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Kultur

"Die Sendung mit der Maus" feiert ihren 50er

Von Nora Bruckmüller  06. März 2021 00:04 Uhr

Die Maus, die seit 50 Jahren in jedem Wohnzimmer gern gesehen ist
Happy Birthday, liebe Maus!

Am 7. März 1971 feierte die beliebte Sendung ihre TV-Premiere.

Sie ist so wichtig für Kinder (und Eltern), dass "Die Sendung mit der Maus" während der Lockdowns schnellstmöglich verstärkt gesendet wurde. Zum Jubiläum beantworten die OÖN die wichtigsten Fragen zum TV-Phänomen.

Wie kam es zu der Sendung? In Deutschland war Fernsehen für Kinder unter sechs Jahren lange verboten. Schuld war ein bestimmtes Jugendschutzgesetz für das Kino, dem die öffentlich-rechtlichen Sender folgten.

"Natürlich haben sich die Kinder überhaupt nicht daran gehalten und kannten alle Werbungen in- und auswendig", erinnert sich Christoph Biermann, einer der Erfinder von "Die Sendung mit der Maus". Sehr beliebt waren die Mainzelmännchen in Kombi mit Trickfilmen – sie wurden zur Inspiration. Biermann, heute 68 Jahre alt und noch immer im Einsatz für die Sendung: "Die Idee war ein bisschen geklaut, aber für die Zeit war sie neu."

Zunächst hieß sie, produziert für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), "Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger".

Die Maus, die seit 50 Jahren in jedem Wohnzimmer gern gesehen ist
Der beste Freund der Maus: der Elefant

In den Beiträgen wechselten einander Wissensvermittlung und Unterhaltung ab, die die Fantasie anregen sollte. Dazu kamen die immer wichtigeren Maus-Spots. Ein einzigartiger Mix, da ansonsten Basteln, Frontalvorträge oder – speziell in der DDR – Turnübungen das Kinderfernsehen prägten.

Wieso ist die Sendung zeitlos?

Inzwischen wartet sie mit allem auf, was ein modernes TV-Format braucht: Website mit Onlinespielen und Zusatzmaterialien, Podcasts, Videos, diverse Social-Media-Repräsentanzen. Das Prinzip hinter alle dem ist seit jeher dasselbe: Die Welt wird nicht kommentiert, sondern neutral beschrieben und – im besten Sinn – kindgerecht auf einfaches Niveau heruntergebrochen. Die Fakten werden nach allen journalistischen Standards geprüft. Mit dieser Verlässlichkeit überstand "Die Sendung mit der Maus" mühelos die Digitalisierung und den Trend, Kindersendungen schriller, schneller und lauter zu machen. In komplexen, unsicheren Zeiten von Fake News feiert ihre Bedeutung eine Renaissance.

"Wir kriegen noch immer jede Woche Tausende Fragen zugeschickt", sagt Armin Maiwald. Der 81-Jährige ist neben Biermann "Gründungsvater" des Formats und ihr zweites großes, seit Jahrzehnten bekanntes Gesicht. "Bei vielen haben wir das Gefühl, dass die Kinder nur vorgeschoben sind und es in Wahrheit die Eltern sind, die etwas wissen wollen."

Was alles wurde in den Sachgeschichten erklärt?

Die bessere Frage wäre: Was wurde alles noch nicht erklärt? Auf wdrmaus.de/sachgeschichten findet man alle Sachgeschichten (teils mit Video) – von A wie Aalfang (1985) bis Z wie Zöliakie (2014). Zu den Höhepunkten zählt das Team die Beantwortung der Fragen "Wie kommen die Löcher in den Käse?" (1990), "Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta?" und "Warum ist die Banane krumm?" (je2005).

Welche Tabus griff man auf?

Am 28. Oktober 1989, zwölf Tage vor dem Fall der Berliner Mauer, erzählte Maiwald beispielsweise in einem Nachkriegs-Spezial von seiner Kindheit in Köln, wo er zwischen 1940 und 1942 drei Mal ausgebombt wurde. "Die Sendung mit der Maus" verstand schnell, dass Kindern die Wahrheit zumutbar ist, wenn sie ihren Bedürfnissen gerecht erzählt wird.

So wird 1997 der Tod des Mädchens Katharina behandelt. 2004 greift die Sachgeschichte "Abschied von der Hülle" den Tod geliebter Menschen auf. 2013 zeigt "Vom Glück des Lebens", wie ein Mensch entsteht. Während die Flüchtlingskrise Europa einnahm, beginnt man im Oktober 2015 die neunjährige Tiba zu begleiten, die mit den Eltern aus Syrien floh.

Wer hat die Maus zeichnerisch erfunden?

Die 90 Jahre alte Isolde Schmitt-Menzel. Die deutsche Autorin, Illustratorin und Künstlerin lieferte mit ihrer Buchillustration "Die Maus im Laden" die Vorlage für den WDR. Animiert, samt berühmtem Augenklimpern, hat sie 1971 der Künstler Friedrich Streich. Den Elefanten schuf er 1975, die gelbe Ente 1987. Erst seit seinem Tod 2014 wird mehr digital als von Hand gezeichnet.

Seit wann wird der Vorspann in einer anderen Sprache wiederholt?

Seit 1973. Die erste Fremdsprache war Italienisch. Die Mutter von Siham El-Maimouni (Jg. 1985), seit 2014 Moderatorin der Show und Tochter marokkanischer Einwanderer, sprach ihn erst im Vorjahr in der Berbersprache ein.

Auf Vielsprachigkeit wird auch im Netz wert gelegt. Die Maus-Seite ( wdrmaus.de) gibt es auf Englisch, Französisch, Arabisch, in Dari (persische Sprache in Afghanistan, Anm.) und auf Kurdisch.

Fernsehfeierlichkeiten zum Jubiläum

„Die Geburtstagssendung mit der Maus“: Sonntag, 7. 3., 9 Uhr, ARD, und 11.30 Uhr, KiKA

Was erwartet die Kinder der Zukunft? Mit Armin Maiwald (re.) und Christoph Biermann, bekannt für seinen grünen Pullover

„Rückblicke zum Jubiläum“
Nach Jahrzehnten, 7. 3. auf ARD
Die 70er-Jahre: 6. 20 Uhr
Die 80er-Jahre: 6.50 Uhr
Die 90er-Jahre: 7.25 Uhr
Die 00er-Jahre: 7.55 Uhr
Die 10er-Jahre: 8.30 Uhr
Geburtstagssendung: 9 Uhr

Der reguläre Sendetermin:
immer sonntags, 11.30 Uhr, KiKa

Die aktuellen Ausgaben:
als Stream unter wdrmaus.de/aktuelle-sendung

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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