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Musik

Kopfhörer #73: Die Lieder der anderen

Von Reinhold Gruber  23. Dezember 2021 13:12 Uhr

Daniel und Tobias, das österreichisch-schwedische Duo Safari verneigt sich vor ABBA.

Auch eine gute Coverversion ist selten besser als das Original, wenn diese Urversion ein Lied war, das man bestens kennt, weil es einfach zum guten Ton gehört. Die finale Tür des musikalischen Adventkalenders beginnt mit Liedern von anderen.

Coverversionen haben oft das Manko, dass man das Original, vor allem wenn es sehr prägnant und eigenständig ist, permanent im Ohr hat, wenn man eine Interpretation hört. Im Fall des österreichisch-schwedischen Indie-Pop-Duos Safari, die sich den ABBA-Hit „SOS“ vorgenommen haben, hat allein schon die Männerstimme den Vorteil, dass man den Sound kennt, aber nicht so schnell in das tausendfach gekannte Frauen-Gesangs-Fach eintaucht. Wobei musikalisch haben Safari dem lieblichen Pop-Hit nur eine leicht rockige Attitüde gegeben, ohne sich aber allzu weit vom Original zu verabschieden. ABBA zu covern, ist mutig. Dafür kann man Safari durchaus Anerkennung zollen.

Wie groß der Einfluss der Beatles auf die Musikszene bis heute ist, verdeutlicht sich daran, dass immer wieder Songs der Fab Four auf die eine oder andere Weise den Weg in die Gehörgänge nachfolgender Generationen finden. Evanescence haben sich „Across The Universe“ aus dem letzten Beatles-Album „Let It Be“ vorgenommen und verneigen sich vor den Lennon, McCartney & Co. mit einer sehr intensiven Version des Klassikers. 

Birdy schmachtet Klassiker

Tausendmal gehört, fast so oft kopiert: Das gilt auch für den Rock’n Roll-Klassiker „I Only Want To Be With You“, mit dem Dusty Springfield 1963 ihre Karriere begründete. In den fast 60 Jahren seither ist der Song immer wieder zum Hit geworden, zur Zeit der Bubble-Gum-Pop-Ära (Bay City Rollers) ebenso wie in der britischen Stock-Aitken-Waterman-Zeit, als eine gewisse Kylie Minogue das Lied sang. Und es gibt unzählige andere Interpretationen davon. Das Lustige daran: Schon nach ein paar Takten erkennt man das Lied, so langsam kann es gar nicht gesungen werden. Birdy macht aus dem Tanzlied eine Romanze, was zumindest den Charme hat, dass sich der Klassiker auf etwas anderen Pfaden daherkommt. Aber ganz ehrlich: So schön Birdy auch singt und so emotional das Lied in ihrer Interpretation auch ist, so tanzt man lieber zu „I Only Want To Be With You“.

Und weil wir jetzt schon praktisch mitten drin im Weihnachtsfinale sind, findet man Interpretationen von Klassikern im Überfluss, während neue Weihnachtslieder eher selten bis gar nicht auftauchen. Eine Ausnahme der Regel, bietet Gucci Mane. HipHop im Kerzenschein? Wer es anders mag, kann sich die Geschichten des US-Rappers auf dem Album „So Icy Christmas“  zu Gemüte führen - und sich vielleicht wundern, warum da nicht augenblicklich die typische Weihnachtsstimmung erwacht.

Ganz anders verhält es sich da beim feinen Album „Jazz Christmas“, das in der Serie der Putumayo World Music, veröffentlicht wurde. Die Melodien darf man als bekannt voraussetzen, wie sie interpretiert werden, macht eben den Unterschied. „Jazz Christmas“ bringt echt besinnliche Stimmung in die eigenen vier Wände, wenn Oscar Peterson „Let it snow“ spielt oder die Dixieland Rambler „The Christmas Song“ zum Besten geben. Die jazzige Weihnachtsnote hat das gewisse Etwas. Und das sogar, obwohl es sich vorwiegend um Coverversionen handelt.

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber

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