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OÖN-Filmkritik

„Antichrist“: Cineastisches Seelen-Massaker

Von Von Lukas Luger   04. November 2009 00:04 Uhr

Antichrist

„Antichrist“: Dänemark 2009, 109 Min.; Regie: Lars von Trier (Moviemento OmU, Cineplexx)

OÖN Bewertung:

Orgasmus und Tod. Während ein Ehepaar (Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg) sich im Liebesakt langsam zum Höhepunkt steigert, klettert ihr kleiner Sohn aus dem Gitterbett, steigt auf das Fensterbrett und stürzt, zeitgleich mit dem Orgasmus, in den Tod.

Ein negativer Zeugungsakt, wunderschön gefilmt in Schwarz-Weiß und extremer Zeitlupe, steht am Anfang von Lars von Triers filmischem Höllentrip „Antichrist“. Der Auftakt für ein cineastisches Seelen-Massaker. Um den tragischen Tod des Kindes zu verarbeiten, zieht sich das Paar in eine entlegene Waldhütte namens „Eden“ zurück. Dort wandeln sich der Schmerz und die Trauer in qualvoller Langsamkeit in Hass und exzessive körperliche Gewalt. Gegen die eigene Person und den Partner. Der vermeintlich paradiesische Garten Eden wird zu einem Ort immensen Schmerzes.

Wahnsinn wird entfesselt

In der expliziten, alptraumhaften Darstellung der Gewalt- und Sexszenen lotet der dänische Regie-Exzentriker Lars von Trier die Grenzen des Visualisierbaren aus. Um sie dann gnadenlos zu übertreten. Die Akte der Selbstverstümmelung sind in ihrer Drastik kaum zu ertragen, der entfesselte Psychowahnsinn auf der Leinwand für den Betrachter kaum zu verarbeiten. Noch dazu verweigert „Antichrist“ konsequent jede Erklärung. Es gibt keine Momente der Erlösung, die Katharsis bleibt sowohl den Protagonisten als auch den Zusehern verweigert.

Was bleibt, ist ein infernalischer Bilderreigen der psychischen wie physischen Gewalt. „Antichrist“ spielt gekonnt mit den Versatzstücken des Horrorgenres, bedient sich ungeniert seiner Ästhetik. Trotzdem ist Lars von Triers neuestes Werk kein blutiger „Splatter“-Film, in welchem die drastische Darstellung von Gewalt nur die Nerven des Betrachters kitzelt. Es ist vielmehr ein böses, surrealistisches „Film noir“-Märchen, gespickt mit religiösen Symbolen. Die Suche nach logischen Erklärungen und rationalen Auflösungen einer Narration ist, ähnlich wie bei den Filmen von David Lynch („Lost Highway“), nicht zielführend.

„Antichrist“ ist ein kreativ visualisierter Spaziergang durch die bizarren Alpträume, die offenbar im Kopf von Lars von Trier herumspuken. Ein monströses Werk, das den Zuseher bis an die Grenzen fordert. Und darüber hinaus.

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