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Musik

Kopfhörer #75: Andere Zeiten

Von Reinhold Gruber  07. Januar 2022 09:14 Uhr

Pippo Pollina ist ein feinsinniger Erzähler und leidenschaftlicher Musikant.

Die Zeit ist ein Verbündeter, wenn man das Alter als Reifeprozess sehen kann. Pippo Pollina kann das.

Canzoni kann man einfach mit „Lieder“ übersetzen. Doch es sind nicht einfach nur Lieder, die der 58-jährige Sizilianer mit Wohnort Zürich schreibt und singt. Es sind Erfahrungsberichte aus dem Leben eines Weitgereisten, der aus der Begegnung mit anderen (Konstantin Wecker, Martin Kälberer, Werner Schmidbauer usw.) immer etwas für sich mitgenommen hat.

Auf seinem neuen Album „Canzoni Segrete“ (Jazzhaus Records) bilanziert der Cantautore, ohne allzu wehmütig auf das zu schauen, was war. Es ist entscheidender, was ist. Er sei immer noch mitten in der Suche, sagt Pollina. Diese Suche, die ihn neue Herausforderungen entdecken ließ, hat ihn als Komponist und Poet ebenso gefordert wie der Umstand, dass plötzlich die Welt – und mit ihr die Menschen – in eine Richtung gedreht werden, die man nicht für möglich hielt.

Die 14 Lieder von Pollina bejahen das Leben, auch wenn es bedeutet, die grauen Haare zu akzeptieren, die Endlichkeit des menschlichen Daseins zu realisieren, weil sich erste Freunde und Eltern verabschieden und die eigenen Kinder ausziehen, um ihre Wege zu gehen. So schwingen durch „Canzoni Segrete“ Gedanken eines Mannes in den mittleren Jahren, der musikalisch die großen Gefühle und Emotionen ebenso draufhat („Guarda scende la neve“) wie den Rocker („Dove ti nasconderai“) und den großen Erzähler („Léo“, „Tutto chiuso“).

Dass sich die Zeiten ändern, sieht Pollina auch mit der Gelassenheit des etwas Älteren. So macht er nicht viel Aufhebens darum, wenn er nicht mit seinem Namen, sondern mit seiner Familienrolle als Vater von Madlaina oder Faber vorgestellt wird. „Die Kinder sind in einem musikalischen Haus aufgewachsen und sie haben längst ihren Stil entwickelt“, sagt Pollina – und man hört ihn förmlich, den Stolz der Herrn Papa.

Bryan rockt wie einst im Mai

Beim Thema Alter könnte auch Bryan Adams ein paar Wörtchen mitreden. 62 Jahre ist der kanadische Rocksänger mittlerweile alt, der mit die schmachtendsten Pop-Balladen in die Welt gesetzt hat. Man halte sich nur „Everything I Do (I Do It For You)“ vor Augen und Ohren. Dabei war Adams am Beginn seiner Karriere vor allem für seinen geradlinigen Gitarren-Rock bekannt. Mitte März erscheint mit „So Happy It Hurts“ sein neues Album. Mit der aktuellen Single „Kick Ass“ hat Adams jedenfalls einen satten Rock-Hadern auf den Markt geworfen, der echt Spaß macht und die Vorfreude auf das Album schürt - in der Hoffnung, dass er da generell mehr rockt als schmachtet. Man muss im Alter ja nicht automatisch leiser treten.

Dass Musik eine universelle Sprache ist, zeigt Kida. Die albanische Sängerin präsentiert sich auf ihrem aktuellen Album „Orchide“ (Urban) als sprachliche Botschafterin ihres Landes, die aber musikalisch den international gepflogenen Pop-Ritualen huldigt. Dass man sich auch Gehör verschaffen kann, ohne dass jedes Wort vom Großteil der Hörer verstanden wird, ist auf „Special“, „Shume nalt“ oder dem sommerlich getränkten Gute-Laune-Lass-uns-Tanzen-Song „Prima donna“ nachzuhören.

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber

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