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OÖN-Filmkritik

"A E I O U": Die allein mit dem Herzen sehen

Von Nora Bruckmüller  25. Juni 2022 00:04 Uhr

Die allein mit dem Herzen sehen
Ein ungleiches Paar: Sophie Rois mit Milan Herms als Anna und Adrian

Kino: Sophie Rois glänzt in der bittersüßen Filmperle "A E I O U".

Wer sich an Liebesbeziehungen mit großem Altersunterschied stößt, den wird der Kinofilm "A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe" fordern. Regisseurin Nicolette Krebitz ("Wild") führt in diesem Werk, für das die Deutsche auch das Drehbuch schrieb, eine Darstellerin jenseits der 50 mit einem Jugendlichen zusammen.

Anna hat ihre besten beruflichen Zeiten hinter sich lassen müssen. Adrian ist ein schwieriger Bursche, ein Waisenkind. Sie lernen einander kennen, als Anna ihm Sprechunterricht in ihrer von ihrem Freund Michel (Udo Kier) gesponserten Wohnung in Berlin gibt. Vorher hatte ihr Adrian aber noch vor einem Szenelokal die Handtasche gestohlen ... In dieser Arbeit, die im Wettbewerb der heurigen Berlinale lief, ist die Ottensheimerin Sophie Rois als Anna zu erleben, der junge Deutsche Milan Herms als Adrian.

Die allein mit dem Herzen sehen
Sophie Rois

Wert des Vergänglichen

Während Anna und Adrian augenscheinlich Jahrzehnte trennen, haben Rois und Herms mehrerlei gemeinsam: Berlin ist ihre Wirkungsstätte, sie kommen vom Theater – in der Regie von Frank Castorf standen sie etwa gemeinsam auf der Volksbühne. Mit ihrem Wissen aus der Bühnenkunst um die unmittelbare Präsenz, das kunstvolle Erzählen mit kleinsten Gesten, den Wert flüchtiger Momente bereichern sie auf wunderbare Art den Film. Das Duo, das sich suchend, tastend, Grenzen überschreitend aufeinander einlässt, wird wie im Tanz zum Liebespaar. Krebitz versteht es, dieses Spiel mit Bildern urbanen Lebens, sonnendurchfluteter Architektur und romantischen, symbolträchtigen Motiven so zu schmücken, als wähnte man sich in einer Mittelmeerstadt im Sommer. Kiers beinah mystische Aura trägt noch das Ihre dazu bei.

So findet der Film trotz jeder Irritation eine leichtfüßige Sprache, mit der er einen Raum schafft, in dem mehr möglich scheint – sogar ein Blick auf Liebe, der blind für Altersfragen ist.

A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe: D/F 2022 104 Min., Regie: Nicolette Krebitz jetzt im Kino

OÖN Bewertung:

Der Trailer zum Film:

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller

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