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Musik

Kopfhörer #59: Frau Schomaker muss gar nichts

Von Reinhold Gruber  02. Dezember 2021 16:00 Uhr

Ein Lied, eine klare Botschaft und eine Frau, die weiß sie will: Antje Schomaker.

Aus dem zweiten Fenster des musikalischen Adventkalenders schaut Antje Schomaker und singt - einer Botschafterin gleich - den Männern ins Gewissen: „Ich muss gar nichts“.

Es ist ein Statement, das Antje Schomaker im Synthie-Sound und Wir-sind-Helden-Style in die Welt setzt, um klar zu machen, dass sie es satt hat, tausendmal zu hören, was „in“, was angesagt oder was trendig ist und was eben gerade nicht dem entspricht, was Erfolg verspricht. 

So wird das leicht aufmüpfige, fetzige „Ich muss gar nichts“ zu einem klaren Bekenntnis, dass es nicht sein kann, dass man nur relevant ist, „wenn man ein Rapper oder ein alter weißer Mann wie James Blunt ist“, wie Schomaker singt.

Warum will ihr ein jeder sagen, wie es zu gehen hat? Wie wär’s, wenn jeder einfach schaut, wie er es selbst besser macht, lautet die Kernbotschaft eines  starken Songs, in dem es am Ende vor allem darum geht, was man als Frau im Musikgeschäft alles sein soll bzw. muss. Und das hat sehr oft nichts mit der Musik und der Stimme zu tun. Darüber könnten Männer durchaus einmal nachdenken. Wobei dieses Thema nicht nur die Musikszene, sondern die Gesellschaft insgesamt betrifft.

Stärke hat nicht allein mit Muskelkraft zu tun. Man kann auch zerbrechlich stark sein. Das singt Liz Metta zu Indie-Gitarren und verschafft sich auch dank ihrer beseelten Stimme Gehör. „Fragile & Strong“ (Ursus Records) ist ein Song, der durch die Hintertüre kommt, sich erst seinen Platz erobern muss, um dann von Mal zu Mal mehr die Vielschichtigkeit der Komposition begreifbar zu machen. Die in Wien lebende Songwriterin zeigt hier einmal mehr ihr hohes Talent für Melodien, die etwas um die Ecke gedacht sind, aber gerade daraus ihren Charme ziehen. Eine erste EP der Austro-Amerikanerin ist in Vorbereitung. Vielversprechend.

Anja Thaler spielt mit der Sprache

Gespannt sein darf man auch auf das Debütalbum einer anderen Wahl-Österreicherin. Auch wenn man es nicht wahrhaben will: Die Sprache macht oft den Unterschied. Was im Englischen mangels exaktem Verständnis vielleicht den Zugang erschwert, wird in der Muttersprache schon spannender, weil der Text mehr Aufmerksamkeit bekommt. 

Anja Thaler, in Tirol lebende Deutsche, will sich ein ganzes Album lang mit der Sprache spielen und die Unterschiedlichkeit im Ausdruck klar erkennbar machen. Mit „warten“ und „waiting“ schickt Thaler ein neues Lied ins Rennen, das in der deutschen Version mehr Eindruck macht als im Englischen. Weil die Machtlosigkeit angesichts der Erkenntnis, nichts tun zu können, in der poetischen Ausdrucksform der deutschen Sprache stärker berührt. Übrigens: Text und Musik hat Thaler gemeinsam mit dem Linzer Pop-Titanen Andy Baum geschrieben. Im Februar 2022 soll das Album erscheinen.

Wer es in der Adventzeit dennoch lieber so richtig weihnachtlich mag, der kann sich zum Beispiel an Gary Barlow halten. Der wandelt nämlich ein wenig auf den Pfaden seines Ex-Take That-Spezies Robbie Williams. Das gilt sowohl für das Singen von Weihnachtsliedern – bei Barlow ist dies unter dem Titel „The Dream Of Christmas“ auf einem Album zusammengefasst – als auch für die swingende Big-Band-Note, die viele der elf Songs bestimmt. 

Es kann aber auch ganz klassischer Pop sein, der zur guten Stimmung unter dem Christbaum beitragen soll („Come On Christmas“). Dazu gibt es dann auch die (notwendigen, obwohl tausendfach strapazierten) Klassiker wie „Sleigh Ride“ oder „Winter Wonderland“ (hier in jazzigem Soundkleid) oder „Merry Christmas Everyone“ (die ganz in sich ruhende Balladenversion des Shakin‘ Stevens Rock’n Roll-Evergreens).

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Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber

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