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OÖN-Filmkritik

„Hunger“: Körper als Waffe, Kot als Kunstwerk

Von Von Julia Evers   28. August 2010 00:04 Uhr

Körper als Waffe, Kot als Kunstwerk
Bobby Sands hungert sich zu Tode.

„Hunger“: (UK, Irland 2008, 96 Min.) Regie: Steve McQueen

OÖN Bewertung:

Kot an den Wänden, Urin in den Gängen. Im berüchtigten Maze Gefängnis in Nordirland im Jahr 1981 hat der „dirty protest“ der inhaftierten IRA-Mitglieder seine Spuren an Mauern und Menschen hinterlassen.

Der Protest durch die Verweigerung von Körperpflege und durch die eigenen Fäkalien, um als politische Gefangene und nicht als Kriminelle behandelt zu werden, äußert sich in Kot-Kunstwerken und Maden, die über schlafende Körper krabbeln.

Das System Gefängnis reagiert organisiert: Mit Waschzeremonien samt Demütigung und Folter.

Auch wenn Steve McQueen in „Hunger“ zuerst sowohl zwei Gefangenen und einem Gefängniswärter in ihrem wortkargen Alltag folgt, kristallisiert sich später in Bobby Sands (Michael Fassbender) die Hauptfigur heraus.

Hungerstreik bis zum Tod ist die Waffe, die er wählt, um die Regierung zum Umdenken zu bewegen. In einer knapp 20-minütigen Sequenz diskutiert er Für und Wider mit einem Priester. Es endet mit seinem Tod, nach ihm starben noch neun andere.

Trotz dieses wahren Hintergrunds – mehr als eine Parteinahme im Nordirland-Konflikt ist „Hunger“ ein brutales Abbild von systematischer Unmenschlichkeit.

Drastische Szenen, die unerträglich lange und stoisch ins Bild gerückt werden: „Hunger“ geht an die Nieren und verleitet mehr als einmal, den Blick abzuwenden, um sich vor dem Grauen zu schützen.

Doch dabei würde einem auch ein bemerkenswert aufwühlender und eindringlicher Film entgehen.

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