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Kultur

"Jeder Mensch findet sein Instrument"

22. März 2019 03:07 Uhr

"Jeder Mensch findet sein Instrument"
Katrin Unterlercher

Die Harfe ist die Leidenschaft von Katrin Unterlercher. Im Duo mit ihrem Mann Werner, Kontrabassist, präsentiert die Tirolerin am 28. März in Linz und am 29. März in Bad Ischl ihr erstes Album "Flowers". Von ihrem Instrument und ihrer Leidenschaft hat sie Karin Schütze erzählt.

Warum gerade die Harfe ihr Herz erobert hat, wie ihre Stücke entstehen und was es für sie so besonders macht, mit dem eigenen Mann auf der Bühne zu stehen, verrät die sympathische Harfenistin (33) im Gespräch.

Auf Ihrer Homepage findet sich das Bekenntnis "Und ich würde sie wieder lernen …", die Harfe. Warum?

Katrin Unterlercher: Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass jeder Mensch sein Instrument findet. Jedes Instrument hat seinen Charakter. Die Harfe ist ganz meins, weil sie so vielseitig ist. Ich mag es ganz gern, wenn immer irgendetwas anderes los ist. Ich bin auch vom Typ so – ein bissl spontan, oft vielleicht auch ein bissl chaotisch. Auf der Harfe kannst du Volksmusik spielen, ganz leise Töne, ganz laute, moderne Sachen, klassische. Die Vielseitigkeit taugt mir. Das macht es aus.

Sie spielen eine Tiroler Liederharfe. Was ist das Spezielle dieser Harfe?

Es gibt ganz viele verschiedene Harfen. Bei den großen, goldenen Harfen, die man aus dem Orchester kennt, ist die Spielart anders, wie man sie anzupft und die Fußpedale bedient. Man kann mehr verstellen an den Tönen. Ich bin ein bissl eingeschränkter bei den Tonarten.

Wie weit reicht Ihr Tonspektrum?

Ungefähr um die fünf Oktaven, ich habe 43 Saiten und die Halbtöne dazwischen.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Meine Mama hat gesagt, dass ich mit vier mit der Flöte dagehockt bin und versucht hab, die Melodien der Kinderlieder zu lernen. Die Harfe hab’ ich im Fernsehen gesehen. Wir haben keine Familienmusik daheim gehabt. Aber meine Eltern haben mich in musikalischer Hinsicht unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich.

Mit Ihrem Mann Werner, einem Kontrabassisten, spielten Sie im Duo. Sind Sie mit dieser Kombination die Einzigen?

Ich habe es noch nie gesehen. Das macht uns auch aus. Wir gehören zusammen und verstehen uns musikalisch auch dementsprechend, da genügt oft ein Blick, und der andere weiß schon, wo es weitergeht. Mir ist generell wichtig, dass die Chemie passt. Wenn ich mit jemandem musiziere, den ich nicht mag oder dem ich nicht in die Augen schauen kann, dann kann man nicht so eine schöne Musi’ machen. Werner und ich können in einem Fluss spielen. Das ist für uns auch etwas ganz Besonderes.

Ist es auch manchmal schwierig, mit dem eigenen Mann auf der Bühne zu sein?

Uns fragen ganz viele, wie wir das schaffen. Aber das geht einfach. Daheim spielen eh andere die erste Geige (das Paar hat zwei Kinder, Anm.). Die Stücke sind aus meinem Leben heraus geschrieben. Mein Mann weiß genau, was ich da in die Musik hineingepackt habe. Es sind unsere Kinder, unsere Erlebnisse. Da vergisst man manchmal fast das Publikum. Da spielt man so viel Persönliches hinaus. Jetzt werd’ ich ganz sentimental…(lacht).

Manche Ihrer Stücke klingen mittelalterlich. Trügt der Schein?

Wie ein mittelalterlicher Tanz, das sind irische Anklänge. Ich wollte ein bissl Irland einfangen, weil Irland so ein wichtiges Land für die Harfe ist, sie ist dort das Nationalinstrument. Ich spiele viel irische Musik. Irland stelle ich mir so magisch vor.

Eines Ihrer Lieder heißt "Auszeit". Haben Sie sich eine genommen?

Ich habe das ein bissl lernen müssen, nach der Vollgas-Bühnenpräsenz bei Herbert Pixner. Der Werner hat weitergespielt, ich war dann einmal daheim. Das war schon eine Umstellung im Leben – eine musikalische Auszeit. Ich hab’ früher nie Nein sagen können. Jetzt nehme ich mir die Auszeit, dass ich mich einfach einmal niedersetze, für mich bin, oder mit dem Werner, und wir zwei ganz allein, wenn die Kinder schlafen, einmal ein gutes Glaserl trinken. Das war mein Hintergedanke bei diesem Stück – dass man gar nicht viel braucht, um zufrieden zu sein, dass weniger mehr ist. Alle Stücke haben irgendeinen Hintergrund aus meinem Leben.

Wie entstehen Ihre Stücke?

Zuerst spiele ich in den Harmonien einfach so dahin, je nach Stimmung. Dann probiere ich mit der rechten Hand eine Melodie dazu und beschäftige mich bewusster damit. Und dann spiel’ ich es dem Werner vor, wenn der sagt: Das geht gar nicht, schmeiß ich es wieder weg. Zum Schluss macht der Werner seine Sache dazu. Er groovt. Ich höre ihn überall heraus, wenn er irgendwo im Radio spielt.

Sie spielen auch Hackbrett.

Ich spiele Hackbrett, Werner spielt Gitarre. Ich bin mit der Volksmusik aufgewachsen, aber es taugt mir, auf dem Hackbrett auch einmal mit anderen Rhythmen wie einem Tango Vollgas zu geben. Wir spielen auch in dieser Besetzung etwas, und wir singen. Ich glaube, es ist für jeden etwas dabei. Wir sind für alles offen und machen alles gern.

Leben: Katrin Unterlercher (33) wurde im Brixental geboren. Am Tiroler Landeskonservatorium studierte sie Harfe und Hackbrett. Sieben Jahre lang spielte sie mit ihrem Mann, dem Osttiroler

Kontrabassisten Werner Unterlercher, im "Herbert Pixner Projekt". Beide konzertieren auch als Duo. Das Paar lebt mit seinen zwei Kindern in Westendorf/Tirol.

CD-Debüt: "Flowers" spiegelt "Emotionen verschiedener Lebenslagen" für Harfe/Kontrabass bzw. Hackbrett/Gitarre – melancholische wie "Flower" oder "Irish Breath", verinnerlichte wie die "Auszeit", luftig-fröhliche wie "Harpiness", magische wie "Orphan Black". Der vielseitige Reigen reicht vom feurigen Tango bis zum charmanten "Liebeswalzer". Den Groove liefert Werner Unterlercher. Erhältlich ist die CD per Mail an katrin.unterlercher@gmail.com

Reinhören: "Flower" von Katrin Unterlercher

Termine: Am 28. März sind Katrin und Werner Unterlercher mit ihrem neuen Programm "Flowers" in Linz im Central zu Gast. Am 29. März spielt das Duo im Lehártheater in Bad Ischl, 20 Uhr, Karten gibt es unter 0664 2119204 oder per E-Mail an: office@aufgeigen.at, Infos: www.aufgeigen.at

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