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Literatur

Der Islam als österreichische Realität

Von Heinz Niederleitner   09. Juni 2012 00:04 Uhr

Der Islam als österreichische Realität
Ein Buch über Muslime und Musliminnen in Österreich zu schreiben, ist immer noch ein Wagnis.“Aus dem Vorwort

Der Islam ist in Österreich seit 100 Jahren gesetzlich anerkannt. Zum großen gesellschaftlichen Thema wurde er erst in den letzten Jahrzehnten. Ein Buch versucht den Überblick.

1Am 15. Juli vor 100 Jahren unterzeichnete Kaiser Franz Josef das Islamgesetz. Diese frühe staatliche Anerkennung zumindest der hanefitischen Rechtsschule des Islam ist eine österreichische Besonderheit. Auf dieser Grundlage wurde 1979 die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) gegründet und ab Anfang der 80er-Jahre islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen erteilt.

Freilich: Auch Österreich blieb – insbesondere seit den Anschlägen vom 11. September 2001 – kaum eine emotionale Debatte über den Islam erspart, auch hierzulande gab und gibt es populistischen Wahlkampf auf dem Rücken der Muslime und dazu viel Verunsicherung und Angst wegen der statistischen Zunahme muslimischer Menschen in Österreich.

Das vorliegende Buch von drei Universitätsprofessoren versucht einen nüchternen Überblick über das Thema Muslime in Österreich: Geschichte, Religion, Recht und Alltag und christlich-muslimischer Dialog bilden die Eckpfeiler, um die herum viel Grundlagenwissen vermittelt wird. Daher eignet sich das Buch auch besonders für Einsteiger.

Um die heißen Themen wie Kopftuch, Zwangsheirat, Ehrenmord, aber auch um die Frage, wie viele Muslime die IGGiÖ eigentlich repräsentiert, drücken sich die Autoren keineswegs herum. Sie gehen aber nicht wie andere Beobachter mit einer Grundhaltung des Verdachts in diese Debatten. Wer von vornherein nur antiislamische Argumente hören will, wird das so in diesem Buch nicht finden. Damit unterscheidet sich das Werk von nicht wenigen anderen Veröffentlichungen über den Islam.

Die Suche nach Fakten, auf die sich die drei Autoren gemacht haben, findet freilich auch ihre Grenzen: Es fehlen einfach für nicht wenige Teilbereiche genauere Daten und Untersuchungen. Zum Teil behelfen sich die Autoren damit, Veröffentlichungen aus Deutschland heranzuziehen und auf Österreich „umzulegen“. Da mag viel Richtiges dabei herauskommen, aber auch in Österreich werden wir nicht darum herumkommen, uns damit genauer zu beschäftigen. Denn der Islam ist in Österreich eine gesellschaftliche Realität, mit der Muslime und Nicht-Muslime möglichst konstruktiv umgehen sollten – das schließt auch Kritik mit ein.

 

Muslime in Österreich, Geschichte, Lebenswelt, Religion, Grundlagen für den Dialog, von Susanne Heine, Rüdiger Lohlker und Richard Potz, Tyrolia Verlag, 296 Seiten, 27,95 Euro

 

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