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OÖN-Filmkritik

"Free Guy": Spaß mit Ryan Reynolds auf überraschend hohem Level

Von Nora Bruckmüller  14. August 2021 00:04 Uhr

Spaß mit Ryan Reynolds auf überraschend hohem Level
"Deadpool"-Star Ryan Reynolds als Guy zwischen Dauergrinsen, Apokalypse und Selbstbestimmung

Der Schauspielstar als Videospielfigur, die mehr will.

Die Kriminalitätsrate in Free City ist mindestens so hoch wie im New York, das Robert De Niro in "Taxi Driver" durchquerte. Da die Metropole des neuen Kinofilms "Free Guy" in einem Videospiel des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist, sind die Waffen jedoch um einiges imposanter, explosiver und letaler als jene, mit denen De Niro 1976 als psychisch wegtriftender Außenseiter hantierte.

Doch egal, wie oft die Bank überfallen wird, in der Protagonist Guy arbeitet, Panzer seinen Weg kreuzen, den permanent Explosionen und Kriminelle säumen: Guy trägt ein Lächeln auf den Lippen. Sein neuer Tag wird "kein guter, sondern ein toller".

Mit "Deadpool"-Star Ryan Reynolds, Hollywoods ungekröntem Spaßkönig, verkörpert genau der Richtige die Figur des Schalterangestellten mit Dauergrinsen, der Werbung für Glückspillen entstiegen sein könnte. Man braucht weder ausgereifte Filmerfahrung noch je selbst ein virtuelles Gesellschaftsspiel bestritten zu haben, bis klar wird: Dieser Guy – was auf Englisch auch "Kerl" heißen kann, ist eine austauschbare Nebenfigur, die zum Gaudium weggeballert werden kann.

In dieser Phase des Films in der Regie von Shawn Levy ("Stranger Things") wähnt man sich einer durchschnittlichen Hollywoodkomödie, die eher brachial ein paar Lacher ernten will und deren Aufmachung etwas zu schrill und deren Tempo etwas zu schnell geraten ist. Kennt man.

  • Der Trailer zum Film:

Wer ist dieser Kerl?

Bis Guy eigenen Willen zeigt und aus der Dauerschleife, auf die sein Leben programmiert ist, ausbrechen will. Er hat sich Hals über Kopf in "Molotov Girl" verliebt.

"Molotov Girl", die Britin Jodie Comer (28, "Killing Eve"), ist das Avatar der Programmiererin Millie. Sie glaubt, ihr früherer Partner Antoine (Taika Waititi) habe Ideen und Codes gestohlen, die sie mit ihrem Geschäftsfreund Keys, "Stranger Things"-Star Joe Keery (29), entwickelt hat. Damit vermarktet er das Spiel, in dem Guy "lebt", äußerst gewinnbringend. Noch dazu arbeitet Keys jetzt für Antoine. Doch Millie überredet ihn, Antoine zu stürzen und ihr geistiges Eigentum zurückzuholen. Auf ihrer Mission stolpern sie aber immer wieder über eine Frage: Wer ist dieser Guy? Ein Hacker? Ein Systemfehler? Damit erreicht "Free Guy" ein überraschend hohes Level.

"Free Guy" ist kein Film mehr im Fahrwasser von "Die Truman Show" (1998), in der Jim Carrey als Mann brilliert, der begreift, dass er im Live-TV aufgewachsen ist. Aufgegriffen wird das Leben zwischen digital und analog, künstlicher Intelligenz und Wesen aus Fleisch und Blut. Auf einer viel tieferen Ebene handelt "Free Guy" von Gesellschaftspolitik, Identität, Unterdrückung, Führerkult und Klassenfragen.

Und weil es ein Ryan-Reynolds-Film ist, verpackt man all das in eine zunehmend lässige Komödie, die alles hat, was gute Laune macht: Freundschaft, Liebe, Popkultur, nicht ausschließlich harmlosen Humor und Stars wie Channing Tatum oder Chris Evans, die sich für keine Wuchtel zu gut sind. Reynolds war sich das ohnehin noch nie.

"Free Guy": USA/CDN/JP 2021, 115 Min., Regie: Shawn Levy

OÖN Bewertung:

 

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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