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Musik

Kopfhörer #62: Eine einseitige Freundschaft

06. Dezember 2021 16:26 Uhr

In den 70er-Jahren war er ein Pop-Star, als 71-Jähriger singt Chris Norman immer noch.

Tür 6 des musikalischen Adventkalenders führt in die Vergangenheit. Chris Norman singt immer noch, als Sänger von Smokie bleibt er aber legendär.

Seinerzeit. Wenn dieser nicht wirklich exakte Zeitbegriff verwendet wird, dann ist auf alle Fälle eines klar: Es ist schon lange her. 

Seinerzeit waren Chris Norman und ich so etwas wie gute Freunde, wobei er natürlich nichts davon wusste. Wie denn auch? Der Sänger und Frontmann der Band Smokie stand mir in den späten 1970er Jahren mit seiner Musik zur Seite, in dem er mir etwa mit „It‘s Your Life“ klarmachte, dass mein Leben nur mir gehört. 

Als er „Lay Back In The Arms Of Someone“ sang, traf er den Nerv des Pubertierenden, der sich so gerne in die Arme eines Mädchen fallen hätte lassen, wenn es nur eines gegeben hätte, die dies auch gerne gehabt hätte. In Ermangelung eines Instrumentes musste der Tennisschläger als Gitarrenersatz herhalten, um playback vor dem Spiegel „Don‘t Play Your Rock‘n Roll To Me“ zu intonieren. Wie gerne hätte man doch seinerzeit selbst Tür an Tür mit Alice gelebt.

Und da war dann noch die Verleihung der Goldenen Schallplatte an Smokie auf der Eislauffläche im Parkbad in Linz. Ja, seinerzeit musste man für Ruhm auch noch etwas leiden, und so standen Chris Norman und seine Bandkollegen mit gefrierendem Lächeln in der Kälte, um sich auszeichnen zu lassen. Ich stand mit einem Freund in der Nähe und wir hatten das Gefühl, fast dazu zu gehören. Für das Konzert am Abend in Linz waren wir damals noch zu jung. Später wurde das Erlebnis nachgeholt.

All diese Erinnerungen sind in mir aufgekeimt, weil Chris Norman, mein Freund von damals, gerade eben mit „Just A Man“ (Telamo) ein neues Album veröffentlicht hat. Beim Blick in das Gesicht des Mannes erkennt man die 71 Lebensjahre, auch wenn er offenbar dem Zahn der Zeit etwas davoneilen möchte. Aber letztlich sollte es ja nur um die Musik gehen.

Als Solo-Künstler hat mich Chris Norman nicht mehr so überzeugt wie als Sänger von Smokie. Das lag an seinem Hang zur Herz-Schmerz-Ballade (“Midnight Lady“ zum Beispiel), die ihm offenbar geblieben ist. Aber auf „Just A Man“ lässt Norman auch den Rock‘n Roller in sich noch frei, der zum typischen Sound der 70er und frühen 80er Jahre noch ganz passabel klingt. Aber das klingt nach Retro-Stil, woran auch Songwriter Mike Chapman seinen Anteil hat. Der Produzent von „Just A Man“ war zusammen mit Nicky Chinn für einige der größten Smokie-Hits verantwortlich. Seinerzeit.

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