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Kultur

Ein Leben für die Arbeit: Armani wird heute 85 und denkt nicht an Ruhestand

Von OÖN   11. Juli 2019 00:04 Uhr

Ein Leben für die Arbeit: Armani wird heute 85 und denkt nicht an Ruhestand
Giorgio Armani

Der italienische Modeschöpfer revolutionierte zuerst die Männer-, dann die Frauenmode.

Es waren hektische Wochen für Giorgio Armani: Ende Mai die Präsentation seiner Resort-Kollektion in Tokio, Mitte Juni zwei Modeschauen mit der neuen Männermode in Mailand. Und dann, vor ein paar Tagen, das Defilee seiner Couture-Linie Privé in Paris. Noch wahnwitziger erscheint dieses Programm, schaut man auf das Alter des Designers: Heute feiert Giorgio Armani seinen 85. Geburtstag.

Nötig hätte er diesen Stress nicht mehr. Sein Imperium steht solide da. Mit der Gründung einer Stiftung wurde dessen Zukunft abgesichert. Und ein Platz unter den größten Designern der Modegeschichte ist ihm auch längst sicher. Warum also nicht einfach das Leben genießen? "Mein Leben ist die Arbeit. In sie habe ich immer meine gesamte Energie gesteckt", machte er unlängst in einem Interview mit dem italienischen Magazin "Panorama" deutlich, warum Ruhestand keine Option ist.

Mutter als Stil-Vorbild

Giorgio Armani wurde am 11. Juli 1934 in Piacenza geboren. Er war das mittlere von drei Kindern eines Buchhalters und einer Hausfrau. Obwohl nicht reich, kleidete sich seine Mutter stets schlicht-elegant. Immer wieder betont Armani, wie wichtig sie für die Ausprägung seines Stilempfindens war. Doch zunächst begann er ein Medizinstudium, brach es aber bald wieder ab. Die Familie lebte inzwischen in Mailand. Eher zufällig fand er eine Anstellung im Mailänder Kaufhaus "La Rinascente" – als Schaufensterdekorateur, später als Einkäufer.

Bald wurde ein renommierter Designer auf ihn aufmerksam: Nino Cerruti. Er engagierte Armani für seine Männerlinie. Ohne jegliche Vorbildung auf diesem Gebiet entwarf Armani nun Mode. 1975 gründete er sein eigenes Label, gemeinsam mit seinem Partner Sergio Galeotti, der jedoch zehn Jahre später starb.

Aus der Marke wurde mit der Zeit ein Lifestyle-Imperium. Die Umsätze lagen zuletzt bei rund 2,3 Milliarden Euro. Mit seinen diversen Linien kleidet der Designer ganz unterschiedliche Bevölkerungsschichten ein – von den maßgefertigten, sündhaft teuren Modellen seiner Privé bis hinunter zu Armani Exchange. Dort gibt es zum Beispiel Kleider für 150 Euro.

Dazu kommen Accessoires, Düfte und Kosmetik, Möbel, zwei Hotels, selbst Pralinen vertreibt er unter seinem Namen. Und: Das Unternehmen gehört ihm allein. Immer wieder versuchten die großen Luxuskonzerne vergeblich, ihm ein paar Anteile abzukaufen.

Das alles geht auf eine so simple wie im Rückblick geniale Idee zurück. Armani nahm dem Anzug den Charakter einer Rüstung und schuf eine weiche, die Schulter umspielende Silhouette. Die Farbpalette reduzierte er auf unauffälliges Grau, Beige und Dunkelblau.

Ein Schlüsselmoment seiner Karriere war die Ausstattung von Richard Gere in dem Film "American Gigolo" (1980).

Armani für Ehefrauen

Exzesse sind dem Modeschöpfer aber nach wie vor ein Gräuel. Wann immer es auf den Laufstegen zu laut und schrill zugeht, erhebt er mahnend die Stimme. Legendär sind seine "Duelle" mit Gianni Versace, der mit einem neobarocken, flamboyanten Stil in den 1980er- und 1990er-Jahren seinen Gegenpol bildete. "Armani entwirft für die Ehefrau, Versace für die Geliebte", hieß es damals. Gleichwohl ist Armanis Mode längst nicht mehr nur schlicht. Kräftige Farben und fantasievolle Stickereien tauchen – wohldosiert – bei ihm auf.

Aber kann Arbeit allein wirklich ein Leben ausfüllen? "Es gibt etwas, was ich bereue", gestand er in einem Interview. "Nicht mehr Zeit mit den Menschen verbracht zu haben, die ich liebe. Und dass ich so viele schöne Orte auf der Welt nie sehen konnte."

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