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Musik

Kopfhörer #61: Die Liebe und die Kraft der Worte

Von Reinhold Gruber  05. Dezember 2021 12:52 Uhr

Die Ärzte haben schon nach Liebe geschrieen und wissen jetzt um die Macht der Worte.

Die Liebe schreibt die schönsten Lieder. Deshalb sind die Wochenend-Türen 4 und 5 des musikalischen Adventkalenders der stärksten Kraft des menschlichen Daseins gewidmet.

In der Adventzeit, in der normalerweise viel von Liebe die Rede ist, hat es beim Blick nach draußen manchmal den Anschein, als wären einige vom Geist der Liebe völlig verlassen.

Das gilt manchmal auch für Beziehungen, die ein ewiges Rätsel der Menschheit sind. Wenn sie gelingen, schaut alles so einfach aus. Aber zumeist stehen sie unter Spannung. Irgendwann einmal, wenn dieses Gefühl des totalen Verlorenseins ohne den anderen verfliegt, diese bedingungslose Liebe vom Alltag und der Gewohnheit auf seine Belastungsprobe gestellt wird, dann tut Liebe auch weh und die Gedanken, die sich in den Köpfen der Betroffenen ranken, haben schon immer Stoff für Liebes- oder eben Trennungslieder geboten.

Cian Ducrot, junger irischer Songwriter, stellt eine Frage, die durchaus plausibel klingt. „Würdest du nicht glücklicher sein ohne mich?“ „Happier Without You“ aus seinem Album „Make Believe“ (Universal) beginnt mit dem Zweifel, den man gar nicht ansprechen will, um dann in der (schmerzlichen) Erkenntnis zu münden, dass es dem anderen wohl besser gehen würde, wenn man sich verabschiedet und seine eigenen Wege geht. Ducrot trifft damit einen Nerv, berührt und schafft in der musikalischen Umsetzung auch, das Kratzbürstige neben das Liebliche zu stellen. Wie es halt im Leben so ist. Liebe tut gut, aber manchmal auch weh, und wenn man selbst das Problem ist, tut es doppelt weh zu spüren, dass man einem anderen weh tut. In „Happier Without You“ trifft der Ire exakt den passenden Ton. Auch „Not Usually Like This“ ist ein Anspieltipps aus dem Album des 23-Jährigen.

Biffy Clyro geizen seit jeher nicht mit kantigen Tönen. Da passt es fast nicht ins Bild, dass die Schotten mit einem Ohrwurm das Herz des Romantikers erobern. „Space“ heißt der Song aus ihrem neuen Album „A Celebration Of Endings (Live From The Barrowland Ballroom Glasgow) (Warner), den man schon nach wenigen Augenblicken ins Herz geschlossen hat. Große Gefühle, große Romantik, große Wirkung. In der Studiofassung des Album aus dem vergangenen Jahr ist „Space“ noch nicht so aufgefallen. Jetzt ist die Zeit reif, um Versäumtes nachzuholen.

Worte haben Kraft. Die Ärzte rufen uns mit ihrer aktuellen Single ins Gedächtnis, dass alles, was wir sagen, was hier schreiben, Konsequenzen haben kann. Im Guten wie im Bösen. Ein Statement zur Zeit, in der Menschen schnell mit Worten zur Stelle sind, um zu urteilen, abstruse Thesen aufzustellen und jeden, der nicht der eigenen Meinung ist, nur als Idioten oder willfähriges Spielzeug mächtiger Kräfte bezeichnen. Doch jeder, der einen anderen niedermacht, ihn mit Worten so zerstört wie mit Faustschlägen, sollte sich bewusst sein, dass Worte nicht nur aneinandergereiht Sätze ergeben, sondern Sinn machen, Sinn stiften oder Unsinn ausdrücken können. „Kraft“ (Hot Action Records) spricht das Thema so an, wie man es auch ansprechen kann - und vielleicht derzeit gerade auch muss.

Etwas weniger rockig und kraftvoll, dafür mit der feinen Klinge der Harmonie ist Familie Lässig unterwegs. „Besserwisser“ ist ein großartiger Gute-Laune-Song, der veranschaulicht, was jeder von uns kennt. Jemanden, der immer und überall alles besser weiß, obwohl er (oder sie) nichts weiß. Mit Augenzwinkern und der Liebe zum Spiel mit Worten gelingt es Familie Lässig damit ein Grinsen ins Gesicht des Hörers zu zaubern. Etwas mehr Fröhlichkeit zur Liebe wäre derzeit ohnedies angesagt.

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber

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