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OÖN-Filmkritik

"Der Distelfink": Vom Schicksal gebeutelt

Von Silvia Nagl 28. September 2019 00:04 Uhr

Vom Schicksal gebeutelt
Nicole Kidman als distanzierte und doch liebevolle Ersatzmutter von Theo (Ansel Egort)

Üppige Verfilmung des Bestsellers "Der Distelfink".

Es sind große Menschheitsthemen wie Liebe, Trauer, Vertrauen, Freundschaft, Mut, Angst, die in diesem Film verhandelt werden. Am Beginn sehen wir einen jungen Mann in einem Hotelzimmer im regendüsteren Amsterdam, er wirkt sehr unglücklich: "Ihr Tod war meine Schuld. Jeder hat mir gesagt, dass es ein furchtbarer Unfall war. Was auch stimmt. Und ich glaube kein Wort davon", sagt er aus dem Off.

Schreckliches muss passiert sein. In Rückblenden wird, aber erst gegen Ende vollständig, erzählt, was es war: Der 13-jährige Theo muss miterleben, wie seine Mutter bei einem Bombenattentat im New Yorker Metropolitan Museum stirbt. Er hat, schwer traumatisiert, überlebt. Und er hat ein Bild aus den Trümmern mitgenommen: das zirka 33 mal 23 Zentimeter kleine Gemälde "Der Distelfink" von Carel Fabritius aus 1654. Dieses Bild gab dem Buch von US-Autorin Donna Tartt den Titel: Ihr Roman, 2013 erschienen, in unzählige Sprachen übersetzt, wurde 2014 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Detailreich – die deutsche Übersetzung hat mehr als 1000 Seiten – schildert sie die wechselvolle Geschichte von Theo.

Nun also die Verfilmung. Immer wieder wird Theo (hervorragend als Bub dargestellt von Oakes Fegley, als Erwachsener von Teenie-Star Ansel Elgort) von Schicksalsschlägen gebeutelt. Lebensstränge verheddern sich, Halbwaisen gehen Freundschaften ein, verlieren einander aus den Augen, treffen wieder aufeinander. Das alles wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt: Realistisches vereint sich mit Märchenhaftem, Glaubwürdiges trifft auf Konstruiertes, Rührendes auf Brutales. Das Buch wurde von vielen regelrecht verschlugen, der ambitionierte Film kommt der episch breiten Erzählweise nahe. In üppiger Bildsprache zeichnet er Theos verschlungene Wege und verworrene Gefühle nach. Den "Distelfinken" nimmt er überall hin mit und will ihn auch nicht hergeben, denn das Bild ist irgendwie ein Fixpunkt und Erinnerung zugleich. Die zweieinhalb Stunden vergehen rasch, die Spannung bleibt bis zuletzt.

"Der Distelfink", USA 2019, 150 Min.

OÖN Bewertung:

Der Trailer zum Film:

Artikel von

Silvia Nagl

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