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OÖN-Filmkritik

"Kaiserschmarrndrama": Ein Krimi, der weit besser schmecken könnte

Von Nora Bruckmüller  05. August 2021 00:04 Uhr

"Kaiserschmarrndrama": Ein Krimi, der weit besser schmecken könnte
Nicht immer auf Kuschelkurs: Simon Schwarz als Rudi Birkenberger, Sebastian Bezzel als Franz Eberhofer (li.) (Constantin)

Heute startet der siebte Kinofilm um Kieberer Franz Eberhofer – er ist witzig, aber zu üppig.

Es sind die Rosinen. Manche hassen sie sowieso. Privatdetektiv Rudi Birkenberger, traditionell vom Wiener Simon Schwarz gespielt, stört sich aber an der Menge und ihrer Verteilung im Kaiserschmarrn, den ihm einmal sicher nicht Kochgöttin Oma Eberhofer – die wundervoll resolute Enzi Fuchs – serviert hat. Es sind schlicht zu viele, die das Teig-Trockentrauben-Verhältnis stören. "Es ist ein Drama!"

Rudis größere Tragödie im siebten Kinofilm, der auf einem Roman von Rita Falk basiert, ist eine ganz andere: Nach einem Autounfall, an dem sein Spezl Franz, er selbst oder sie beide schuld sein könnten, ist er auf Reha. Er glaubt, nicht mehr gehen zu können. "Hat er schon an eine Psychotherapie gedacht?", wird sein platonischer Lebensmensch, der zum bayerischen Kult-Kino-Kieberer mutierte Franz Eberhofer, gefragt. Darsteller Sebastian Bezzel antwortet mit einem Blick, der wieder daran erinnert, warum der Garmisch-Partenkirchner die Idealbesetzung ist. Er sagt alles: Nie im Leben.

In brüderlicher Zwietracht

Widerwillig und männlich-emotional gehemmt, nimmt der Eberhofer seinen Rudi mit nach Hause auf den Familienhof in Niederkaltenkirchen, was den wortkargen "Mia san mia"-Beamten in die nächste veritable Krise stürzt. Mit seinem amourösen Lebensmenschen Susi (Lisa Maria Potthoff).

Sie quält ihn mit einem Doppelhaus-Neubau und einer Sauna, die er sich mit Bruder Leopold teilen soll. Susi muss aus ihrem Übergangsdomizil "im alten Saustall" mit Sack und Pack und Söhnchen Pauli in Franz’ Jugendzimmer ausweichen. Er und Rudi im Rollstuhl teilen sich das ebenerdige Gestade in brüderlicher Zwietracht. Die Herzensdame ist angefressen.

Spätestens hier fragt man sich: Hat der Eberhofer früher nicht immer auch einmal ermittelt? Schon wird eine Frauenleiche gefunden. Könnte in der bayerischen Idylle ein Serienmörder umgehen? Rudi und Franz sind gefordert, der Zuschauer umso mehr.

Denn der Film leidet am gleichen Problem wie die verhunzte Mehlspeise in der Reha: Man hat so viele Rosinen aus dem eigenen Filmuniversum herausgepickt, das sich seit dem Eberhofer-Erstling "Dampfnudelblues" (2013) zu Recht erfolgreich aufgebaut hat, dass das Verhältnis nicht mehr stimmt. Die Lösung privater wie beruflicher Problemfälle wird von einer Revue aller wichtigen skurrilen, lieb gewonnenen Charaktere verdrängt: Franzls kiffender Hippie-Papa (Eisi Gulp) bestreikt die "Gentrifizierung" seines Hofes. Sigi Zimmerschied poltert als Dienststellenleiter. Nora von Waldstätten trumpft als arrogante Kriminalistin auf. Maria Hofstätter wagt als Frau Beischl den Liebestanz mit dem Flötzinger. Es gibt Schwangerschaften, eifersüchtige Biker, Webcam-Erotik, einen kranken Hund, Affären und Besäufnisse.

Vieles ist saulustig, vieles hätte man streichen können. Regisseur Ed Herzog, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, folgt seinem lässigen, rasanten Stil. Doch oft erinnert der Film nur an ein audivisuelles "Türl auf, Türl zu"-Theater. Eines, das haarscharf am Trash vorbeischrammt.

Das heißt nicht, dass die Kinowelt des Eberhofer sein Potenzial ausgeschöpft hat. Man müsste sich lediglich auf einen großen Konflikt, nicht zu viele kleine konzentrieren und ihn idealerweise auf der zweiten Ebene in einem Kriminalfall erzählen. Ein Anfang wäre die Beziehung von Susi und Franzl. Sie lebt von aus der Zeit gefallenen Klischees von Männern und Frauen. Doch beide sind witzige, moderne Figuren – gebt ihnen auch solche Konflikte!

Kaiserschmarrndrama: D 2020, 136 Min., Ed Herzog

OÖN Bewertung:

 

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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