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OÖN-Filmkritik

"True Grit": Das Lied vom Western führt den Mythos zum Abgesang

Von Bernhard Lichtenberger   26. Februar 2011 00:04 Uhr

Das Lied vom Western führt den Mythos zum Abgesang
Um ihr Rache-Ziel zu erreichen, heuert Mattie (Hailee Steinfeld) Marshall Cogburn (Jeff Bridges) an.

Gesetzlosigkeit und Selbstjustiz, Gerechtigkeit und Rache, Mythos und Abgesang des Wilden Westens – all das verhandeln Joel und Ethan Coen furios und gewandt im Oscar-Anwärter „True Grit“.

Es gehört zur Kunst der virtuosen Brüder, mit Erwartungen zu brechen. In diesem Fall tun sie es doppelt. Zum einen meiden sie den Pfad des Remakes von Henry Hathaways „Der Marshall“, in dem John Wayne 1969 torkelnd und brummend zu seinem einzigen Oscar ritt. Zum anderen dienen sie nicht als Steigbügelhalter für abgefahrene Figuren und abgründige Verstrickungen, die für ihr bisheriges Werk prägend sind.

Nein, die Coens spielen einfach das Lied vom Western, das keiner schlichten Melodie folgt, sondern einer ironisch gestimmten Klaviatur entspringt.

Wir befinden uns in einem Westen, dessen Wildheit um 1870 ins Relikt übergeht. Die Büffel sind am Aussterben, die Indianer in zugewiesene Gebiete verdrängt, der Goldrausch einer Ernüchterung gewichen. Glücksritter, Gesetzlose, Revolverhelden und Kopfgeldjäger versuchen in ihrer Hochzeit zu verharren, indem sie ihre Welt mit wüsten Beinamen und Gräueltaten tapezieren.

Die 14-jährige Mattie (Entdeckung Hailee Steinfeld) ist ein Kind dieser Zeit, in der die Kindheit verloren ging. Mit erwachsener Bestimmtheit und Geld ködert sie Marshall Rooster Cogburn, um den Mörder ihres Vaters zu jagen, auf dass der Galgen Gerechtigkeit bringe.

In verkommener Kluft

Jeff Bridges zieht diesem Cogburn die schlurfenden Stiefel des Heimatlosen an, der sich in der zur zweiten Haut verkommenen Kluft in Lagerräumen den Rausch ausschläft, sofern er nicht im Sattel auf der Hatz ist. Wider Willen bilden sie ein Dreieck mit Texas-Ranger LaBoeuf (Matt Damon), der dem Verfolgten auch auf den Fersen ist.

Den Westen der Coen-Brüder verklärt kein Sonnenuntergang. Über dem harschen, winterlichen Land liegt bleich-braunes Licht, das den Mythos in den Abgesang führt. Den begleitet das Regie-Duo ebenso typisch wie grandios. Nehmen wir LaBoeuf und Cogburn, die sich erst verbal und dann auf Proviant schießend duellieren, um Zentimeter zu messen. Oder die feilschende Mattie, die mit Verweisen auf ihr Recht trumpft und doch Rache sucht.

Und was sagt Cogburn, der einem Sterbenden die versprochene Bestattung doch verwehrt? „Wenn sie ein Begräbnis wollen, müssen sie sich im Sommer töten lassen.“

Der Western ist tot, es lebe der Coen-Western!

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