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OÖN-Filmkritik

"Le Mans 66" – ein Film, bei dem man auf Touren kommt

Von Nora Bruckmüller 16. November 2019 00:04 Uhr

"Le Mans 66" – ein Film, bei dem man auf Touren kommt
Christian Bale fuhr beim Dreh auch selbst, zufällig nahm er Fahrstunden bei einem früheren Freund seiner Figur.

Christian Bale und Matt Damon fahren um ihr sportliches Überleben.

Menschen und Spitzensport – ohne die ganz großen Gefühlsausbrüche geht das nicht. Sie bahnen sich ihren Weg zwischen Druck, Siegeswillen und winzigsten Details, die Material und Regelwerk bestimmen. Der Reiz des Unberechenbaren in einem durchkalkulierten Umfeld ist der eine Schatz, den jeder Sportfilm zu heben hat.

"Le Mans 66" mit den Hollywood-Stars Christian Bale als Rennfahrer Ken Miles und Matt Damon als Chefkonstrukteur Carroll Shelby gelingt das. Sie wollen und müssen das Le-Mans-Rennen von 1966 für den neu gegründeten Rennstall von Ford gewinnen, Dauersieger Ferrari soll geschlagen werden. Die USA sind mit Europa nun im Rennsport-Krieg.

Ein hochexplosives Szenario, das zusätzlich vom Status des legendären 24-Stunden-Rennens befeuert wird (mehr re.). Und vom dem des Motorrennsports an sich, der damals noch so viel näher zwischen Leben und Tod spielte.

Doch geht es in dieser Geschichte, die auf wahren Begebenheiten basiert, letztlich nicht um zwei Helden, die von Adrenalin und Benzin leben. Regisseur James Mangold ("Walk The Line") inszeniert die konfliktreiche Beziehung zweier Menschen, die in einem irren Umfeld, das sich stetig mehr von Medien und Markt steuern lässt, ihre Freundschaft bewahren wollen. Und dass sie tun können, wovon sie besessen sind.

Ken will fahren, den Wagen spüren, hören, ob der dritte Gang ihn einen Hauch zu stark auf Touren bringt. Bale verkörpert ihn als grandios liebenswürdigen Heißsporn mit diesem Funken Wahnsinn in den Augen, der sagt: Im Auto bin ich angstbefreit, aber Autoritäten versetzen mich in Panik.

Ex-Rennfahrer-Ikone Shelby will seinen Freund siegen sehen – und somit wohl wieder sich selbst. Damon gibt ihn als gewieften Taktiker – mit Leidenschaft im Herzen und Gelassenheit im Gesicht. Ihre Dynamik funktioniert am besten im Eifer des Gefechts – Shelby in der Box, Miles im Auto. Und gefahren wird herrlich schnell. Es geht Schlag auf Schlag. Die Autos, das Licht, die Ausstattung verbinden dabei den Sex-Appeal der 1960er mit dem Dreck der Werkstätten.

Davon sollte es noch viel mehr geben. Doch verhandelt dieser Film in beinahe aufreibender Gemächlichkeit auch die US-Konsumgeschichte nach 1945 und die Hierarchiehörigkeit in Konzernen am Beispiel von US-Autobauer Ford. Im Kino gilt aber wie im Sport: zuerst das Ereignis sehen, dann die Analyse.

"Le Mans 66": USA/F 2019, 152 Min., R.: J. Mangold

OÖN Bewertung:

Der Trailer zum Film:

Hintergrund

Le Mans: Das 24-Stunden-Rennen wurde erstmals 1923 gefahren. Rundenlänge damals: ca. 17,3 km, heute gut 13,8 km. Pro Team wechseln sich drei Fahrer ab.

Steve McQueen in "Le Mans" von 1971

„Le Mans“ (1971) entstand als Film auf Initiative von Steve McQueen (l.), der sich als US-Fahrer (Porsche) mit einem deutschen Ferrari-Piloten (Siegfried Rauch) duelliert. Der neue Film basiert auf dem realen Duell der Rennställe Ford und Ferrari. Ken Miles und Carroll Shelby (im Film Matt Damon) entwickelten den Ford GT40, man siegte, Henry Ford II schlug so Patriarchen Enzo Ferrari.

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Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

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