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Literatur

Ein Mühlviertler in Irland

Von Christian Schacherreiter   14. Dezember 2011 00:04 Uhr

Ein Mühlviertler in Irland
In Richard Walls Text verschmelzen Natur, Arbeit, Geschichte und Mythos Irlands.

Dass ausgerechnet der Mühlviertler Richard Wall zum literarischen Reiseleiter durch Westirland wird, ist kein Zufall. Das liegt nicht nur am Granit, der hier wie dort in der Sonne glitzert – hart und von spröder Schönheit.

Irland ist seit Langem ein Hauptthema in Richard Walls künstlerischem Schaffen. 1989 erschien sein Irlandjournal „Mit der Sichel ins Korn“, 1999 „Wittgenstein in Irland“, seit den Neunzigern veranstaltet Wall im Linzer Stifterhaus die „Tage Irischer Literatur“. Jetzt ist im kleinen, aber ziemlich feinen Mitter Verlag „connemara. im kreis der winde“ erschienen, ein umfangreicher Reiseessay der besonderen Art.

Im Sommer 1975 reiste der damals 22-jährige Richard Wall erstmals nach Irland. Aus der Erstbegegnung wurde eine Lebensliebe, die Wall als nach vorne offenen Prozess, als „fortdauernde Annäherung“ beschreibt. So gut er mittlerweile auch vieles kenne, immer wieder überrasche ihn diese Gegend. Eine Landschaft und die in ihr lebenden und arbeitenden Menschen kennenzulernen, das könne ein Menschenleben dauern. Insbesondere für einen Dichter, dessen Untersuchungen, wie Wall selbstbewusst hinzufügt, in die Tiefe führten und sich nicht „an weitläufigen Oberflächen verheddern“.

Zähe Charaktere

Connemara, einen Landstrich in der Grafschaft Galway, entdeckte Wall für sich und seine Familie vor einem Vierteljahrhundert. „Hier, in den Nischen einer vorindustriellen Gesellschaft, überlebten zähe Charaktere, die von dem zehrten, was ihnen das Meer an Nahrung bot und was auf den winzigen, tanggedüngten Feldern (…) reifte: Hafer, Gerste und Kartoffeln.“

Richard Wall gelingt es in bewundernswerter Weise, das Ineinander von Natur, Arbeit, Geschichte und Mythos zu veranschaulichen, das dieser Kultur ihre besondere Ausprägung gegeben hat. Er schildert die Herausforderungen des Klimas und erzählt vom Lebenswillen und Freiheitsstreben der Bewohner, die sich auch in politischen Konflikten entladen haben. Und immer wieder kommt Wall, der Dichter, auf die Sprache zu sprechen. Er versteht sie nicht als bloßes Werkzeug der Kommunikation, sondern – im Anschluss an einen anderen Irland-Reisenden, den Philosophen Ludwig Wittgenstein – als Teil einer Lebensform, als Ausdruck der Selbstbehauptung gegen ein Umfeld, das auf die vermeintlich rückständigen Fischer und Bauern arrogant herunterschaut.

Wall führt oft gälische Ortsbezeichnungen an und erklärt deren Herkunft und Bedeutung, weist auf den Widerstand gegen den Kulturimperialismus des Englischen hin und würdigt Dichterkollegen, die Werke in irischer Sprache geschrieben haben. Unter anderem erzählt er von einer berührenden Begegnung mit dem Lyriker Pearse Hutchinson.

Richard Wall ist Wort- und Bildkünstler, und so ist es nicht verwunderlich, dass er Sprache und Bild besonders in der Naturschilderung gern als Metapher zusammenführt. „Durch die Löcher im Mantel aus saurem und sumpfigem Boden quillt überall das Unterfutter: blanker, von den Eiszeiten polierter Granit.“

Seinen Text ergänzte Wall durch zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos und Dokumente, die auch denen, die Connemara noch nie gesehen haben, aufschlussreiche Eindrücke vermitteln.

 

Das Buch:

Richard Wall: „connemara. im kreis der winde“. Mitter Verlag, 267 Seiten, 24,20 Euro.
OÖN-Bewertung: sechs von sechs Sterne

 

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