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Literatur

Der chinesische "Herr der Ringe"

14. November 2020 00:04 Uhr

"Die Legende der Adlerkrieger" verknüpft Kampfkunst mit einer epischen Geschichte um Freundschaft und Verrat.

Jin Yong, der meistgelesene chinesische Schriftsteller unserer Zeit, ist vor zwei Jahren in Hongkong gestorben. Seine Werke hat der 94 Jahre alt gewordene Autor von 1955 bis 1972 verfasst, darunter eine Trilogie, die als größtes Kung-Fu-Epos gilt. Erstaunlich, dass die Saga erst jetzt in einer deutschen Fassung erscheint: Der Heyne Verlag bewirbt Band eins, "Die Legende der Adlerkrieger", als "chinesischer Herr der Ringe" – und liegt damit nicht daneben.

Fantastische Kampftechniken, chinesische Geschichte, buddhistische und daoistische Philosophie, Zen, Poesie und Action lässt Jin Yong in seinen Wälzern aufeinanderprallen. Der Held in "Die Legende der Adlerkrieger" ist Guo Jing, der – ausgebildet beim Clan von Dschingis Khan von den Sieben Sonderlingen des Südens, den besten Kung-Fu-Meistern Chinas – in ein Abenteuer verstrickt wird, in dem es um das Schicksal des Reiches geht. Sein Gegenspieler ist ausgerechnet der Sohn jenes Mannes, mit dem Guo Jings Vater ewige Bruderschaft geschworen hat.

Der Fantasy-Roman lässt eintauchen in eine fernöstliche Wunderwelt mit exotischen Schauplätzen. Die Protagonisten tragen Beinamen wie "Bezwinger allen Übels, genannt Fliegende Fledermaus", "Ewige Wahrheit" oder "Drachenkönig vom Dämonentor". Der Autor schuf ein komplexes Abenteuer, erfand Kampfformen wie die "Berge zerteilende Hand" oder die "Kunst des Eisenhemds" ("nicht selten" erprobte einer der Meister diese Technik "im Schlachthof, wo er wild gewordene Bullen gegen seinen nackten Oberkörper anrennen ließ") und verstrickte in seine Handlung auch den ewigen Zwist zwischen Moral und Korruption. "Die Legende der Adlerkrieger" ist letztendlich eine Geschichte über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Sinnbild der Freiheit

Die von Jin Yong geschaffenen Charaktere gehören längst zur Alltagskultur Chinas. Die Heldensagen, blumig wie poetisch und überaus detailreich geschildert, dienten als Vorlage für Videospiele, Comics und Filme. Eine Entdeckung im deutschsprachigen Raum war längst überfällig. Vielleicht haben die Erfolge mit der Übersetzung der Trisolaris-Trilogie der Science-Fiction-Ikone Cixin Liu den Verlag zur deutschen Fassung ermutigt. Übersetzerin Karin Betz erklärt im Vorwort den Bandtitel: Er bezieht sich auf eine Liebe über Grenzen hinweg, wie die eines Adlerpaares – "Sinnbild der Freiheit, das der Handlung in der Mitte des ersten Buches ein neue Wendung gibt".

Jin Yong, geboren als Louis Cha Leung-yung, verfasste 15 sogenannte Wuxia-Romane (über "ritterliche Helden"), eine in China äußerst populäre literarische Gattung. Seine Karriere hatte er als Journalist begonnen, ab den späten Achtzigern betätigte er sich auch politisch. Seine Mitarbeit am Grundgesetz von Hongkong legte Jin Yong nach dem Massaker von Tiananmen zurück. Trotz der immensen Erfolge seiner Romane begnügte er sich ab 1972 damit, seine Werke zu überarbeiten – neue schrieb er keine mehr. In China hat der Autor Heldenstatus, in Peking gibt es ein Jin-Yong-Museum. (wh)

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