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OÖN-Filmkritik

"Emma": Ein prächtiges Leiden und Lieben im Zwangskorsett

Von Nora Bruckmüller  07. März 2020 00:04 Uhr

Ein prächtiges Leiden und Lieben im Zwangskorsett
Wie wird Emma ihre Karten spielen? Anya Taylor-Joy besticht als junge Dame der britischen Gesellschaft.

Überzeugende Adaption von Jane Austens Klassiker "Emma".

"Ich bin so müde", entfährt es Emma Woodhouse in "Emma". Man spürt es, glaubt es der 21-Jährigen aufs Wort. Hollywoods Neuentdeckung Anya Taylor-Joy ("The Witch", "Split"), selbst erst 23 Jahre alt, vermittelt die sonst unausgesprochenen Lasten der jungen Dame der britischen Gesellschaft auch so gelungen. Der Zorn wendet noble Blässe in Röte, Tränen steigen in Taylor-Joys markant große Augen.

"Emma" basiert auf dem bekannten Werk von Jane Austen – und seine Titelheldin kann deshalb so glaubhaft berühren, weil die Regie der New Yorkerin Autumn de Wilde (49) die zeitlose Qualität dieser feministischen Literatur voll ausschöpft: Frau zu sein war und ist eine Rolle, an die erschöpfend viele Erwartungen herangetragen werden.

Emma ist keck und selbstbewusst, spürt aber das Korsett des 19. Jahrhunderts. Auf "ihre" Fragen sucht Frau auch heute Antworten: Ehe oder nicht? Wie und worin unabhängig bleiben? Wie geht’s mit den Eltern weiter?

Im Fall der Halbwaise betrifft das ihren hypochondrischen Vater – ein hinreißender Bill Nighy, den im Landsitz, dem Emma als bewunderte Dame des Hauses vorsteht, jeder Luftzug in Panik versetzt. Wesentlich ernster ist Emmas Los in dieser Arbeit, die mit Augenzwinkern, ohne sie zu verhöhnen, alte Etiketten auf die Spitze treibt. Immer stärker steht Emma zwischen der Loyalität gegenüber ihrer besten Freundin Harriet (Mia Goth), die sie oft auch altklug "anleiten" will, und dem Vielleicht-Traummann Frank Churchill (Callum Turner).

Mehr Würze verleiht dank der Figur des Mr. Knightley (Johny Flynn) eine Konstellation, die man aus Austens "Stolz und Vorurteil" kennt: Menschen, die zuerst freiwillig gewählte Distanz trennt und später das, was die Geschlechter ebenso noch heute beschäftigt: die Unfähigkeit, sich endlich zu sagen, was man füreinander fühlt. "Emma" ist dabei dank prunkvoller, romantischer Ausstattung ein Augenschmaus. Pastell, Blüten, Knospen und Ranken setzen Akzente, die so klug platziert sind wie Amüsement, Gefühlsstürme und Trauer in dieser gelungenen Adaption.

"Emma": GB 2020, 125 Min., Regie: A. de Wilde

OÖN Bewertung:

Der Trailer zum Film:

Zur Literatin

Jane Austen: 1775 als siebtes von acht Kindern geboren. Die Familie war überdurchschnittlich gebildet. Bis zu ihrem Tod 1817 lebte sie zurückgezogen in einem Anwesen ihres Bruders, schrieb und veröffentlichte – anonym als „by a lady“ – ihre Romane. Ihre Hauptwerke „Stolz und Vorurteil“ (1813) und „Emma“ (um 1816) wurden oft verfilmt, „Emma“ 1996 mit Gwyneth Paltrow.

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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