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Kultur

Linzer Klangwolke - Auf der Suche nach dem besonderen Klang

Von nachrichten.at/apa   12. September 2020 21:43 Uhr

LINZ. Über Linz schwebte am Samstag die Visualisierte Klangwolke. Corona-bedingt gab es weder eine Mega-Inszenierung noch ein Feuerwerk. Dafür tauchen die Akustikspezialisten Peter Androsch, Sam Auinger, Wolfgang Dorninger und Gitti Vasicek die Stadt von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang in ein Meer von Schallwellen.

Man hat die Ohren schon sehr genau spitzen müssen, um bereits tagsüber etwas von der 41. Klangwolke in Linz zu hören. Bedingt durch Corona wartete am Samstag kein visuelles Spektakel am Abend im Donaupark auf 100.000 Besucher, sondern es galt, ab der Früh überall in der Stadt "Sounding Linz" aufzuspüren, bevor am Abend im Livestream eine Linzer Sinfonie daraus wurde.

Akustikspezialist Peter Androsch hatte gemeinsam mit Sam Auinger, Wolfgang Dorninger und Gitti Vasicek das alternative Konzept zu dem alljährlichen Massen-Event entwickelt. Als neues Format wollten sie den akustischen Fingerabdruck der Stadt digital festhalten.

Sonor schwebten schon ab dem Vormittag Klänge der Schiffshörner über Linz, die vom Autolärm oft verschluckt wurden. Auch die Töne der Bläser, die von Türmen das Hornmotiv aus der 4. Sinfonie von Anton Bruckner in den Himmel glitten, verhallten weitgehend.

"Man muss Dinge machen, damit man wieder Lust auf das Hören bekommt", meinte Auinger, einer der vier kreativen Köpfe der Klangwolke 2020. Denn der Lärm des Alltags verleite zum Weghören, und damit bliebe das Außergewöhnliche ungehört. Wie etwa der architektonische Klangkörper des Lentos Kunstmuseum. Mit einem DAF-Pulser, einem Megafon ähnlich, erkundete Auinger akustisch den überdachten Außenraum des Lentos. Und geriet ins Schwärmen. Der Ton hallte an der gläsernen Außenhaut wieder, es entstand ein "Flatterechoraum", Auinger spielte mit der Distanz zwischen Pulser und Wand, plötzlich entstand ein Rhythmus.

Eigentlich hätten am Samstag um 13 Uhr Interessierte selber mit Klängen dort spielen sollen, doch zu dem Hörexperiment war um diese Zeit ebenso keiner gekommen wie eine halbe Stunde zuvor zur Glocke in den Innenhof des alten Rathauses. Beim Erklingen der Martinshörner von Rettungswagen schauten sich manche Passanten in der Innenstadt fragend an. Ist das jetzt eine Performance oder doch nur ein Rettungseinsatz? Feuerwehr und Polizei führten nämlich am Samstag zu nicht genannten Zeiten und Orten das akustische Phänomen des Doppler-Effekts vor. Und das Läuten der Glocken kurz nach 16 Uhr - unerwartet oder nicht? Das Eintauchen in ein Meer aus Schallwellen einer Stadt wurde tagsüber vor allem eine Suche nach dem besonderen Klang der Linzer Wolke.

Ganz anders dann der Samstagabend, zur Primetime der alljährlichen Klangwolke: Von 20 bis 21 Uhr wurden via Livestream die verschiedenen Klänge der Stadt zu einer Linzer Sinfonie verwoben. Ein Zusammenschnitt des Klangkosmos vom Tag und der gleichzeitig am Abend stattfindenden Aufführungen: Im Mariendom ein Performancestück von Auinger für zwei Stimmen, vier kleine Trommeln und die Rudigierorgel; im Stadion auf der Gugl mischten sich Gesänge der LASK-Fans zu einer Klangarena; Radfahrer klingelten sich ihren Weg durch die Straßen. Und ein Kameraschwenk vorbei an Häuserzeilen zeigte Radios in den geöffneten Fenstern - eine Liebeserklärung an die erste Klangwolke 1979.

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