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Das Universum schaut uns nicht mehr lange zu

Von Peter Grubmüller, 13. Mai 2019, 00:04 Uhr
Das Universum schaut uns nicht mehr lange zu
Kurt Palm Bild: ORF

Heute erscheint Kurt Palms bizarr-komischer Roman und "Bad Fucking"-Nachfolger "Monster".

Autor, Regisseur und Volksbildner Kurt Palm ist in Österreich verliebt. Deshalb seziert er in seinem neuen Roman "Monster" die heimische Gegenwart und überhöht sie zur schmerzhaften Kenntlichkeit. Was dabei herauskommt, ist absurde, unerhört witzige, bittersüße Trash-Lektüre, durch deren 300 Seiten der Leser hindurchgleitet wie ein heißes Messer durch die Malakofftorte. Palms Bestseller "Bad Fucking" (60.000 verkaufte Exemplare) war also erst der Anfang. Ab heute steht "Monster" im Buchhandel.

Landwirt Matthias Ablinger lebt in der Umgebung des Rottensees und hat 70 Jahre lang das mörderische Geheimnis des dekorierten Obernazis und späteren ÖVP-Bürgermeisters Gernot Flachberger für sich behalten. Jetzt, da Flachberger zum 90er vom Landeshauptmann geherzt werden soll, muss die Wahrheit ans Licht. Also erzählt Ablinger seiner Enkelin Franziska die katastrophale Geschichte, als Flachberger in den letzten Kriegstagen einen amerikanischen Soldaten gelyncht hat.

So nah an realen Möglichkeiten bahnt Palm den Wahnsinn an, den er mit einem Haufen Personal ausstattet: Der Besuch der Innenministerin Dietlinde Breitfurtner-Brandstätter im Asylantenheim am See, für den unbestreitbar der Attersee Vorlage war, mündet in einem medial inszenierten Suppenessen, vor dem einem Nigerianer Flughunde-Krallen mit Ebola-Viren in die Brühe gerutscht sind. Gleich in der Gegend dreht Zombiefilm-Regieguru George Romero einen seiner berüchtigten Streifen. Zwei tschetschenische Komparsinnen – sie sind im wirklichen Leben Vampire – verbeißen sich in den Produzenten, der mit Immobilien und Menschenverachtung stinkreich geworden ist. Der FPÖ-Bezirksobmann hat sich auf seinem Bauch "Meine Ehre heißt Treue" tätowieren lassen, kann aber glaubhaft versichern, keine Ahnung gehabt zu haben, dass es sich dabei um einen Spruch der SS handelte.

Einstweilen entdeckt ein Bub einen abgebissenen Frauen- und einen Hundefuß im See. Der aquaphobe Polizist Stallinger wird gerufen. Seine Angst vor Wasser versucht der Beamte mit Stricken in den Griff zu bekommen. Nur der Leser weiß, dass ein Monsterfisch, der auch an den Wadeln von Volks-Rock’n’Roller Andreas Mastwächter knabbert, mit der Sauerei zu tun hat. Anders als die Menschen ist der Fisch kein Mörder. Er hat lediglich Hunger. Lange sieht das Universum ohnehin nicht mehr zu: Ein Asteroid rast der Erde entgegen.

Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen sind vom Autor freilich erwünscht. Das schärft den Witz – und wird Sie beim Lesen um den Schlaf bringen.

Kurt Palm: "Monster", Roman, Deuticke Verlag, 302 Seiten, 21,60 Euro.

OÖN Bewertung:

 

Palm liest „Monster“

14. Mai, 20 Uhr: KiK in Ried im Innkreis (Musik: Hans-Peter Falkner – Attwenger)
16. Mai, 20 Uhr: Papiermachermuseum Steyrermühl
23. Mai, 19.30 Uhr: Stifterhaus Linz
9. Juni, 11 Uhr: Steyr, Museum Arbeitswelt
27. Juni, 19 Uhr: Bandlkramerey, Seewalchen/Attersee

 

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Autor
Peter Grubmüller
Ressortleiter Kultur
Peter Grubmüller
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1  Kommentar
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AlfDalli (3.986 Kommentare)
am 05.07.2019 09:40

Diesen "Roman" werde ich nicht lesen.

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