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Kultur

Peter Fonda: Er war dafür geboren, wild zu sein

Von Nora Bruckmüller 18. August 2019 20:12 Uhr

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Peter Fonda

LOS ANGELES. Der US-Schauspieler Peter Fonda, der durch den Kult-Film "Easy Rider" berühmt wurde, ist tot.

Wie es ist, tot zu sein, wusste Peter Fonda sehr früh. Als Zehnjähriger schoss er sich unabsichtlich in den Bauch, was nur knapp gut ging.

Jahre später, während er mit John Lennon und George Harrison LSD einwarf, teilte er sein Wissen dazu mit den beiden Beatles-Stars: „I know what it’s like to be dead.“ Die Zeile schaffte es in deren Song „She Said She Said“, 1966 auf dem Album „Revolver“ erschienen.

Eine Episode, die alles über Peter Fondas Art zu leben sagt. Der Schauspieler aus New York, der am Freitag in seiner Wahlheimat Los Angeles an Lungenkrebs starb, reizte die Nähe zum Rand intensiv aus, oft der Zeit voraus.

„Easy Rider“ feierte im Mai 1969 Weltpremiere. Ab dann hatte Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produzent Fonda mit 29 Jahren erledigt, wofür andere ein ganze Leben brauchen – ein zeitloses Erbe geschaffen. Er und Regisseur Dennis Hopper legten ein Werk vor, das die Traumfabrik und das Land, von dem aus sie die Welt beliefert, prägen sollte. „Easy Rider“ heute nur als „Motorrad-Film“ über herumfahrende Drogen- und Benzinbrüder zu sehen, würde dessen damalige Kraft verkennen.

Die Stützen des alten Studio-Systems in Hollywood wankten, die heitere Häuslichkeit „romantischer“ Komödien und alte Genre-Schablonen (Western), die die Industrie noch gut durch die Jahrzehnte nach 1945 getragen hatten, funktionierten nicht mehr.

Die Welt war aus den Fugen geraten. Der Vietnamkrieg (bis 1975) und eine junge Generation, die heuchlerischen Konservatismus satthatte, trugen das ihre bei.

„Ein Mann suchte nach Amerika. Und er konnte es nirgendwo finden“ war der Untertitel des Films, der schlanke 375.000 Dollar kostete und mit 60 Mio. Dollar das 160-Fache davon global einspielte. Er traf den Nerv der Jugend der 60er, die sich darin erstmals so sah, wie sie sich fühlte: unzufrieden, orientierungslos. Fonda war ihr idealer, haltloser Protagonist, denn sein Filmbiker „Captain America“ war auch im echten Leben einer, der auf Suche war. Etwa nach einem Platz im Schatten seines Vaters, des großen Schauspielers Henry Fonda (1905–1982).

Die Mutter des kleinen Bruders von Jane, heute beschrieben als „Dame der New Yorker Gesellschaft“, brachte sich um. Ihr Jüngster erfuhr erst als 15-Jähriger über die Art ihres Todes.

Als junger Mann eignete sich Fonda das darstellerische Handwerk dort an, wo es auch sein Vater gelernt hatte: in der Schauspielschule in dessen Heimatstadt Omaha. Nach furiosen Kritiken für erste Broadway-Rollen landete er in Los Angeles. Nach zwei „Typen-Castings“ als romantischer Held und Soldat nahm er schnell die Ausfahrt in Richtung Freiheit. Als „Nonkonformist“ mit langen Haaren und Hang zu LSD, der 1966 bei einem Hippie-Aufstand verhaftet wurde, fremdelte er mit dem „System Hollywood“. Seine Ansicht: „Zivilisation ist immer eine Pleite.“

Seit 1961 war Fonda Ehemann, allerdings von drei Frauen in Folge. Aus erster Ehe hat er Sohn Justin (53) und Tochter Bridget (55), ebenfalls Schauspielerin.

Der größte Erfolg in seiner vielfältigen Karriere nach 1970 war das Generationendrama „Ulee’s Gold“ – über einen Vietnamkriegsveteran und Imker, der seine kaputte Familie kuriert. Eine mit dem Golden Globe belohnte Rolle, die die milde Seite eines rebellischen Mannes, der sich beim Motorradfahren zwei Mal schwer verletzt hat, für die Ewigkeit festhält.

 

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Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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