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OÖN-Filmkritik

"Loro – Die Verführten": Er ist der beste Verkäufer Italiens

Von Silvia Nagl   12. Januar 2019 00:04 Uhr

Er ist der beste Verkäufer Italiens
Toni Servillo wird dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten sehr ähnlich.

Eine filmische Persiflage auf Silvio Berlusconi von Meisterregisseur Paolo Sorrentino.

Er nennt sich großtrabend "Talentescout", der Zuhälter Sergio (Riccardo Scamorccia fesch und charismatisch wie dereinst Marcello Mastroianni), der zum Filmbeginn eine seiner Huren von hinten nimmt. Am Steißbein hat sie ein Tatoo, das – je mehr Bewegung in die Sache kommt – immer mehr zu grinsen scheint. Kamerazoom: Es ist das Konterfei von Silvia Berlusconi. Das bringt Sergio auf eine Idee: Er will den ehemaligen Ministerpräsidenten kennenlernen, um zu Geld und Aufträgen zu kommen. So mietet er auf Sardinien eine Villa nahe bei Silvios Anwesen, wo Party-Laune herrscht, um den bekanntlich jungen und noch jüngeren Damen nicht abgeneigten Silvio auf sich aufmerksam zu machen.

Großartiger Schauspieler

Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino ("La Grande Bellezza") inszeniert keine faktengetreue Politstory um den ehemaligen Ministerpräsidenten Berlusconi, sondern einen üppig illustrierten Bilderbogen mit knallbunten Bunga-Bunga-Partys, bei denen sich schöne, langbeinige und langhaarige junge Frauen räkeln und aufreizend tanzen, ihre hübschen Näschen mit Koks vollstopfen, viel nackte Haut zeigen und ehrfürchtig über "Ihn" sprechen – sein Name wird nicht genannt. Es gibt dabei auch immer wieder lustige Szenen, wie beispielsweise jene, als Kuscheldrogen mit dem Konterfei von "Ihm" vom Himmel regnen und daraufhin alle noch verrückter nach Streicheleinheiten und mehr werden. Frauen spielen in diesem Film die Dekorationsrollen – bis auf Silvios Ehefrau (Elena Sofia Ricci).

> Video: Spielfilm über Silvio Berlusconi

 

Bunga-Bunga-Party, der 2010 aufgekommene Begriff für die Sex-Partys von Berlusconi, Korruption, Mafia-Verstrickungen,… Wie konnte ein Blender, Steuerhinterzieher, der sich an keine Regeln gehalten und Gesetze in seinem Sinne ändern ließ, ein Volk immer wieder verführen – und vier Mal zum Ministerpräsidenten gewählt werden? Der Titel "Loro" bedeutet "sie" oder "ihre", was eben auch der Hinweis ist auf – wie im deutschen Titel zugefügt – "die Verführten", somit also auch ein ironischer Blick auf die Verführbarkeit eines Volkes.

Silvio taucht im Film erst sehr spät auf. Und die absolute Größe dieses Films ist Schauspielstar Toni Servillo, der mit glattgegelter Frisur, gebräunter Grimasse, selbstgefälligem Dauergrinsen und Augenzwinkern den "Cavaliere" perfekt persifliert – und dabei auch noch sehr sympathisch wirkt.

Einer der humorvollsten Momente ist, als er kurz ein wenig an sich zu zweifeln beginnt und eine unbekannte ältere Frau anruft, der er am Telefon eine Wohnung verkauft, die sie gar nicht braucht und sich auch nicht leisten kann. Silvio ist und bleibt eben doch der beste Verkäufer Italiens .

"Loro – Die Verführten", I/F 2018 145 Min.

OÖN Bewertung:

 

Der Trailer zum Film

 

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