit rechnen durfte. Es hat mich schon überrascht. Und sehr gefreut.

Ich hätte Sie nicht ganz oben auf der Liste gehabt, denn im allgemeinen Bewusstsein sind Sie im Theater viel weniger präsent als im Film.

Pachner: Ich fühle mich dem Theater gar nicht so fern, denn ich habe ja mit dem Theater angefangen und war auch vier Jahre am Residenztheater. Aber es stimmt, dass meine Karriere in der Öffentlichkeit noch eher dem Film zugeordnet wird.

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Das waren die Buhlschaften in Salzburg
Das waren die Buhlschaften in Salzburg (Foto: GEORG HOCHMUTH (APA)) Bild 1/30
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Lars Eidinger lässt nach zwei Jahren den Jedermann sein, weil seine internationale Filmkarriere richtig durchstartet. Wenn ich mir Ihre internationalen Filme seit Terrence Malicks "Ein verborgenes Leben" ansehe, ist das bei Ihnen nicht viel anders. Dennoch kehren Sie zum Theater zurück.

Pachner: Als ich 2017 vom Theater weg bin, war es klar, dass das nur ein Abschied auf Zeit ist. Ich habe seither wegen der Filmengagements nie Zeit für das Theater gefunden und mir jetzt bewusst dafür den Raum genommen. Es gab in mir schon eine Sehnsucht danach, wieder auf der Bühne zu stehen. Dazu kommt: Ich war jetzt ziemlich viel unterwegs und hab auch viel auf Englisch gedreht. Da gab es jetzt den Wunsch, wieder mit der deutschen Sprache zu arbeiten, am liebsten am Theater, wo die Sprache noch eine andere Gewichtung hat, und auch wieder einmal etwas in Österreich zu machen.

Für wie lange haben Sie unterschrieben?

Pachner: Ich glaube, das ist immer nur für ein Jahr.

Die klassischen "Jedermann"-Fragen kann ich Ihnen nicht ganz ersparen: Waren Sie schon einmal am Domplatz, und was sagen Sie zu dem, was Sie dort gesehen haben?

Pachner: Ich habe 2017 meinen ersten "Jedermann" gesehen, mit Stefanie Reinsperger und Tobias Moretti, das war ja auch Michi Sturmingers erste "Jedermann"-Inszenierung dort, und jetzt dieses Jahr mit Lars und Verena. Beim "Jedermann" ist natürlich diese Aufführungsgeschichte, dieser theatergeschichtliche Aspekt, etwas, das dem Stück noch zusätzliches Gewicht verleiht. Das habe ich immer interessant gefunden.

Haben Sie schon eine Ahnung, welche Akzente Sie in diese Rolle einbringen können, von der es ja immer heißt: viel Aufsehen, aber wenig Text...

Pachner: Die größte Bedeutung in dem Zusammenhang hat für mich, dass ich auch den Tod spiele. Die Buhlschaft ist und bleibt das Liebesobjekt eines Mannes. Da kann man als Schauspielerin alles versuchen - aber der Text gibt nicht viel mehr her. Das kann man nicht ändern. Daher ist es für mich schauspielerisch interessant, dass ich durch die andere Rolle mehr Raum kriege. In der Dualität dieser beiden Figuren, wobei die Buhlschaft für die Liebe und das Leben steht, tut sich eine interessante Spannung auf. Ich kann die Buhlschaft gar nicht mehr ohne den Gedanken sehen, dass ich auch den Tod spiele. Für mich war das bei meiner Entscheidung durchaus auch ausschlaggebend.

Ohne den Tod hätten Sie's nicht gemacht? Sie haben also gesagt: Tod oder Leben?

Pachner: Das hätte dann aber "Tod und Leben" geheißen (lacht). Nein, ich hätte schon auch "nur" die Buhlschaft gespielt. Aber so ist es für mich als Schauspielerin einfach interessanter.

Noch interessanter wäre eine Jederfrau anstelle eines Jedermann. Wäre dafür die Zeit nicht allmählich reif?

Pachner: Auf jeden Fall. Der englische Text heißt ja "everyman", und der Jedermann meint ja auch jeden und jede, muss also nicht unbedingt ein Mann sein. Ich glaube, dass das auf jeden Fall von einer Frau gespielt werden kann und soll.

Das Brimborium ist meist ziemlich groß. Um das Kleid der Buhlschaft wird häufig größeres Aufsehen gemacht als um deren spielerische Fähigkeiten. Stefanie Reinsperger hat da ganz bittere Erfahrungen gemacht, über die sie auch geschrieben hat. Wie sehr sind Sie gewappnet? Kann man sich dem entziehen?

Pachner: Ich fühle mich da schon sicherer, weil ich eben auch den Tod spiele. Mein schauspielerischer Ansatz ist auch nie so sehr das Wie als das Was. Aber trotzdem zeigt der Aspekt, dass das Interesse an ihrer Kleidung und ihrem Körper so groß ist, dass die patriarchale Struktur, die dem Jedermann auf gewisse Weise innewohnt, sich auch heute noch in der Gesellschaft findet.

Damit kann man spielen - oder man kann dagegen ankämpfen. Verena Altenberger hat es versucht, indem sie im ersten Jahr gesagt hat: Ich habe für eine Filmrolle gerade eine Kurzhaarfrisur, lasst uns die einfach auch für die Buhlschaft nehmen! Jetzt wäre es natürlich interessant, welche Dreharbeiten denn Sie im Umfeld des "Jedermann" haben?

Pachner (lacht): Zur Zeit sieht es tatsächlich so aus, dass es für mich nach dem "Jedermann" gleich weiter zu den nächsten Dreharbeiten gehen wird. Darüber kann ich aber noch nicht reden. Die Frage ist aber, ob man der Figur wirklich nur etwas über die Setzung des Aussehens geben kann? Ich glaube nicht.

Wie gut kennen Sie Ihren Jedermann Michael Maertens?

Pachner: Ich kenne ihn natürlich als Schauspieler. Deswegen freue ich mich wahnsinnig über diese Besetzung und bin sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit ihm.

Maertens ist keiner dieser früheren klassischen Jedermänner à la Curd Jürgens, Klaus-Maria Brandauer oder Peter Simonischek. Er ist kein viriler Polterer. Welche Art von Mann sehen Sie vor sich, wenn Sie an ihn denken?

Pachner: Wie Sie sagen: keinen Polterer, sondern etwas Fragileres, Sensibleres, auch wahrscheinlich Zaudernderes. Ich finde das eine angenehme Aussicht, so einen Jedermann als Gegenüber zu haben. (lacht)

Mit Regisseur Michael Sturminger haben Sie schon einmal gearbeitet?

Pachner: Nein, auch noch nicht.

Wie wahrscheinlich ist es, dass man Sie auch einmal an Wiener Theatern sehen wird?

Pachner: Das kann ich derzeit wirklich nicht abschätzen. Im Moment freue ich mich, dass ich mir den Sommer für die Festspiele freigehalten habe. Alles andere, wie es mit mir und der Bühne weitergehen wird, wird man sehen.

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