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OÖN-Filmkritik

„New Moon“: Romeo und Julia mit Fangzähnen

25. November 2009 10:21 Uhr

Zum Anbeißen: Robert Pattinson

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In „New Moon“ (USA 2009, 130 Min.; Regie: Chris Weitz), der Verfilmung des zweiten Buches der „Twilight“-Reihe, durchlebt die Liebe zwischen Bella und Vampir Edward ihre erste Krise. Zwei OÖN-Redakteure haben den Film des Jahres getrennt unter die Lupe genommen.

VON SARAH ECKLMAYR

„Augen, blickt euer letztes! Arme, nehmt die letzte Umarmung!“ Genau wie Shakespeares Romeo nimmt in „New Moon“ auch Edward (Robert Pattinson) Abschied von seiner Geliebten Bella (Kristen Steward). Zurück bleibt eine lethargische Bella, die ihre Umwelt – wenn überhaupt – nur schemenhaft wahrnimmt und ein vor Selbstbewusstsein strotzender Jacob (Taylor Lautner; „Alter ist bloß eine Zahl, Baby“), der um ihre Gunst buhlt. „New Moon“, die von Fans langerwartete „Twilight“- Fortsetzung, verspricht großes Gefühlskino und neue, wie alte Konflikte. Die Hysterie um die beiden männlichen Hauptdarsteller hat mittlerweile beängstigende Ausmaße angenommen, sie werden von weiblichen Fans (egal ob zehn oder 40 Plus) wie Popstars gefeiert, belagert und verfolgt.

Als wahrer Fan muss man sich entscheiden: will man „Team Edward“ oder „Team Jacob“ angehören? Letztere dürften in „New Moon“ auf ihre Kosten kommen. Denn Bella fühlt sich von dem körperlich und mental gereiften Jacob sehr angezogen. Die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe verwischt, ihre Beziehung wird durch Liebesgeständnisse und einen Beinahe- Kuss zunehmend verkompliziert. Heißer Werwolf als neues Sexsymbol? Vierzehn Kilogramm Muskelmasse hatte sich der erst 17-jährige Taylor Lautner antrainiert, um den Werwolf Jacob möglichst buchgetreu darzustellen. Und die Fans honorieren das: Als sich Taylor in einer Szene effektheischend das Shirt auszieht, gehen Seufzer durch das – wohlbemerkt überwiegend weibliche – Publikum. Kein Vergleich zu den Reaktionen bei der Oben-Ohne-Szene von Robert Pattinson. Sein bleicher, behaarter Oberkörper wirkt gegen Jacob untrainiert und wird vom Film-Publikum kaum goutiert.

Regisseur Chris Weitz weißt, was die Fans wollen und hat eine buchgetreue Verfilmung mit viel nackter, männlicher Haut realisiert. Es sind vor allem die wortgetreu übernommenen Dialoge und die überzeugenden Darsteller, die das Fan-Herz höher schlagen lassen. Allein der Wortwitz hat in der filmischen Adaption ein wenig gelitten, andere Gags wirken allzu aufgesetzt

VON LUKAS LUGER

Unzweifelhaft hat Bella Swan (Kristen Stewart) ein besonderes Händchen bei der Wahl ihrer Männer: Edward (Robert Pattinson), ein 109-jähriger Vampir mit Bindungsangst, und Jacob (Taylor Lautner), ein 16-jähriger Nachwuchs-Schwarzenegger, der zum Werwolf mutiert (und aus dramaturgisch unerfindlichen Gründen an den unpassendsten Stellen im Film sein Hemd auszieht), buhlen in „New Moon“ um ihre Gunst. Ein Liebes-Dreieck der bissigen Art, religiös verbrämt mit zahlreichen Keuschheits-Metaphern. Frauenbild aus vorvorigem Jahrhundert Das Deckmäntelchen der Emanzipation, das „Twilight“-Autorin Stephenie Meyer in Interviews ihrer weiblichen Hauptfigur so gerne umhängt, wird im Film schnell gelüftet. Bella definiert sich ausschließlich über die Männer in ihrem Leben; eigene Entscheidungen trifft sie nicht. Ihr Selbstwert generiert sich ausschließlich aus dem Zusammensein mit Anderen. Ohne Mann
ist sie ein deprimiertes, in die Kissen heulendes Nichts.

Kurz gesagt, ein Frauenbild aus dem vorvorigen Jahrhundert. Schauriger als jeder untote Blutsauger. Ansonsten verfügt der zweite Teil der „Twilight“-Reihe über alle Ingredienzien für eine Teenie-Schmonzette der Marke Hollywood: käsebleiche Vampire mit Leidensmiene, schwülstige Liebesschwüre mit akuter Brechreiz-Gefahr, schmachtende Blicke, einige flotte Sprüche, dazu nackte Männer-Oberkörper en masse. Was an ausgefeilten Dialogen gespart wurde, hat Regisseur Chris Weitz einfach in die Spezialeffekte investiert. Auffallend zahlreich sind die Anspielungen auf Shakespeares „Romeo und Julia“.

Hier wie da dreht sich alles um die verbotene, unmögliche, und doch alle Barrieren überwindende Liebe. Gepaart mit Intrigen, erbitterten Feindschaften und Kämpfen auf Leben und Tod. „New Moon“ will Shakespeare für die „Facebook-Generation“ sein. Doch bleiben all die suggerierten Emotionen an der gelackten Oberfläche. Es gibt keine Ecken und Kanten, alles ist sauber und steril. So wie Vampire keine Seele haben, hat auch „New Moon“ keine. Eine blutarme Angelegenheit.

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