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Musik

"Unsere Eltern kamen mit Panzern, wir kommen mit Gitarren!"

Von Lukas Luger 27. Mai 2019 00:04 Uhr

"Unsere Eltern kamen mit Panzern, wir kommen mit Gitarren!"

Am 2. August gastieren die deutschen Hardrock-Legenden Scorpions um Sänger Klaus Meine beim OÖN-Konzertsommer auf Burg Clam.

Mehr als 100 Millionen verkaufte Tonträger, unsterbliche Klassiker wie "Wind of Change" oder "Rock You Like A Hurricane" – seit fünf Jahrzehnten zählen die Scorpions zu den erfolgreichsten Hardrock-Bands der Welt. Im exklusiven OÖN-Interview: Frontmann und Sänger Klaus Meine (71).

 

OÖN: Es ist fast 30 Jahre her, als Sie mit den Scorpions im August 1989 am "Peace Rock Festival" in Moskau teilnahmen. Wie war Ihre Gemütslage? Ahnten Sie, welche geopolitischen Eruptionen direkt bevorstanden?

Klaus Meine: Es war mehr als eine leise Ahnung. Wir hatten bereits 1988 im wunderschönen Leningrad zehn Konzerte gespielt. Aus der Hauptstadt Moskau wurden wir aber noch ausgeladen. Im Jahr darauf war es doch für uns möglich, dort aufzutreten. Da spürten wir, diese Welt verändert sich. Das Moskauer "Peace Rock" war – das muss man im Rückblick sagen – ja fast eine Art russisches Woodstock. Michail Gorbatschow, Glasnost und Perestroika – die Zeichen standen klar auf Veränderung.

Empfanden Sie als deutsche Band damals eine spezielle historische Verantwortung?

Ja, taten wir. In den 80er-Jahren waren die Scorpions eine sehr internationale Band. Als wir 88 dann nach Leningrad kamen, haben wir uns selbst aber plötzlich stark als deutsche Band empfunden. Und angesichts der deutsch-russischen Geschichte und des Zweiten Weltkrieges auch ein gutes Stück weit als musikalische Botschafter. Wir stammen ja aus der Nachkriegsgeneration und sagten zu uns: "Unsere Eltern kamen mit Panzern, wir kommen mit Gitarren!"

Eine emotionale Erfahrung?

Sehr, sehr emotional. Für uns hatten diese Auftritte in Russland auch eine völlig andere Bedeutung als für all die anderen Bands, denen wir die Tür in die Sowjetunion geöffnet hatten. Bon Jovi, Ozzy Osbourne oder auch Mötley Crüe freuten sich nach den Konzerten einfach darüber, die UdSSR gerockt zu haben. Für uns aber ging das alles noch viel, viel tiefer.

War Ihnen beim Schreiben von "Wind of Change" bewusst, dass dieser Song zum Zeitdokument avancieren würde?

Wir waren so wahnsinnig dicht dran an diesen historischen Momenten. Das war einerseits berührend, andererseits auch wahnsinnig inspirierend. Beim Schreiben des Liedes waren die Eindrücke noch derart stark und präsent, dass sich der Song quasi von selbst seinen Weg gesucht hat. Als Songschreiber hofft man immer, einen Nerv zu treffen. Wir waren uns aber zuerst nicht mal sicher, ob der Song so richtig zur Band passt ...

Wieso denn das?

Das Intro des Stücks, dieses Pfeifen, war doch sehr außergewöhnlich. Auch innerhalb der Band gab es die Meinung: "Ist ein ganz schöner Song, passt halt leider so gar nicht zu uns". Mir ging’s ähnlich, ich wollte lieber ein cooles Gitarrenriff als das Pfeifen (lacht). Was aus diesem Stück später werden würde, ahnte natürlich niemand. Das sprengte alle Dimensionen. Ich habe in "Wind of Change" einfach nur meine Gefühle ausgedrückt, was wir in Moskau alles erlebt und mit unseren eigenen Augen gesehen haben. Der Schrei nach Freiheit war so laut im August 89, dass er nicht überhört werden konnte.

Heute werden die Mauern leider wieder neu aufgebaut ...

Diese optimistischen Zukunftsvisionen sind Vergangenheit, die Welt ist heute eine andere. Ich habe das Gefühl, die Uhren laufen rückwärts. Die Mauer in Deutschland ist weg, in Mexiko wird eine gebaut. Es ist bizarr! Die Idee von Europa droht einzustürzen. Ich hoffe, dass die junge Generation erkennt, welchen Wert ein vereintes Europa hat und dass diese gefährliche Schieflage nicht noch schlimmer wird.

Fühlen Sie in turbulenten Zeiten die Verantwortung, sich als Künstler zu Wort zu melden?

Absolut. Wir als Scorpions haben uns nie als politische Band empfunden, und dann ist mit "Wind of Change" doch eine Friedenshymne rausgekommen. Es ist richtig: Künstler, die gehört werden, haben die Pflicht, ihre Meinung kritisch zu äußern und für eine friedliche Welt zu werben. Wir arbeiten derzeit im Studio an neuen Stücken für ein Scorpions-Album, das hoffentlich 2020 erscheint. Und der einzige Grund für eine Band, die schon so viele Jahre unterwegs ist wie wir, noch einmal eine neue Platte zu machen, ist, dass man auch etwas abseits der lockeren Rock-’n’-Roll-Themen sagen möchte.

Mit "Melrose Avenue" und "Always Be With You" fanden sich auf der Compilation "Born To Touch Your Feelings" bereits zwei neue Stücke. Songs, die als musikalischer Wegweiser für das angesprochene neue Album dienen?

Nein, das ist eine vollkommen andere Geschichte. Wir waren jetzt ewig unterwegs auf Welttournee, das letzte Album "Return To Forever" erschien 2015. Wir wissen, dass es viele Scorpions-Fans gibt, die sich ein neues Album wünschen. Sinn macht es aber nur, wenn wir merken, dass künstlerisch aus uns etwas unbedingt raus muss. Ein bisschen Zeit geht ja noch ins Land, zuerst geht’s wieder auf Tournee. Erst Ende des Jahres, Anfang 2020, können wir uns den neuen Songs intensiver widmen.

Worauf dürfen sich Fans bei Ihrem Auftritt auf Burg Clam freuen? Welche Songs werden ihren Weg in die Setlist finden?

Es gibt große Klassiker wie "Rock You Like A Hurricane", "Send Me An Angel" oder "Wind of Change", die unbedingt dabei sein müssen. Wir werden aber auch ein 70er-Medley mit ganz frühen Stücken wie etwa "Speedy’s Coming" oder "Catch Your Train" spielen. Eventuell nehmen wir zusätzlich ein 80er-Medley mit Liedern, die wir ewig nicht mehr performt haben, dazu. Wie etwa "Bad Boys Running Wild" oder auch "I’m Leaving You". Ein paar neue Sachen gibt’s auch. Es wird eine gute Mischung, versprochen. Für jeden Scorpions-Fan wird garantiert etwas dabei sein!

 

OÖN-Konzertsommer

23. Juni: Bryan Adams
26. Juni: Rod Stewart
28. Juni: Clam Rock Festival u. a. mit Toto und Jethro Tull
29. Juni: ZZ Top & Foreigner
30. Juni: 30 Seconds To Mars
5. Juli: Sting
2. August: Scorpions
9. & 10. August: Seiler&Speer, EAV, W. Ambros, am 10. mit Folkshilfe und Schiffkowitz

Tickets: OÖN-Tickethotline unter Tel. 0732/ 7805-805 sowie in den OÖN-Verkaufsstellen Linz, Wels und Ried.

 

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Lukas Luger

Redakteur Kultur

Lukas Luger
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