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Musik

Kopfhörer #35: Der einsame Songwriter

Von Reinhold Gruber  27. Januar 2021 17:41 Uhr

Ein einsamer Musiker thematisiert die Einsamkeit: Bärenheld.

Als Do-It-Yourself-Musiker tut man sich leicht, weil man auch in Zeiten der erzwungenen Verringerung sozialer Kontakte fast auf Null niemanden braucht, um seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen. Doch Bärenheld ist dennoch einsam.

„Es ist einsam“, singt der Songwriter aus St. Marien, der bürgerlich auf den Namen Josua Palmanshofer hört. Und: „Ich habe mich verschätzt.“ Das klingt in seiner neuen Single „Einsam“ nicht danach, dass er sich das so vorgestellt hätte.

Doch die Metapher ist zu eng an Corona gedacht. Das seit elf Monaten alles bestimmende Thema spielt im Song keine Rolle. Vielmehr geht es Bärenheld darum, mit Blick in das Weltall klar zu machen, dass wir auf der Suche nach uns selbst die anderen verloren haben. Da kann man dann auch schon einmal so einsam sein, wie sich mancher ganz irdisch im Lockdown fühlt.

Einsam ist der Oberösterreicher auch im Video zu seinem leichtgängigen Indie-Pop-Song. In Szene gesetzt hat den Musiker Starregisseur Marcus Steinberg (Nena, Ich + Ich, Run DMC u.a.). Da sitzt er einsam in einer spartanisch eingerichteten Behausung, spielt die Gitarre in der Natur, das Schlagzeug auf dem Feld und ist ganz offenkundig auf sich allein gestellt.

Der Videodreh stand natürlich auch im Zeichen der Corona-Bestimmungen. So wurde die Regie auf Distanz geführt, was aber dem Ergebnis nicht schadet. Der Fokus liegt auf dem Akteur, für den sein Name nicht wichtig ist, weil es einfach um die Emotionen in seiner Musik geht. Und davon gibt es auf „Einsam“ genug zu hören.

Bärenheld, wie sich der junge Mann als Künstler nennt (“ich wollte immer einen Bandnamen haben“), wuchs in St. Marien auf. Früh schon begeisterte er sich für Musik, nutzte Holzgitarren und Spaghetti als Drum-Sticks, um sich im Kinderzimmer auszuprobieren. Es wird erzählt, dass er dabei wild zu seinen Lieblingssongs herum sprang und sich schon damals vorstellte, mit eigenen Liedern aufzutreten.

Als knapp Elfjähriger erfüllte er sich diesen Wunsch, begann Lieder zu schreiben, die sich mangels großer Englisch-Kenntnisse einer teils fragwürdigen Grammatik bediente. Das sollte sich ändern, als er in den USA wohnte. Witzigerweise kam dann dort wieder auf seine Muttersprache, als er nach langer Zeit wieder ein deutsches Lied sang. Es war wie ein Nach-Hause-Kommen, sagt er. 

Seither schreibt er in Deutsch, legt darin seine Gefühle offen und lässt tiefe Einblicke in sein Seelenleben zu. Mit der EP „Auf und davon“ hat er im Vorjahr bereits einige auf sich aufmerksam gemacht. Mit „Einsam“ werden es garantiert noch ein paar mehr werden. Und im Frühsommer soll mit „Wildnis“ das erste ganze Album folgen.

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber
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