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OÖN-Filmkritik

"Die Kinder des Kalifats": Kinder auf dem Pfad des Todes

Von Silvia Nagl 24. Mai 2019 00:04 Uhr

Kinder auf dem Pfad des Todes
Die Buben sollen kämpfen. (Filmladen)

Erschütterndes Dokument über eine radikal-islamistische Familie in Syrien.

Fassungslos schaut man sich diesen Film an. Auch wenn doch längst bekannt ist, dass solch radikal-islamistisches Gedankengut existiert, dass Väter ihre Kinder zu Kämpfern ausbilden (lassen) und ihnen eingetrichtert wird, dass irdisches Dasein nichts ist, erst im Jenseits Erfüllung und Glück warten. Doch einen Film darüber zu sehen, wirkt komplett anders auf das Bewusst als theoretisches Wissen.

Filmemacher Talal Derki, 1977 in Damaskus geboren, lebt seit 2014 in Berlin. Für diese Doku kehrte er in seine ehemalige Heimat Syrien zurück, wo er – unglaublich! – das Vertrauen eines der Gründer der syrischen Terrorgruppe al-Nusra gewinnt und dessen Familie, vor allem die drei Buben, zwei Jahre lang mit der Kamera begleitet. "Ich habe dem Vogel den Kopf abgeschnitten. So wie du das bei einem Mann gemacht hast", sagt der etwa sechsjährige Osama zu seinem Vater: offensichtlicher Stolz beider …

Der Vater erzieht seine Söhne mit strenger Hand, aber es gibt immer wieder auch zärtliche Momente. Den Zweijährigen lässt er Sätze aus dem Koran brabbeln, dem Älteren rasiert er den Kopf zur Strafe kahl, weil er sich mit dem Bruder geprügelt hat. Im Bild sind immer der Vater und die drei Söhne, die beiden Ehefrauen und eventuellen Schwestern sind nie zu sehen. Nur einmal hört man die Frauen weinen, was den Mann wütend macht: Sie sollen sofort aufhören und verschwinden, herrscht er sie an.

Der Satz "Allah ist groß" bestimmt Denken und Sein – im Namen Allahs wird es auch den dritten Weltkrieg geben, sagt der Vater. Dafür schickt er die zwei älteren seiner Buben ins Dschihadisten-Lager. Die Bilder von dieser quälenden und brutalen "Ausbildung" sind erschütternd. Es sind Kinder "auf dem Pfad des Todes", wie es im Film heißt: Der kleine Osama ist ihn bereits gegangen …

Ein einzigartiges Dokument, Respekt auch vor dem Mut des Filmemachers, der eine Entdeckung sicher nicht überlebt hätte: allein dafür die Höchstbewertung.

"Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats", D/USA/NL/Syrien/Lib/Katar, 100 Min.

OÖN Bewertung:

 

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Silvia Nagl

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