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Nobelpreis: Österreichischer Übersetzer "fast wahnsinnig" vor Freude

Von nachrichten.at/apa   07.Oktober 2021

Abdulrazak Gurnah

Dort habe Gurnah in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur einen Vortrag mit dem Titel "Literatur: eine durchwachsene Geschichte" über den "Grenzbereich zwischen Oratur und Literatur" gehalten, wie sich Niederle im APA-Telefonat erinnert. "Wir Weißen neigen ja dazu, nur Verschriftlichtes 'Literatur' zu nennen. Dieser Sichtweise ist Gurnah entschieden entgegengetreten. Seine Großmutter hatte ihm Shakespeare-Texte als Geschichten erzählt, erst später hat er sie als Literatur begriffen", so Niederle.

Abdulrazak Gurnah

In einem Essay des Autors heiße es: "Es ist mir auch wichtig, dass Fiktion anlocken und blenden und Freude und Schmerz geben kann und dass sie nach Wahrheit streben sollte." Es gehe Gurnah in seinen Texten in punkto Kolonialismus "um ein fein ziseliertes Bild wie sich die Menschen begegnet sind und einander erlebt haben". Er arbeite auch die Identifikation von Schwarzen - etwa in Filmen - heraus oder lasse seine Protagonisten Beziehungen zu Weißen eingehen, "die laut ihm glauben, sie müssen intensive Beziehungen zu einem Afrikaner eingehen, um irgendetwas gut zu machen", analysiert Niederle.

Dass Gurnahs Bücher seit einigen Jahren nicht mehr ins Deutsche übersetzt wurden, bedauert Niederle. Als Grund sei ihm aus der Verlagswelt vermittelt worden: "Es gibt eben Namen, die im deutschen Sprachraum nicht funktionieren."

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29. November 2021