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OÖN-Filmkritik

"Birds of Prey": Eine Antiheldin, explosiv wie schillernd

Von Nora Bruckmüller  08. Februar 2020 00:04 Uhr

Eine Antiheldin, explosiv wie schillernd
Margot Robbie als Harley Quinn

Hollywood-Star Margot Robbie brilliert im neuen Comicfilm "Birds of Prey".

Verlassenen Frauen sagt man nach, sie würden Fotos des Verflossenen verbrennen. Harley Quinn fährt einen gekaperten Truck in eine Industrieanlage, deren Explosion halb Gotham City zerstört.

Die furiose Clownin, in "Birds of Prey" dargestellt von Margot Robbie ("Once Upon A Time In Hollywood"), ist anders als die Klischees des Alltags und so ziemlich jede Frauenhauptrolle, die Hollywood auf der Leinwand groß herausbrachte. Sie agiert wie eine gut geölte Kampfmaschine, trotzdem ist sie nicht wie Gal Gadot in "Wonder Woman" – ihr Ziel ist nicht Frieden, es ist das Ausleben ihres Egos.

Sie könnte einem Film von Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez entsprungen sein, aber anders als Uma Thurman ("Kill Bill") oder Juliette Lewis ("From Dusk Till Dawn") gibt es weder Gefahr noch eine Suche nach größerer Gerechtigkeit, die ihre Feldzüge legitimieren. Harley Quinn tut, wonach ihr ist. Erst recht, seit ihr Geliebter Joker – ein Paar wurden sie im Film "Suicide Squad" – sie rausgeworfen hat. Die Trennung stachelt ihre an sich pikante Persönlichkeit nur noch mehr an.

Ihr Verstand, der einer ausgebildeten Psychiaterin, verbindet sich mit der schnell aufkochenden Wut einer manipulativen Narzisstin, die auf Frustrationsquellen aus Prinzip draufhaut. Sie steht auf Glitzernagellack und Leckerlis, die ihr ihre Hyäne Bruce aus dem Mund fressen kann. Sie ist gefährlich und hat Feinde. Nachdem das Beziehungsaus publik geworden ist, wird sie für Nachtclubbesitzer und Möchtegern-Paten Roman Sionis interessant. Ewan McGregor verleiht ihm eine gute Prise blanken Horrors.

Daraus entwickelt sich die Frage, die alles antreibt: Unterstellt sich Harley jetzt Sionis und so wieder dem Schutz eines Meisters? Oder schützt sie selbst, in diesem Fall Taschendiebin Cassandra (Ella Jay Basco), die hat, was Sionis will.

Regisseurin Cathy Yan erzählt die Suche nach der Antwort so eigenwillig und mit Erwartungen brechend, wie sich Harley unbändig schillernd zeigt. Ein irre spannender Mix, den Klasse-Darstellerin Robbie zur One-Woman-Show einer Antiheldin macht.

"Birds of Prey", USA 2020, 109 Min., R: Cathy Yan

OÖN Bewertung:

Der Trailer zum Film:

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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