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Kultur

"Er war ein Komödiant"

Von Karin Schütze  15. Mai 2021 00:04 Uhr

"Er war ein Komödiant"
Im Linzer Nordico zeigt die Installation „Tauber on Tour“ von Tauber selbst gefilmte Einblicke in sein Privatleben.

Anlässlich Richard Taubers 130. Geburtstag am Sonntag zeigt das Linzer Nordico Aufnahmen des Linzer Tenors und Hobbyfilmers.

"Seine Stimme war nicht perfekt, aber sie war einzigartig. Er konnte lange Phrasen singen, ohne zu atmen", erzählt Heide Stockinger. Seit 2015 ist die Autorin (79) von dem am 16. Mai 1891 in Linz geborenen Tenor "tauberisiert". Mit Kai-Uwe Garrels hat sie 2017 die Biografie "Tauber, mein Tauber" herausgebracht. Zig Zeitungsarchive hat sie durchforstet, wo etwa von Taubers "Übersiedlung" nach England 1938 berichtet wird, der Exilheimat des als "Halbjude" Geächteten.

"Wie er es zustande brachte, trotzdem fröhlich, menschenfreundlich, heiter und so kollegial zu sein", hätte ihn die 79-Jährige gerne gefragt. "Er wurde aus Österreich vertrieben, dann aus Deutschland. Seine Heimat hat er nicht mehr gesehen und wurde auch nicht mehr eingeladen, außer von den Wiener Philharmonikern", mit denen er auf deren Gastreise in London am 27. September 1947 seine letzte Vorstellung gab – als Mozarts "Don Ottavio", mit nur einem Lungenflügel und vom Krebs gezeichnet. "Ein Amateur hat die Radioausstrahlung aufgezeichnet. Das ist immer die schönste Stelle bei unseren Präsentationen", sagt Stockinger, die mit einem Tauber-Klischee bricht – "jenem des schmalzigen Schlagerliedersängers. Er war auch der beste Mozartsänger seiner Zeit." Man wisse nicht, ob Tauber seinen Gesundheitszustand geahnt oder verdrängt habe. Letzteres mag für seine Zeit gelten. "Er hat sich um Politik nicht gekümmert und gesagt: Ich mache nur Musik." Einzig: "Im Exil hat er sich ein paar Mal stark über das Unrechtsregime geäußert, vielleicht wegen seiner englischen Frau (Diana Napier), die viel politischer war."

1987 erstand Georg Wacha, damals Direktor des Linzer Nordico, in London einen Teilnachlass Taubers, darunter "einen Haufen Filmrollen" des begeisterten Hobbyfilmers Tauber. Digitalisiert zeigen sie nun den Tenor ganz privat, in der Videoinstallation "Tauber on Tour – Wie eine Konzertreise zur Flucht wurde" in der ganzjährigen Ausstellung "100% Linz. Kaleidoskop einer Stadt" im Nordico. Stockinger: "Er war ein Komödiant im Umgang mit seinen Mitmenschen", von denen er viele auch "finanziell durchbrachte". Er selbst starb verarmt im Exil.

"Er war ein Komödiant"

Heide Stockinger, Kai-Uwe Garrels: "Tauber, mein Tauber", mit CD, Bibliothek der Provinz, 316 S., 28 €

Artikel von

Karin Schütze

Redakteurin Kultur

Karin Schütze
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