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Literatur

Billy the Kid - Der Linkshänder, der keiner war

23. Januar 2021 00:04 Uhr

Der Linkshänder, der keiner war
Das einzige authentische Foto von Billy the Kid wurde vor zehn Jahren um 1,6 Millionen Euro versteigert.

Die "Billy the Kid"-Geschichte aus Christian Satorius’ Buch "Der Mann, der seine Schuhe aß, scheiterte an Konservendosen".

Henry McCarty, besser bekannt als Billy the Kid, ist einer der bekanntesten Banditen und Revolverhelden des Wilden Westens. Bis zu 21 Morde werden ihm zur Last gelegt, über die genaue Anzahl streiten Historiker bis heute. Das einzige authentische Foto, das von ihm existiert, wurde am 25. Juni 2011 auf einer Auktion in Denver für 2,3 Millionen US-Dollar (1,6 Millionen Euro) versteigert. Damit wurde es zu einer der teuersten Fotografien der Welt.

Das Bild ist ein Ganzkörperporträt, das Billy the Kid mit seiner Winchester und mit umgeschnalltem Revolver zeigt. Diesen trägt der Revolverheld auf dem Foto an seiner linken Seite, was typisch für Linkshänder war, da sie ihre Waffe so am schnellsten ziehen konnten. Kein Wunder also, dass Paul Newman den Banditen in dem 1958er-Western "Einer muss dran glauben" (Originaltitel: "The Left Handed Gun") als Linkshänder spielte. Billy the Kid wurde im Laufe der Zeit zu einem der bekanntesten Linkshänder der Welt.

Auffällige Unstimmigkeiten

Doch sieht man sich das Foto einmal ein bisschen genauer an, dann fallen ein paar Unstimmigkeiten auf. Die Weste, die der Revolverheld auf dem Bild trägt, hat die Knopfreihe auf der linken Seite, was heute noch für Damenblusen üblich ist, aber nicht für Herrenwesten. Eine weitere Auffälligkeit ist der Dorn der Gürtelschnalle, der auf dem Foto ganz deutlich zu erkennen ist: Er zeigt nach links, was ebenfalls unüblich ist. War der Westmann einfach nur seltsam gekleidet oder war er gar kein Linkshänder und das Foto zeigt ihn in Wahrheit spiegelverkehrt?

Ein Hinweis, der die Theorie vom spiegelverkehrten Banditenabbild stützt, findet sich am Gewehr, das Billy the Kid in der Hand hält. Hierbei handelt es sich um eine Winchester 1873. Bei diesem Modell befindet sich die Ladeöffnung auf der rechten Seite. Auf dem Foto, das das Gewehr von der Seite zeigt, dürfte sie demnach überhaupt nicht zu sehen sein. Dennoch zeichnet sich die Ladeöffnung klar und deutlich ab. Ein weiteres Indiz für die Theorie, dass der berühmte Revolverheld in Wahrheit gar kein Linkshänder war.

Des Rätsels Lösung

Doch wie kann das sein, denn schließlich ist das versteigerte Foto von Billy the Kid kein Papierabzug. Mit anderen Worten: Es kam, so wie es ist, aus der Kamera. Die Seiten wurden also nicht durch späteres Vergrößern oder Umkopieren auf Papier vertauscht. Des Rätsels Lösung: Bei dem Foto handelt es sich um eine sogenannte Ferrotypie, ein frühes fotografisches Verfahren also, bei dem das Bild aussieht, als sei es ein Positiv, in Wahrheit aber handelt es sich hier um ein Negativ. Das erklärt, warum die Seiten vertauscht sind und der Eindruck entstand, Billy the Kid sei Linkshänder gewesen.

Ferrotypien waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert hinein überaus beliebt und weitverbreitet, weil sie relativ kostengünstig und im Gegensatz zu den zerbrechlichen Glasplattenfotografien nicht so empfindlich gegen Bruch waren, da sich die Fotoemulsion auf einer Blechunterlage befand. Die späteren Kunststofffilmträger waren zu dieser Zeit ja noch nicht erfunden. Ferrotypien machen sich das sogenannte Dunkelfeldprinzip zunutze.

Normalerweise erscheinen die dunklen Bereiche eines Motivs, also z. B. Billy the Kids Hut, in einem Negativ hell, wenn man es gegen das Licht hält, da an diesen Stellen nur wenige Silberpartikel der Fotoemulsion die Durchsicht behindern. Weil das (Eisen-)Blech der Ferrotypie aber schwarz grundiert ist, scheint an diesen lichten Stellen des Bildes der schwarze Untergrund besonders stark durch. Die Bildpartie wirkt somit im Negativ wie schon im Originalmotiv dunkel. Im Gegensatz dazu zeichnet sich nun das graue Silberpulver hell beziehungsweise weiß ab. Das Foto erscheint somit wie ein Positiv, obwohl es sich in Wahrheit um ein seitenverkehrtes Negativ handelt.

Wer ganz genau hinschaut, sieht übrigens nicht nur an den unteren Bildrändern die schwarze Grundierung, die durch die abgeplatzte Fotoemulsion zum Vorschein kommt. An den Ecken der Ferrotypie, vor allem der oberen linken, wird nämlich durch kleine Beulen ganz deutlich, dass es sich hier um eine Blechplatte handelt. Der Irrtum vom Linkshänder ist damit widerlegt.

Die Legende vom Revolverhelden Billy the Kid aber lebt weiter.

Wahre Geschichten

1820 versenkte ein Pottwal die „Essex“. Die Aufzeichnungen des überlebenden Obermaats Owen Chase dienten Herman Melville als Vorlage für seinen Roman „Moby Dick“.
Das ist nur eine der wahren Geschichten, die zu Bestsellern wie „Sherlock Holmes“ oder „Robinson Crusoe“ inspirierten und von Christian Satorius in seinem Buch „Der Mann, der seine Schuhe aß, scheiterte an Konservendosen“ (BoD, 212 Seiten, 10,30 Euro) gesammelt wurden. Bei der titelgebenden historischen Figur handelt es sich um den Polarforscher Sir John Franklin, der 1845 mit zwei Schiffen zu einer Arktis-Expedition aufbrach, um die Nordwestpassage zu finden. Mehrere Winter im Packeis eingeschlossen, überlebte kein Besatzungsmitglied das Abenteuer.
Franklin wurde 1983 in Sten Nadolnys Romanbiografie „Die Entdeckung der Langsamkeit“ verewigt.

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