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Kultur

Mit Liederlichkeit gegen jede Vernunft

Von Helmut Atteneder  03. Juli 2021 00:04 Uhr

Mit Liederlichkeit gegen jede Vernunft
Zwei Nebenrollen als tragende Säulen: Lisa Furtner und J-D Schwarzmann

Uraufführung "Das Prinzip und der Krampus" auf Schloss Tillysburg.

So ist das also, wenn zwei Lebensphilosophien aufeinanderprallen und darüber abendfüllendes Theater gemacht wird. Thomas Kreger – dargestellt von Gregor Seberg – frönt Lastern jeglicher Art. Die anderen – die Familie Esch – vertrauen lieber auf ein Leben in (äußerlicher) Reinheit, in Enthaltung. Es ist eine interessante Arbeit, die Tillysburg-Intendant Nikolaus Büchel dem Premierenpublikum am Donnerstag mit der Uraufführung von "Das Prinzip und der Krampus" vorgelegt hat. Büchel hat zwei selten gespielte Stücke von Hermann Bahr zu einem gemacht und die Verschmelzung ist im Großen und Ganzen gelungen.

Es beginnt als g’spaßiges Ping-Pong-Spiel zwischen Liederlichkeit und frei gewählter Vernunft. Es geht um Beziehung, erste und erkaltete Liebe, ums Leben halt. Da ist auch viel zum Schmunzeln dabei, teilweise auch subtil eingestreuter Humor, der in den ersten beiden Akten unter freiem Himmel unterhält (das Finale musste wetterbedingt im Tillysburger Schlosskeller gespielt werden). Gregor Seberg ist für diese Festspiele ein Zugpferd, allein er hat bei der Premiere den spielerischen und auch sprachlichen Nuancenreichtum seiner Rolle noch nicht vollends gefunden. Bernhard Majcen meistert seine schwierige Vaterrolle mit Verve, Alexandra-Maria Timmel spielt seine vernunftbegabte Frau.

Hervorragend besetzt sind die Nebenrollen. Lisa Furtner garniert die Figur der lebensfrohen, bauernschlauen Köchin Leni Kuk mit Esprit, mit komödiantischem, aber nie überbordend eingesetztem Talent.

J-D Schwarzmann ist ein köstlicher Everbusch, ein Meister der kleinen Geste mit großer Wirkung. Theo Colarusso gibt einen Hans, dem man die eben eingeschossene Lust am Leben (und an der Frau) jederzeit gerne abnimmt.

Was dem Stück fehlt, ist ein flüssiger Zusammenhang. Es hat unnötige Längen, vor allem zum Schluss hin. Was die Kostümauswahl betrifft, geht auch noch mehr. Das sind zu viele Kleiderepochen. Jedenfalls sehenswert.

Fazit: Eine unterhaltsame Uraufführung, die aber noch ein bisschen Luft nach oben hat.

Artikel von

Helmut Atteneder

Redakteur Kultur

Helmut Atteneder
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