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Kultur

Drei Brucknerhaus-Premieren mit sehr viel Pathos

Von Michael Wruss  09. Oktober 2020 00:04 Uhr

Drei Brucknerhaus-Premieren mit sehr viel Pathos
Martin Haselböck

Die Wiener Akademie unter Martin Haselböck offerierte Herbeck und Franz Liszt: Spannend, aber auch anachronistisch.

Auch das zweite Konzert im Großen Abonnement des Brucknerfests erkundete am Mittwoch das kompositorische Umfeld Anton Bruckners, wofür die Wiener Akademie unter Martin Haselböck ein außergewöhnliches Raritätenprogramm erarbeitete. Eines, das ausnahmslos aus Brucknerhaus-Premieren bestand.

Den Beginn machte Johann von Herbecks vierte Symphonie. Ein festliches Präludium eröffnete kontrapunktisch engmaschig gestrickt das Werk, ein feines Andante folgt, das Scherzo hielten schon Zeitgenossen in seiner an Mendelssohn gemahnenden Faktur für etwas anachronistisch. Das mächtige Finale erfüllt genau die Ansprüche, die man an eine Orgelsymphonie stellen möchte.

Die ungarische Organistin und Schülerin von Martin Haselböck, Zita Nauratyill, spielte den sehr ins Orchestergeschehen integrierten Orgelpart überzeugend und auch die Wiener Akademie fand den richtigen Ton.

Mit den Orchesterwerken Franz Liszts, die den Rest des Programms einnahmen, ist die Sache wesentlich ambivalenter, schwanken doch hier die Meinungen von genialen Tonschöpfungen bis hin zu wenig inspirierten Klangmassierungen. Seine "Hunnenschlacht" nach einem Ölgemälde von Wilhelm von Kaulbach setzt ganz nach Liszts Vorstellung "ein großes Stück Blech in Bewegung" und gestaltet die Kriegsszenerie mit beinahe plump erwartbarem Pathos und knallenden Beckenschlägen.

Auch die wesentlich facettenreichere Dante-Symphonie spielt im ersten Satz mit dem großen Apparat, um ausreichend Inferno-Stimmung aufkommen zu lassen. Denn diese Passagen wirklich rund und nicht eintönig herüberzubringen, ist fast unmöglich. Schon Liszts Schwiegersohn Richard Wagner hat ihn vor dem Chorfinale gewarnt – es erhöht nochmals das für heutigen Geschmack wenig erträgliche Pathos –, auch wenn die Damen des Chorus sine nomine (Einstudierung Johannes Hiemetsberger) ihr Magnificat unglaublich sauber und betörend klangschön intonierten.

Fazit: Ein Konzert, das nicht wirklich begeisterte, aber trotz seiner interpretatorischen Schwierigkeiten die Begegnung wert war.

Brucknerhaus: Konzert mit der Wiener Akademie unter Martin Haselböck, 7. 10.

Artikel von

Michael Wruss

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