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Kultur

Nur bei Erdbeben schmeißt er die Nerven weg

Von Lukas Luger 25. Juli 2019 00:04 Uhr

Tobias Pötzelsberger

Ab 5. August führt der Innviertler ORF-Senkrechtstarter durch die „Sommergespräche“

Als die Regierungskrise ausbrach, schlug seine Stunde: Tobias Pötzelsberger. Souverän führte der 36-Jährige aus Lochen durch einen der turbulentesten Tage der österreichischen Innenpolitik-Geschichte. Dafür erhält er jetzt den journalistischen Ritterschlag: Ab 5. August moderiert er die „Sommergespräche“ in ORF 2.

OÖNachrichten: Die „Sommergespräche“ sind eine Institution im ORF. ORF-2-Chefredakteur Matthias Schrom hat sie gar als die „Königin Mutter des Interviews“ bezeichnet. Ist doch schön, wenn der eigene Chef so gar keinen Druck aufbaut, oder?

Tobias Pötzelsberger: Druck gibt’s natürlich. Es schauen ja auch viele Menschen zu. Aber jede einzelne Live-Sendung ist eine Drucksituation. Ich muss mich immer vorbereiten, bin immer dem gleichen ORF-Gesetz – und natürlich den Sehern – verpflichtet. Die ganz große Anspannung verspüre ich also auch wieder nicht.

Sie wirken stets tiefenentspannt. Bei welchen Gelegenheiten schmeißen Sie so richtig die Nerven weg?

Ich habe einmal ein heftiges Erdbeben in Chile miterlebt, da habe ich die Nerven aber so richtig weggeschmissen. Seither fahre ich auch in keine erdbebengefährdeten Länder mehr. Aber sonst: nein, eher nicht.

Sie haben Ihre Karriere im Salzburger Landesstudio begonnen, unter anderem moderierten Sie die „Mittagszeit“. Hat Sie das für Ihre jetzigen Aufgaben gestählt?

Das ist eine extrem gute Schule, das Radio hat mich sehr geprägt. Mein ganzes journalistisches Werkzeug habe ich dort gesammelt. Wenn du jeden Tag zwei Stunden zu einem tagesaktuellen Thema diskutierst, du schimpfende Anrufer am Hörer hast – dann musst du in der Sekunde reagieren können. Ja, das stählt dich.

Wie sieht Ihre konkrete Vorbereitung auf die „Sommergespräche“ aus?

Vieles muss man einfach geschehen lassen, wie in einem richtigen Gespräch. Ich will mich nicht in einen Fragenkatalog einsperren. Stichwörter und wichtige Zahlen schreibe ich mir auf. Entscheidend ist, im Hintergrund alles bis ins Detail parat zu haben. Ich lese aktuell den ganzen Tag und versuche, vieles aufzusaugen. Aber bei einem Gespräch kommt es natürlich auch auf das Gegenüber an.

In Ländern wie etwa Großbritannien wird bei politischen Interviews hart und unerbittlich nachgefragt. Bei uns gibt’s das nicht. Ist die Konsenskultur in Österreich ausgeprägter als in anderen Ländern?

Das ist nicht nur im britischen Fernsehen so, sondern auch im Parlament in London. Die politische Kultur im angloamerikanischen Raum ist generell härter. Das ist eine andere Herangehensweise, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Österreich ist eine Konsensdemokratie, ein bisserl freundlicher. Bei uns wird aber auch oft hart und doch sachlich gefragt: Armin Wolf ist ein Beispiel, er macht das großartig.

Welche nationalen und internationalen Vorbilder haben Ihren Stil geprägt?

Meinen Interviewstil würde ich als „freundlich-insistierend“ bezeichnen. Inspiration waren mit Sicherheit Leute wie Robert Hochner, Claus Kleber oder auch CNN-Moderator Anderson Cooper.

Wie wollen Sie verhindern, dass Ihre Gäste lediglich ihr Wahlprogramm durchdeklinieren?

Nachfragen und – wenn nötig – unterbrechen. Und wenn es gar nicht geht, dann muss man auch sagen: „Das ist eins zu eins aus dem Wahlprogramm auswendig gelernt. Können wir uns bitte bemühen, es auch mal von einer anderen Seite zu sehen?“ Es ist ja durchaus so, dass manche Politiker, wenn ihnen eine Frage nicht gefällt, sich selbst eine stellen.

Traditionell sind auch private Themen Teil der „Sommergespräche“. Wie tief werden Sie in Persönliches eintauchen?

Ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen „persönlich“ und „privat“. Persönliches hat Platz in den „Sommergesprächen“, Privates soll hingegen privat bleiben. Eine persönliche Note ist gut für die Sendung und interessiert die Menschen. Mich ja auch.

Wie surreal fühlten sich die vergangenen Monate seit dem Auftauchen des Ibiza-Videos für Sie persönlich an? Haben Sie den 18. Mai schon einmal verflucht?

Mein Leben ist super. Es ist natürlich anders und aufregender geworden. Aber auch die öffentliche Aufmerksamkeit unterliegt einer Konjunktur und wird wieder abebben. Da mache ich mir keinen Kopf.

Wann gibt’s das Comeback-Album Ihrer Band „The More Or The Less“?

Endlich die wichtigste Frage! (Lacht.) Vor Ibiza habe ich zum Glück noch zwölf oder 13 neue Lieder geschrieben. Zwei Alben habe ich schon gemacht, und ich will unbedingt die Trilogie fertigstellen. Nach den „Sommergesprächen“ arrangiere ich die Lieder fertig und nehme sie auf. Das ist sehr wichtig für mich. Mit Popmusik lässt sich die ganze Welt erklären.

Wie oft verschlägt es das selbstbetitelte „Innviertler Landei“ noch in die Heimat?

Oft. Mitunter im Wochenrhythmus. Ich bin diesem Landstrich sehr verbunden, im Mattsee schwimme ich besonders gerne. Für mich der schönste Platz der Erde.

Die Sommergespräche im ORF

Erst zum zweiten Mal nach 2017 finden die „Sommergespräche“ im Jahr einer Nationalratswahl statt. Ein Holztisch und zwei Sessel bilden das reduzierte Setting, in dem Tobias Pötzelsberger jeweils um 21.05 Uhr in ORF 2 die Parteichefs der Parlamentsparteien begrüßen wird.

Ab 22 Uhr wird Peter Filzmaier in der ZiB2 die Gespräche analysieren. Neu: Auch ORF III blickt auf das aktuelle Interview zurück – mit von Ingrid Thurnher geleiteten „Sommer(nach)gesprächen“ ab 22.30 Uhr.

Der Fahrplan

  • 5. August: Maria Stern, Liste JETZT
  • 12. August: Beate Meinl-Reisinger, NEOS
  • 19. August: Norbert Hofer, FPÖ
  • 26. August: Pamela Rendi-Wagner, SPÖ
  • 2. September: Sebastian Kurz, ÖVP

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