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OÖN-Filmkritik

"Zwischen den Zeilen": Zwei Paare lügen wie gedruckt mitten in der Stadt der Liebe

Von Nora Bruckmüller 08. Juni 2019 00:04 Uhr

Zwei Paare lügen wie gedruckt mitten in der Stadt der Liebe
Zwei verheiratete Betrüger: J. Binoche, Guillaume Canet

Kino: Mit "Zwischen den Zeilen" überzeugt Juliette Binoche in einer amüsant-bösen Replik auf das moderne Leben.

Man muss Olivier Assayas einfach mögen. Dafür, wie gut es ihm gelingt, sich als Regisseur weder vom Zeitgeist einlullen zu lassen noch als Künstler die kritische Haltung gegenüber der Nervosität des jungen 21. Jahrhunderts zu verlieren.

Sein neuer Kinofilm "Zwischen den Zeilen" ist ein Paradebeispiel dafür.

Was überlebt überhaupt?

Das Werk spielt im modernen Paris und dreht sich um zwei Paare in "höhergestellten" Zirkeln. Selena (Juliette Binoche) ist Star einer hippen Polizeiserie, verheiratet mit dem pfiffigen Herausgeber Alain (Guillaume Canet). Der wiederum verlegt die autobiografisch "angehauchten", intellektuellen Werke von Léonard (Vincent Macaigne). Zu ihm gehört Valérie (Nora Hamzawi), Assistenten eines Politaufsteigers.

Es wird fremd- und in Cafés gegangen. Und diskutiert, argumentiert, als wäre jedes Wort von jedem zu jeder Zeit das wichtigste. So entwickelt sich eine bittersüße Abrechnung mit den "Blasen", die für Frankreichs "Elite" die Welt bedeuten, und ein Schlachtfeld der Kommunikation in Echtzeit, wie täglich in der Öffentlichkeit.

Dabei drängt sich eine Frage stets in den Vordergrund: Überlebt das Buch? Doch die spannendere scheint immer wieder geschickt durch: Was überlebt überhaupt? Wenn man so fest an das Buch als brillante Idee glaubt, die alle Zeiten überdauert, sollte dieser Glaube nicht auch für Beziehungen und Lebensentwürfe gelten? Das sehr gut aufspielende Ensemble vermittelt das bei dieser Frage mitschwingende Unbehagen, das wohl aktuell die Welt antreibt, in allen emotionalen Facetten.

Mehr Raum für Gefühl wäre noch besser gewesen. Dass "Zwischen den Zeilen" kein bequemer Film ist, dargereicht in wohlfeilen Häppchen, begreift man ohnehin schnell. Mehr Herz und weniger Kopf, und die Zielgruppe für eine wichtige Tragikomödie wäre gleich größer.

"Zwischen den Zeilen": F 2018, 108 Min.,

OÖN Bewertung:

 

Der Trailer zum Film:

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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