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OÖN-Filmkritik

„Alle Anderen“ : Anders sein, so wie alle anderen

Von Von Julia Evers   25. Juni 2009 00:04 Uhr

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„Alle Anderen“ (D 2009, 124 Min.) Regie: Maren Ade (Moviemento)

OÖN Bewertung:

Frisch verliebt. Sommer. Urlaub. Ein Ferienhaus auf Sardinien. Das ist die Ausgangssituation, in der die Beziehungsstudie „Alle Anderen“ startet.

Zwei Auszeichnungen bei der Berlinale – für Maren Ades Werk und für Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr – sind ein Ergebnis. Dazwischen liegt ein Film: unmittelbar, ehrlich, schmerzhaft und sehenswert.

Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) tollen durch ihren ersten Urlaub, gefallen sich in neckischen Spielereien und belanglos-banalen Konversationen.

Doch die Nähe, das Aufeinanderkleben in so einem Urlaub, verlangt mehr, schält sich in der Hitze des Nichtstuns und Verpflichtungslosigkeit bis zum Kern der Beziehung.

„Findest du mich eigentlich männlich?“, fragt Chris und weiß selbst nicht, was er darunter verstehen soll. Seine Architekten-Karriere stockt jedenfalls, bevor sie eigentlich begonnen hat. Und so wenig, wie er im Beruflichen bereit ist, seine Ideale fallen zu lassen, so wenig will er im Privaten irgendwelche Freiheiten aufgeben, um sich auf einen Lebensentwurf festzulegen.

„Ich wär so gerne anders für dich“, sagt Gitti. Die PR-Beraterin gibt als klammernde Vielrednerin den quirligen Gegenpol zum faden Partner.

Wie sie sein und leben wollen, wissen sie beide nicht so genau, nur anders, anders als alle anderen, auf keinen Fall spießig.

Nicht so wie die Eltern, die durch Grönemeyer-CD und Glastierchen im ganzen Haus präsent sind. Hans (Hans-Jochen Wagner) und Sana (Nicole Marischka) sind ein Paar, das Chris kennt und trifft. Er ist erfolgreich als Architekt, sie als Designerin. „Also musste ich sie befruchten, damit alles im Lot bleibt“, sagt Hans.

Entlarvende Dialoge

Offiziell lehnt Chris ihn ab, insgeheim bewundert er ihn. „Du bist ja so peinlich“, sagt er plötzlich zu Gitti und heischt um Hans‘ Zustimmung.

Um der vermeintlichen Liebe und Beziehung willen streift Gitti sich gemeinsam mit einem „spießigen Kleid“ Sanas Rolle über – und muss scheitern.

Sie nervt, er langweilt, sie ist zu kreischend und zu nachgiebig, er zu farblos und zu hart. Sympathieträger hat Maren Ade in ihr Kammerspiel keine geschrieben, dafür entlarvt sie in ihren Dialogen nicht nur Gitti und Chris, sondern die Generation, die sie verkörpern, gleich mit, die Generation des angestrengt-vorgeschobenen Individualismus, der doch wieder zu kollektivem Mittelmaß führt.

Zu viel Wahrheit und zu viel Wiedererkennungswert steckt in „Alle Anderen“, als dass das Zusehen und Zuhören beim Verhandeln der Anforderungen an Leben und Liebe nicht manchmal weh tun würde.

Birgit Minichmayr und Lars Eidinger spielen mehr als nur hervorragend – sie sind es. Die Fragen, die der Film aufwirft, verweigern sich einer eindeutigen Beantwortung – aber sie bleiben noch lange im Kopf präsent.

Heute um 17.45 und 20 Uhr präsentiert Birgit Minichmayr persönlich „Alle Anderen“ in der OÖN-Filmnacht im Moviemento Linz

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