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Musik

Kopfhörer #92: Der Symphoniker des Rock

Von Reinhold Gruber  24. Juni 2022 11:14 Uhr

Der Metal-Gitarrist Lanvall kann es auch klassisch. Seine Symphonie für Freistadt ist der Beweis.

Mit einer eigenen Symphonie gratuliert Metal-Musiker Lanvall Freistadt zum 800-Jahr-Jubiläum.

Wie geht das? Diese Frage mag man sich stellen, wenn man Lanvall (bürgerlich Arne Stockhammer, wohnhaft in Wartberg/Aist) „nur“ als Gitarrist der Metal-Band Edenbridge kennt. Wie kommt also ein Freund der wuchtigen Rockmusik auch nur in die Nähe einer Symphonie? Einfache Antwort: Man muss ihn fragen.

Es war ein Auftragswerk zum Stadtjubiläum, das Lanvall schon 2019 komponiert hat. Aus der Aufführung wurde im Jahr darauf nichts (die Gründe kennt man), weshalb das nun Ende Juni nachgeholt wird. Gemeinsam mit der Jungen Philharmonie Freistadt, der Landesmusikschule Freistadt und dem Hard Chor aus Linz wird der Rockgitarrist sein Werk zur Uraufführung bringen. „Ich bin froh, dass es jetzt ernst wird“, so Lanvall.

„The Freystadt Symphony“ ist ein 25 Minuten langes Stück Musik geworden, das zu sechs Themengebieten wie Altstadt, Natur oder die düstere Stadt komponiert wurde, und mit Fotos garniert ein kleines Kunstwerk ergibt. Die Junge Philharmonie als Auftraggeber kannte Lanvall aus der Zusammenarbeit für das Projekt „Voiciano“. Und sie fand, dass er der Richtige dafür wäre, eine Symphonie in die „spätromantische Richtung“ (Anton Bruckner, Antonin Dvorak, Richard Strauss) zu komponieren. „Das ist genau die Phase in der Klassik, wo ich mich total daheim fühle.“

Erste Idee auf dem Skilift

Beim Skifahren im Zillertal hatte der passionierte Wintersportler die Idee für das Hauptmotiv, nach einer längeren Pause hat sich die (musikalische) Geschichte zwischen den Reisen mit Edenbridge (von Brasilien bis China) selbst geschrieben, wie er im OÖNGespräch erzählt.

Durch seine musikalische Erziehung nach eigenen Worten ein Hybrid (erste Wagner-Oper als Sechsjähriger, zwölf Jahre Klavierausbildung und damit ein Kind der Klassik, ehe er als junger Erwachsener in die Metal-Ecke abwanderte) empfindet es Lanvall auch nicht als Wechsel zwischen musikalischen Welten. „Das Interessante ist, dass bei Edenbridge der klassische, der symphonische Kontext dem Bandsound dienen muss, während es bei der Symphonie umgekehrt ist, weil sich die E-Gitarre in den Orchestersound integrieren muss“, sagt der Komponist, Musiker und Songwriter. Wichtig war: „Das Werk sollte als Symphonie erkennbar sein.“

Kann man eine Regionalität hörbar machen? „Das ist schwierig zu sagen“, meint Lanvall, „weil jeder wird etwas anderes damit assoziiert. Bei Freistadt mögen manche vielleicht eher an einen ländlichen Sound denken.“

"Freistadt hat viele Facetten"

Unabhängig davon, wie viel der Jubiläumsstadt nun in der Symphonie zu finden ist, ist eines unbestritten: Der Musiker hat die Stadt erst sehr gut kennengelernt, während er das Werk geschrieben hat und danach. „Da entdeckt man so viele Facetten. Wenn man sich die alten Mauern ansieht, dann ist das schon mächtig.“ Und so war es dem Komponisten auch wichtig, das in der Symphonie auch bombastisch umzusetzen. Die Stadt habe schließlich viel Geschichte.

Bei der Uraufführung am 29. Juni wird Lanvall die Symphonie live mit Orchester und Chor spielen. Das verlangt vom erfahrenen Live-Musiker, die „Feinheiten“ im Auge zu haben und „sauber“ zu spielen. Und danach wird der Fokus wieder in die Richtung seiner Band Edenbridge gehen. Das neue Album wird Ende August erscheinen - mit mehr Rock als Symphonie.

(Uraufführung der Freystadt Symphony am 29. Juni, 20 Uhr, Messehalle Freistadt; Karten bei oeticket.com)

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber

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