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Kultur

"In dieser Nacht ist mir ein Stein vom Herzen gefallen"

Von Nora Bruckmüller 23. September 2019 00:04 Uhr

"In dieser Nacht ist mir ein Stein vom Herzen gefallen"
Cliff, der charismatische Protagonist

Der neue Film des Gmundners Sebastian Brameshuber begeistert Branche und Publikum, der Weg dahin war lang und schwierig.

Zwei beeindruckende Gestalten treffen im Film "Bewegung eines nahen Bergs" zusammen. Auf der einen Seite Cliff, der sich in einem alten Hangar ein Handelsreich geschaffen hat. Am Rande einer steirischen Schnellstraße kauft er Autos, zerlegt sie, sortiert die Teile, um sie in seinem Herkunftsland Nigeria zu Geld zu machen. Auf der Seite gegenüber thront die scheinbar nicht versiegende Quelle namens Erzberg – mindestens so imposant wie Cliff in seinem Reich.

Der aus Gmunden stammende Regisseur Sebastian Brameshuber hat ihre Gegensätzlichkeiten, in denen man unweigerlich nach Parallelen suchen will, zu einer Erzählung geformt, die so kunstvoll inszeniert ist, wie sie doch für jedermann nahbar bleibt. Man kann die Produktion, die der 37-Jährige ab heute im Land präsentiert (mehr am Textende) wohl als bisherigen Höhepunkt seines ohnehin sehr erfolgreichen Schaffens bezeichnen.

Dabei hat die "Karriere" von "Bewegung eines nahen Bergs" – einer Arbeit, für die als Independent-Produktion ein internationaler Festivalparcours ein Muss ist – mit einer Enttäuschung begonnen: einer Absage seitens der Berlinale.

Eine Zufallsbegegnung

"Da habe ich durchaus etwas an mir gezweifelt. Ich bin keiner, der sagt: Alles, was ich mache, ist gut, und mir ist egal, was andere davon halten", sagt Brameshuber. "Aber in dem Moment, in dem man mit der Arbeit nach außen geht, ist man sowieso verletzlich. Schließlich hat man Jahre darin investiert."

Für den Wahlwiener begann "Bewegung eines nahen Bergs" vor mehr als fünf Jahren. Ein früherer Dreh führte ihn auf ein Paintball-Feld nahe Cliffs Halle. "Irgendwann habe ich gesehen, dass da jemand arbeitet, ich bin hin und habe Cliff getroffen." Dessen Handynummer, die auf einem großen Schild prangte, speicherte der Gmundner.

Viel später rief er an und fragte, ob Cliff nicht Lust hätte, einen Kurzfilm zu drehen. Hatte er. Wobei noch etwas Misstrauen herrschte. "Er und seine Freunde haben mir für die Credits nicht einmal ihre richtigen Namen gesagt. Heute lachen Cliff und ich darüber." Zusammengeschweißt hat sie das lange Warten darauf, den Langfilm realisieren zu können. Finanzierungen platzten, was zu monatelangen Verzögerungen führte. Der Protagonist beruhigte stets den Regisseur. "Cliff hat dann gesagt: Das ist doch halb so schlimm, ich habe Jahre auf Asylbescheid oder Arbeitserlaubnis gewartet. Entspann dich." Am Ende ging alles gut.

In der Nacht, in der Brameshubers Film bei der Grazer "Diagonale" den ersten Preis holte, wurde er auch mit dem großen Preis beim Pariser "Cinéma du réel" prämiert, einer Art Dokumentarfilm-Oscar. Brameshuber: "In dieser Nacht ist mir ein Stein vom Herzen gefallen."

Premieren mit Brameshuber: heute: Moviemento Linz, 20 Uhr Programmkino Wels, 18 Uhr, mit den Diagonale-Leitern Peter Schernhuber u. Sebastian Höglinger Di.: Kino Gmunden, 19 Uhr, 3. 10. Kino Kirchdorf, 4. 10. CityKino Steyr

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Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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