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OÖN-Filmkritik

"A Rainy Day In New York": Dieser Film schafft es nicht ganz ins Trockene

Von Nora Bruckmüller 07. Dezember 2019 00:04 Uhr

Dieser Film schafft es nicht ganz ins Trockene
Timothée Chalamet wird in New York im Regen stehen gelassen.

Woody Allens neueste Regiearbeit ist Durchschnitt seiner Filmkunst.

"Ich brauche einen Drink, eine Zigarette und eine Klavier-Ballade", sagt Gatsby Welles in Woody Allens "A Rainy Day In New York".

Der Student, Hollywood-Jungstar Timothée Chalamet, ist sich sicher, dass ihn "seine" Ashleigh (Elle Fanning) gerade gegen einen Filmstar ausgetauscht hat. Die Tage, an denen er der Nachwuchs-Reporterin seine Heimatstadt zeigen wollte, hatte sich der Romantiker mit Hang zum halbseidenen Nachtleben anders erträumt – wie ein Lustwandeln durch den "intellektuellen Nabel" der USA.

Doch Leben und Liebe hängen, wie es Oscar-Gewinner Allen (83) in seinen 54 Filmen davor ausgiebig skizziert hat, von Menschen und ihren Metropolen ab. Vom Wesen her sind sie ähnlich aufregend, voll von Energie, attraktiv, aber letztlich unberechenbar.

Wie ein kleiner Gatsby

Wer Allens Filme liebt, wird an "A Rainy Day In New York" Gefallen finden. Wie die Stadt und ihre verlockenden Möglichkeiten das Paar trennt, ist "typisch Woody". Die Dialoge sind spitz, witzig, vielsagend und scheinen nie enden zu wollen. Jeder Charakter ist schillernd – nie nur gut oder böse, rational oder verrückt, romantisch oder naiv. Hinter den Fassaden erwarten einen plüschig bis kalt gestaltete Hotels, Apartments, Pianobars und Villen des Geldadels.

Gerade Letztere werden zu jenem Schauplatz, an dem Allen am schärfsten mit der Nation ins Gericht geht. Sein Gatsby, Spross der Upperclass, verachtet seine neureiche Herkunft. Hier ist der Vorname des burschikosen Flaneurs Programm, den Chalamet sehr gewandt zwischen verträumtem Idealismus und abgeklärtem Zynismus pendeln lässt. Entworfen hat es F. Scott Fitzgerald in seinem Kult-Roman von 1925, in dem der große Jay Gatsby das von Gier und Geld gedopte New York mit hoher krimineller Energie unterwandert. Allens "kleiner Gatsby" engagiert schon einmal eine Prostituierte für die Herbst-Gala seiner Mutter.

Hätte der Star-Regisseur aus dieser Konstellation mehr gewonnen, wäre dieser Film auch wohl besser als sein eigener Durchschnitt. Stattdessen sieht man, wie Fanning das dauergrinsende Pupperl Ashleigh brillant interpretiert, während es bei einem Interview von Regisseur (Liev Schreiber), Produzent (Jude Law) und zuletzt einem Schauspielstar (Diego Luna) als amouröses "Freiwild" betrachtet wird. Gatsby hingegen erliegt dem Charme seiner früheren Teenagerbekanntschaft Chan, der Selena Gomez prägnant ein Mundwerk verpasst, das so scharf ist wie der Verstand ihrer Figur.

Das Ensemble wird so immer größer, weshalb es Allen wohl beim Inszenieren teils so geschleudert hat wie bei der Produktion des Films. Er entstand 2018 während #MeToo, als Allen erneut Missbrauch vorgeworfen wurde.

"A Rainy Day In New York": USA 2019, 92 Min.,

OÖN Bewertung:

 

Der Trailer zum Film:

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Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

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