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Kultur

Im Kleiderhimmel

Von Herbert Schorn  24. Oktober 2020 00:04 Uhr

Im Kleiderhimmel
„Ein bisschen mehr Verwegenheit in Sachen Mode würde den Österreichern nicht schaden.“ Susanne Bisovsky, Designerin

Die gebürtige Linzerin Susanne Bisovsky erhält den Staatspreis für Mode. Wie sie und andere Designer aus Oberösterreich die Modewelt aufmischen.

Das Schneidern faszinierte Susanne Bisovsky schon als Kind. Eifrig stattete sie damals, in den 1970er-Jahren, ihre Puppen mit Kleidern aus. Mode hingegen war ihr völlig egal. "Ich rannte mit Cordhosen und Taschenfeitel herum", erinnert sich die Designerin.

Und dann kam das Schlüsselerlebnis. Auf Geheiß ihrer Mutter trug sie oft ein wärmendes Kopftuch. Doch eines Tages band sie es nicht mehr wie üblich unter dem Kinn, sondern am Hinterkopf. Plötzlich bemerkte sie, dass diese Art, das Kopftuch zu tragen, ihren Kopf ganz anders betonte. Heute weiß sie: "Da bin ich dem Zauber der Mode erlegen."

Im Kleiderhimmel

Mittlerweile ist Susanne Bisovsky eine erfolgreiche Modeschöpferin. Sie arbeitete mit J.-Ch. de Castelbajac, Helmut Lang und Vivienne Westwood, entwarf Mode für Marken wie Kathleen Madden, Gössl und (bis 2019) Sportalm. Nun erhält die gebürtige Linzerin am 26. November den "outstanding artist award für experimentelles Modedesign" oder kurz: den Staatspreis für Mode. Sie ist eine von mehreren Oberösterreichern, die die Modewelt mit neuen, ungewöhnlichen Ideen aufmischen (siehe Berichte nebenan). Doch was ist das Außergewöhnliche an Bisovskys Mode? Zum einen, natürlich, die Entwürfe. Oft lässt sie sich von Trachten inspirieren, nimmt Blaudruck, Goldhauben oder bäuerliche Motive und setzt sie in einen neuen Kontext. "Die Tracht ist nur einer der Ausgangspunkte", sagt sie. "Dann folgt der Schritt in die Moderne."

Auffallend ist aber auch ihre Einstellung zur Mode. "Ich habe nie verstanden, warum ein Kleidungsstück einmal ganz viel bedeutet und dann wieder nichts", kritisiert sie schnelllebige Trends. "Früher gab es Kleidungsstücke, die man ein Leben lang trug, heute haben viele zu ihren Kleidern keinen Bezug mehr." Seit Beginn ihrer Karriere setzt sie sich für nachhaltige Mode ein. Begonnen hatte ihr Weg dorthin in der Modeschule Mödling, nachdem ihre Familie schon bald von Linz nach Gumpoldskirchen gezogen war. Später studierte sie an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien.

Im Kleiderhimmel

Ebenfalls ungewöhnlich: Bisovsky will mehr als nur Kleider kreieren, sie will auch Überzeugungsarbeit leisten. Ihre Marke "Wiener Chic" ist ein Ausdruck dieses Konzeptes. Sie führt das Label mit ihrem Partner, dem Schuhdesigner Joseph Bonwit Gerger. Die internationale Kundschaft bezeichnet ihren Salon in einer ehemaligen Wiener Seidenmanufaktur als "Wunderkammer", als "Kleiderhimmel": "Es gibt einen riesigen Fundus an Kleidungsstücken, den ich von Reisen, Auktionen, Flohmärkten mitbrachte." Dies alles soll vor allem eines: die Kunden inspirieren, den eigenen Stil zu finden, dem sie treu bleiben können: "Der Wiener Chic soll sich nicht an die Mode anbiedern, sondern sich den modischen Turbulenzen entgegenstellen."

"Mode soll Lebenslust zeigen"

Im Übrigen findet Susanne Bisovsky, dass den Einheimischen ein bisschen mehr Verwegenheit und Selbstbewusstsein nicht schaden würde. Sich modisch zu kleiden, müsse nicht aufwendig sein: "Oft reicht eine kleine Manipulation, ein Hut, eine Schleife und der Rat der Fachfrau." Denn: "Mode soll Spaß machen und die Lust am Leben zeigen."

Artikel von

Herbert Schorn

Redakteur Kultur und Leben

Herbert Schorn
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