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EAV-Abschiedskonzert: Nicht nur im Vogerltanz sind sie die Nummer ans

Von Julia Evers   21.März 2019

1000 Jahre EAV prangt auf der Bühne, dazwischen ein Sarg, dem Klaus Eberhartinger entsteigt: Schon der Beginn des Konzertes am Mittwochabend in der Linzer TipsArena zeigt die Richtung, in die der Abend gehen wird: wenn schon abtreten, dann mit Stil. Im Falle der EAV bedeutet das das selbstgewählte Ende der Band als schräge Kostümparty zu begehen und jene Lieder zu feiern, deren Texte hierzulande zum Allgemeinwissen gehören. Denn nicht nur beim „Ba-Ba-Banküberfall“ ist das „Böse immer und überall“ – da zeigen sich die Jüngsten, die in der TipsArena beim lockeren Begräbnis mit von der fröhlichen Trauerpartie sein wollten, völlig textsicher.

EAV, das ist generationsübergreifende Unterhaltung. Da sitzen Menschen, die wie die zwei maßgeblichen Bandteile Thomas Spitzer und Klaus Eberhartinger der Generation 60plus angehören, genauso wie deren Kinder, die damals im Kindergarten von „Küss die Hand, schöne Frau“ viele Textzeilen auswendig sangen und wenig davon verstanden. Und selbst die ganz Jungen lieben die Band, die vor 41 Jahren, lang vor ihrer Geburt, entstanden ist, oder zumindest deren trashige Videos und den gezielten Humor, der auch Jahre später via YouTube noch seine Wirkung tut.

Mit einem Strumpf vom Palmers

Die Ohren sind mit den Reimen aus der Feder Thomas Spitzers und den bekannten, kraftvoll auf die Bühne geknallten Melodien ohnehin gut versorgt, auch beim Angebot fürs Auge lassen sich die Musiker nicht lumpen. Beinahe für jeden Song wechseln sie die Kostümierung, den Sextouristen Mr. Meier („M groß, Eier klein“) nehmen sie mit gelben Asia-Hüten aufs Korn, beim Banküberfall kommt selbstverständlich der Strumpf vom Palmers zum Einsatz, beim Anti-Atomkraft-Hit „Burli“ gelbe Helme. Ständig jagen Figuren, die den klamaukartigen Videos aus den 80er-Jahren entsprungen zu sein scheinen, über die Bühne, und doch kann man die Augen nicht von Eberhartinger wenden: Er tanzt, er zappelt, er singt, er moderiert, er strippt, er reminisziert die Bandgeschichte. In „einer Zeit, wo viele vom rechten Weg abkommen, weil sie zu scharf rechts abbiegen“ geht‘s Richtung Politik, wenn er Tinder mit dem vergleicht, „was man früher machen musste, um unter die Haube oder zumindest unter die Bluse zu kommen“, Richtung Gesellschaft.

Zwischen völligem Klamauk und politischem Kommentar pendelte die Band schon immer – beim Abschiedskonzert zeigte sich das nicht zuletzt an den neuen Nummern –, als großartige EAV-Satire überdauern die Lieder, in denen sie am Einzelfall das große Ganze kommentieren oder persiflieren, und nicht die, die als Predigt mit Spaßelementen daherkommen.

Wie viel der eigenen Jugend stirbt mit der EAV? Bevor zu tiefgründige Gedanken aufkommen, beehren der Sandlerkönig Eberhard und der Märchenprinz das Begräbnis. Ein paar Konzerte noch, zum Beispiel am 9. und 10. August auf Burg Clam, dann ist die EAV endgültig Geschichte. Wenn die Herren für eine Best-of-Tournee wiederauferstehen würden, hätte keiner was dagegen. Weil ganz ehrlich: Nicht nur um die Kostüme wär‘s wirklich schad.

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