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OÖN-Filmkritik

"I am Greta": Klima-Star wollte sie nie sein

Von Nora Bruckmüller  17. Oktober 2020 00:05 Uhr

Wie man Greta Thunberg aus den Medien kennt.

Gelungenes Kino-Porträt über die junge Schwedin.

Es ist ein Kichern, das sich langsam in immer lauteres Glucksen steigert. Das Lachen von Greta Thunberg (17) ist wohl so einzigartig wie die Schwedin selbst.

Es tut gut, es im Dokumentarfilm „I Am Greta“ zu hören. Es versichert einem, dass die Klimaaktivistin in dem Jahr, in dem sie von der einsamen Schulstreikerin vor Schwedens Parlament zur Anführerin einer globalen Jugendbewegung wurde, auch einfach sein durfte. Eine normale Jugendliche, die sich mit Vater Svante über dessen schräges Gesicht auf einem Foto kaputtlacht.

Das besagte Jahr lang hat ein Kamerateam die Gewinnerin des alternativen Friedensnobelpreises begleitet. Von der unbekannten, mahnenden Einzelstimme bis zum Sprachrohr ihrer Generation, die einen Pakt mit den „Alten“ einfordert, der sich nicht um Geld dreht, sondern um die Zukunft. Einen, an den die an Jahren reichere Garde kaum gedacht hatte. In der Regie des ebenfalls aus Schweden stammenden Dokumentarfilmers Nathan Grossman (29) ist ein Dokument entstanden, das private Einblicke in Thunbergs Leben gibt, das sich immer intensiver und schneller mit der PR-Maschinerie staatlicher und internationaler Spitzenpolitik verwoben hat.

Polit-Show vs. Bürgeranliegen

Dabei entfaltet sich die größte Leistung der mit tadellosem Bildwerk ausgestatten Arbeit: Sie offenbart die Diskrepanz zwischen auf Botschaften fixierte Polit-Inszenierungen und dem, was Bürger tatsächlich belastet. „Es kommt mir vor, als würden alle nur Rollen spielen“, sagt Thunberg während ihrer Ochsentour von der UN–Klima-Konferenz 2018 bis zum Sondergipfel 2019 in New York. Auf die Anmerkung einer Reporterin bei einer „Fridays For Future“-Demo, dass alle nur wegen ihr da seien, sagt sie: „Nein, sie sind für sich selbst gekommen.“ Weniger klar könnte man den eigentlichen Sinn von Demokratie nicht zusammenfassen. Dies zeigt auch, dass „der Jugendliche“, der sich nur für Online-Ego-Shows interessiert und für sich selbst, ein Klischee ist.

Wie sie der Film als „einfache“ Jugendliche zeigt.

„I am Greta“ öffnet in aller Härte die Augen dafür, dass jeder, der Greta ablehnt, am Ende gleich den Wunsch nach Sicherheit des eigenen Kindes ignoriert. Auch sieht man deutlich, wie unzivilisiert die Alt-Bubenbande der üblichen Verdächtigen (Trump, Putin, Bolsonaro) auf junge Weiblichkeit und „Störung“ ihrer Normen reagiert. Thunberg hat das Asperger-Syndrom. Sie wurde als „schlecht erzogene, egoistische depressive Göre“ sowie als „psychisch krank“ stigmatisiert.

Bei diesem Hintergrund wundert es nicht, dass der Film stark von Emotionen getrieben ist. Man hätte die Aufmerksamkeit, die dem wichtigen, gelungenen Werk nun zuteil wird, noch stärker nutzen können, um Fakten zu Gretas Sache zu vermitteln. Das hätte nicht nur ihr gut gefallen.

„I am Greta“: D/F/S/USA 2020, 102 Min.,

OÖN-Bewertung: 5 von 6 Sternen 

Der Trailer zum Film:

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Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

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