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Kultur

Die neuen Lockstoffe des Lentos

Von Peter Grubmüller  11. Dezember 2019 00:04 Uhr

Hemma Schmutz 

LINZ. Hemma Schmutz, Direktorin des Linzer Kunstmuseums, präsentiert ihr drittes Programm.

Seit zweieinhalb Jahren verführt Hemma Schmutz als Direktorin des Linzer Lentos mit ausgeklügelten Konzepten zur Kunst. Im Gespräch mit den OÖN stellt sie ihre Pläne für 2020 vor.

OÖNachrichten: Warum eröffnen die Saison 2020 mit dem Polen Pawel Althamer und der Körper- wie Geschlechtsbilder hinterfragenden Jakob Lena Knebl?

Hemma Schmutz: Meine bisherige Programmatik ist stark von der Sammlung mit dem Kern von Wolfgang Gurlitt ausgegangen. Sie reicht von der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts bis zum Frühexpressionismus im 20. Jahrhundert. Mit der Ausstellung "Lassnig-Rainer" wollte ich zeigen, wie man nach dem Zweiten Weltkrieg den Anschluss an die Moderne gesucht hat. Und mit "Wer war 68" haben wir den Umbruch von damals veranschaulicht. So sehe ich auch meinen Einstieg für 2020.

Inwiefern?

Althamer sagt, ein Projekt ist nicht ein fertiges Bild, sondern es entsteht in Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Seine ganze Karriere über hat er mit unterschiedlichen Gruppen gearbeitet, mit Obdachlosen, MS-Kranken, benachteiligten Jugendlichen und Künstlern. Während der Ausstellungszeit von Februar bis Mai werden Holzbildhauer aus Polen, Österreich und einer aus Mali an ihren Werken arbeiten. Die Ausstellung entsteht also bis dorthin. Es ist ein neues Format, das wir durchspielen. Bei Jakob Lena Knebl geht es um eine feministische Queer-Position, die sich zum Glück endlich in der öffentlichen Debatte durchsetzt. In Linz wird sie auch mit unserer Sammlung arbeiten.

Was zeigen Sie von Valie Export zu ihrem 80. Geburtstag, das wir nicht schon kennen?

Wie Sie wissen, haben wir im Valie Export Center ihren Vorlass übernommen. Sabine Folie, die Center-Leiterin, wählt aus unserer Sammlung, aus den Center-Beständen und aus Leihgaben Arbeiten aus, die uns überraschen werden. Und am 20. Mai feiern wir zu Valie Exports Ehren ein Fest.

Seit einigen Jahren erregt der oberösterreichische Konzeptkünstler Josef Bauer international Aufsehen. Warum arbeiten Sie bei seiner Schau "Demonstrationen" mit dem Wiener Belvedere zusammen, wo seine Arbeiten noch bis 12. Jänner zu sehen sind?

Ja, es ist eine Zusammenarbeit, aber wir werden die Ausstellung neu inszenieren und erweitern. Es wird sicher eine Fan-Gruppe aus Oberösterreich geben, die ins Belvedere gefahren ist, aber das Publikum in Linz ist breiter. Normalerweise hätte ich gesagt, Wien ist zu nah, aber Bauer hat sich die große Präsentation bei uns verdient.

Bleiben Kooperationen Teil Ihres Konzepts?

Absolut – ich finde das auch jenseits des ökonomischen Aspekts, den man nicht unterschätzen darf, positiv. Die zweite Kooperation wird die Ausstellung von Franz Gertsch sein. So eine Riesenschau ist nur zu stemmen, wenn das Gertsch-Museum in der Schweiz und wir zusammenarbeiten.

Das Gemälde "Saintes Maries de la Mer III" des Hyperrealisten Gertsch ist mit 2,6 mal 3,7 Meter ein riesiger Hingucker der Lentos-Sammlung. Der Maler wird 90 Jahre alt, kommt er nach Linz?

Ich fürchte nicht, aber er will sich in die Ausstellungsgestaltung einbringen. Insgesamt werden wir mehr als 30 Werke zeigen.

Ein politisches Statement dürfte die Schau "Neue Nationalismen. Das Rechte im Spiegel" werden…

…es geht weniger um Politik, sondern um die Attraktivität von faschistischer Ästhetik.

Heißt das, es werden Werke von Odin Wiesinger zu sehen sein?

(lacht) Nein, das wird ihm nicht gelingen. Markus Prokesch kuratiert mit mir, und wir beschäftigen uns weniger mit den neuen Rechten als mit Verführungsstrukturen.

Mit 58.000 Besuchern 2019 hatte das Lentos um rund 6000 weniger als 2018, aber mehr als in den Jahren davor. Womit begründen Sie den Rückgang?

Das liegt an der "Klimt, Schiele, Moser"-Ausstellung von 2018, die sehr erfolgreich war. Aber auch unsere bis 19. Jänner laufende Gurlitt-Ausstellung läuft gut und wurde international rezipiert.

Mit 4,6 Millionen Euro klingt Ihr Budget üppig, davon entfallen 2,3 Millionen auf das Personal, 1,4 auf den Betriebsaufwand – für Kunst bleiben 955.000 Euro…

…das ist das Problematische, vor allem, wenn man es in die Zukunft denkt. Mit jedem Jahr steigen die Personalkosten. Jedes Jahr wird der Wartungsvertrag für die Alarmanlage oder für den Lift um zwei, drei Prozent angepasst. Das geht alles zu Lasten unseres Kulturbudgets. Und dafür müssen wir eine Lösung finden.

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Peter Grubmüller

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