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Molière: Glück und tragisches Ende eines begnadeten Erzkomödianten

Von Christian Schacherreiter, 15. Jänner 2022, 00:04 Uhr
Molière: Glück und tragisches Ende eines begnadeten Erzkomödianten
Molières (1622–1673) Büste in der "Comédie-Française", dem französischen Nationaltheater, in Paris Bild: APA/AFP

Heute vor 400 Jahren wurde der französische Schauspieler und Dramatiker geboren.

Mit bürgerlichem Namen hieß er Jean-Baptiste Poquelin, und bürgerlich war auch seine Herkunft. Als Sohn eines wohlhabenden Textilhändlers und Raumausstatters erhielt der junge Mann in einem renommierten Pariser Jesuitenkolleg eine solide humanistische Bildung. Während seines Jusstudiums hörte er auch Vorlesungen des religionskritischen Frühaufklärers Pierre Gassendi.

Mehr als das väterliche Textilgeschäft und die Rechtswissenschaften interessierte den jungen Molière das Theater. Mit dem mütterlichen Erbe gründete er 1643 eine eigene Theatergruppe, deren wirtschaftlicher Misserfolg ihm allerdings schon zwei Jahre später einige Wochen Schuldhaft einbrachte. Molière ließ sich aber nicht entmutigen. Er schloss sich als Schauspieler einer Wandertruppe an, brachte es dort zum Prinzipal und bereicherte ab 1655 den Spielplan mit Werken aus eigener Feder, wobei er dem Vorbild der Commedia dell’arte folgte.

Der Durchbruch als Bühnenautor gelang ihm mit "Les Précieuses ridicules", einer feinen Satire auf bürgerliche Mädchen, die aristokratischen Habitus imitieren. Bald folgte eine Einladung an den Pariser Hof, wo Molière die Sympathien des jungen Königs Ludwig XIV. gewann. Dessen Gunst konnte er gut gebrauchen, denn mit seiner Komödie "Tartuffe", einer treffenden Satire auf Frömmelei und Heuchelei, zog sich Molière die Feindschaft des erzkonservativen Hofadels zu, dessen starkes Zentrum die Königinmutter war, die Habsburgerin Anna.

Zerwürfnisse und Tragödien

Zu den enttäuschenden Erfahrungen dieser in Summe so erfolgreichen Zeit gehörten Molières schweres Zerwürfnis mit dem mächtigen Hofkapellmeister Jean-Baptiste Lully und familiäre Tragödien. Zwei seiner drei Kinder starben schon im ersten Lebensjahr, seine um 24 Jahre jüngere Frau Armande trennte sich zeitweise von ihm.

In Molières letztem Lebensjahrzehnt entstanden jene klassischen Charakterkomödien ("Der Menschenfeind", "Der Geizige", "Der eingebildete Kranke"), die bis heute das Theaterpublikum begeistern, sofern nicht ehrgeizige Regisseure dem verhängnisvollen Irrtum verfallen, sie müssten diese feinsinnige, kritische Unterhaltungskunst "gegen den Strich bürsten" und "durch Dekonstruktion ins Heutige transformieren".

Tod auf der Theaterbühne

Molières Tod im Jahr 1673 war eines großen Komödianten würdig. Er spielte selbst die Titelrolle des hypochondrischen Argan in "Der eingebildete Kranke" und erlitt während der Aufführung einen Blutsturz, den das Publikum als gelungene Einlage beklatschte. Sie war leider bitterer Ernst. Molière verstarb wenige Stunden später. So wie viele Großmeister des komischen Fachs hatte sich auch Molière bisweilen in der Tragödie versucht – ohne Erfolg, sieht man von seinem finalen Auftritt ab.

Verbürgt ist diese makabre Anekdote zwar nicht, aber sie ist zu gut, um bezweifelt zu werden.

Molière für Einsteiger

  • „Der eingebildete Kranke“ In Molières letzter und bekanntester Komödie prangert er die Medizin- und Autoritätsgläubigkeit seiner Zeit an.
  • „Die Schule der Frauen“ Mit beißendem Spott karikiert Molière in dieser Verskomödie die sexistischen Besitzfantasien des ewigen Junggesellen Arnolphe.
  • „Tartuffe“ Die Entlarvung klerikaler Heuchelei löste einen Theaterskandal samt Auftrittsverbot aus. Heute gilt es als sein meistgespieltes Werk.
  • „Der Geizige“ Für Harpagon ist die Ehe ein Geschäft. Doch er hat nicht mit der List seiner Kinder gerechnet. Charakterkomödie mit vielen burlesken Szenen.
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Autor
Christian Schacherreiter
Christian Schacherrreiter
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