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Musik

Kopfhörer #3: Die Alben der Woche

Von Reinhold Gruber  13. Februar 2020 18:22 Uhr

Diese Woche auf dem virtuellen Plattenteller der OÖN-Musikredaktion: Boyband-Bube Louis Tomlinson, der sich musikalische emanzipiert, Songwriter, der sich lieber entfaltet als zurecht bügeln lässt, und Duos, die ganz eigene Wege eingeschlagen haben.

Louis Tomlinson „Walls“ (Columbia)

Louis Tomlinson geht mit „Walls“ nun seinen eigenen Weg abseits von One Direction.

Im Boyband-Verbund von One Direction den süßen Geschmack von Ruhm und Ehre genossen, zieht Louis Tomlinson nun solo durch die Lande. Seine eigene Identität will er auf „Walls“ hörbar machen, und dafür hat er sich erfolgreiche Songwriter und Produzenten ins Boot geholt, um alte Fans nicht vor den Kopf zu stoßen und neue Fans zu gewinnen.

Das leichtgängige „Don’t Let It Break Your Heart“, das von viel Gefühl getragene „Two Of Us“ über den tragischen Verlust seiner Mutter oder der ruhig-bedächtige Titelsong sind somit auch genau aus jenem Stoff gestrickt, der Teenagerträume in den Himmel wachsen lässt.

Die angenehme Stimme von Tomlinson passt zu den schmucken Popsongs, die noch etwas mehr Eigenständigkeit vertragen könnten. Aber auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, und One-Direction-Kollege Harry Styles benötigte auch seine Zeit.

Jack Penate „After You“ (XL Recordings)

Wer Songs auf das Drei-Minuten-Format beschränkt, mag damit Radiotauglichkeit erreichen, nimmt Künstlern aber die Möglichkeit, sich entfalten und auf Hörer wirken zu können. Im eingekürzten Format würde „Murder“ aus dem aktuellen Album des Songwriters aus dem Süden Londons vielleicht auch wirken, wenn man mit dem hymnenhaften Refrain schnell auf den Punkt kommen würde. Aber der Song ist deshalb so interessant, weil er sich langsam steigert und erst nach zweieinhalb Minuten so richtig an Fahrt aufnimmt. 

Jack Penate ist kein Freund der Beliebigkeit, sucht in den Arrangements der zehn Songs von „After You“ stets das Überraschende, das Ungewohnte, das aus vorgefertigten Bahnen Ausbrechende. So entstehen tiefgehende Balladen („Prayer“), mit orientalischen Klängen verspielte Popsongs („Round And Round“) oder mit beschwörender Stimme erzählte Geschichten zu Klavierklängen („Gemini“). Und eben „Murder“. Der Song sticht aus einem hoch interessanten Album noch heraus.

Children „Hype“ (Grönland Records)

Reicht ein Plattentitel, um Gleiches auszulösen? Sollte das Berliner Damen-Duo Steffi Frech und Laura Daede diesen Gedanken auch nur ansatzweise im Hinterkopf gehabt haben, dann war er falsch. „Hype“ wird keinen Hype verursachen. Dafür fehlt den zehn Songs die ganz große Überzeugungskraft für den großen Wurf. 

Lieder in Deutsch und in Englisch zu singen ist auch nicht zwangsläufig Ausdruck von Internationalität, sondern kann auch als Entscheidungsschwäche gedeutet werden. Wobei das Englische dem Indie-angehauchten Pop besser steht als die deutsche Sprache.

Wie sich hier überhaupt zwei unterschiedliche Klangbilder einer Band zeigen, so als würden sich zwei Seelen noch nicht entschieden haben, wohin es für sie gehen soll. In Englisch sind Children deutlich freundlicher, heller, optimistischer. In Deutsch gewinnt das Dunkle, das Düstere, das Avantgardistische die Oberhand. Fazit: „Dschungel“ und „Hype“ sind zwar cool, aber dauerhaft hängenbleibt am Ende nur „Thin Line“.

Fantast „Fantast EP“ (LasVegas Records)

Ehrlich: Am Beginn der Debüt-EP des Trios findet man keinen Halt. Hier treibt der Experimentiergedanke über alle Stile seinen Freudentanz. Die Geschwister Daniel und Mario Gschwendtner sowie Georg Wolfmayr musizieren zwischen den Stühlen, vermischen HipHop mit Weltmusik, lassen die Drums zu Synthesizer vibrieren und erzeugen so eine sehr eigene Crossover-Stilistik.

Wer sich darauf einlässt, wird in den nur vier Songs der EP viel Spannendes, Mitreißendes finden. „Example“ brennt sich mit seiner Dynamik in die Gehörgänge, „Dear“ ist ein entspanntes Stück Musik, das wie Filmmusik wirkt und folglich Bilder im Kopf gedeihen lässt. Da umarmen Fantast fast. Aber eben nur fast.

OTHERLiiNE „OTHERLiiNE“ (Ministry Of Sound)

Zufallsbekanntschaften haben ihren Reiz. Im Fall der musikalischen Partnerschaft von George FitzGerald und TJ „Lil Silva“ Carter muss man dem Zufall dankbar sein. Denn die beiden Produzenten und Musiker haben sich aufeinander eingelassen, als sie in ihren Studios in Peckham bzw. in Bedford sieben Songs entstehen ließen, bei denen der Ball der Inspiration hin- und hergespielt werden. 

Am Ende des Prozesses steht ein Album, ein Name – OTHERLiiNE mit den beiden „i“ als Hinweise auf ihre Namen – und die Erkenntnis, dass Tanzmusik in den 2020er-Jahren viel Drive und Emotion haben kann. Er sei immer auf der Suche nach Sängern, die nicht unbedingt technisch die besten sind, aber eine gewisse Klangfarbe haben, meint FitzGerald. Es versteht sich von selbst, dass er diese Klangfarben bei TJ gefunden hat. Das kann sich auf alle Fälle hören lassen.

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber
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