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Kultur

Musikalischer Turmbau zu Babel

Von Michael Wruss   09. März 2019

Musikalischer Turmbau zu Babel
Marc-André Hamelin

Triumph von Busonis "Wolkenkratzer"-Klavierkonzert im Brucknerhaus.

Als "Wolkenkratzer-Konzert" hat Ferruccio Busoni sein 1904 fertiggestelltes Klavierkonzert bezeichnet, das am Donnerstag beim Großen Abonnement mit dem Bruckner Orchester unter Markus Poschner und Marc-André Hamelin als Solist im Brucknerhaus aufgeführt wurde.

Busonis ausladendes, fünfsätziges Monumentalwerk stellt den Kanon des klassischen Formkonzepts eines Solistenkonzerts auf den Kopf und kreiert eine gewaltige Symphonie, die sich von Takt zu Takt wie ein musikalischer Turmbau zu Babel übertrumpfen möchte. Ein gigantisches Bauwerk aus Tönen und Klängen, das in allen Belangen neue Wege findet.

So versteht Busoni das Orchester als einen Organismus, bei dem alle Zellen ständig aktiv sind, und setzt auch das Solo-Klavier nicht in klassischer Manier ein, sondern baut den Solopart gekonnt, deswegen aber nicht minder aufregend virtuos in den Orchestersatz ein. Und doch ist es ein Solokonzert, das dem Pianisten unglaublich viel abverlangt, genügend virtuose Kaprizen fordert und auch lyrische Momente kennt.

Marc-André Hamelin ist einer jener Pianisten, die solchen Raritäten mit vollem Einsatz begegnen, die unglaubliche Partitur auswendig umsetzen, gekonnt mit dem Orchester interagieren und sich trotz der technischen Schwierigkeiten an Busonis Klanglichkeit erfreuen. Nicht minder beeindruckend das Bruckner Orchester, das diese Musik höchst intensiv und akkurat interpretierte, wie ein vielarmiger Organismus ganz im Sinne Busonis agierte und vom Chorus Viennensis (Leitung: Michael Schneider) beste Unterstützung erfuhr.

Auch Brahms’ IV. Symphonie, die knapp 20 Jahre vor Busonis Konzert uraufgeführt wurde, stellt das klassische Formkonzept infrage und greift für das Finale auf Musik der Vergangenheit zurück.

Die von den Zeitgenossen konstatierte "keusche Schönheit" wusste Markus Poschner gar nicht so zaghaft zu entkleiden und nahm vor allem dem ersten Satz durch intensiv abgestufte Dynamik bei zurückhaltendem Tempo jene fälschlich attestierte Introvertiertheit.

Fazit: Ein fulminantes Konzert, das auch den Geschmack des Abonnement-Publikums getroffen zu haben schien und mit Busonis nur selten zu hörendem Klavierkonzert aus dem Rahmen des sonst oft allzu Normalen herausfiel.

 

Brucknerhaus: Konzert mit dem Bruckner Orchester unter Markus Poschner und Marc-André Hamelin als Solist, 7.3.

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