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Kultur

Die Angst der Eltern um ihre Kinder

Von Christian Schacherreiter 22. Mai 2019 00:04 Uhr

Die Angst der Eltern um ihre Kinder
Doris Knecht

Doris Knecht präsentiert heute im Linzer Posthof ihren großartig gelungenen neuen Roman "weg".

Heidi und Georg – eine Jugendliebe in Wien, eine Studentenbeziehung, dominiert von sexueller Anziehung. Dauer bekam diese kurzfristige Leidenschaft dadurch, dass Heidi schwanger wurde. Das ist mehr als zwanzig Jahre her. Charlotte, die gemeinsame Tochter, ist mittlerweile erwachsen, zumindest den Lebensjahren nach.

Heidi hat längst einen neuen Lebenspartner, aber Martin, vor dem krisenanfälligen Fünfziger stehend, nimmt sich gerade eine Auszeit. Ausgerechnet jetzt, da Heidi ihn so sehr brauchen würde, denn Charlotte ist verschwunden. Charlotte war eine schwierige Jugendliche, unberechenbar, exzentrisch, gepeinigt von psychotischen Zuständen, die auf eine Erbkrankheit zurückzuführen sind. Mittlerweile ist sie stabiler, aber nur, wenn sie ihre Medikamente nimmt. Nun ist Charlotte weg, und es gibt Hinweise, dass sie in Vietnam ist.

Heidi, in nagender mütterlicher Sorge, reist ihr nach. Auch Georg spürt eine moralische Verpflichtung, sich in dieser Situation um seine leibliche Tochter zu kümmern. Er fliegt nach Vietnam.

Doris Knecht beweist mit ihrem neuen Roman "weg" wieder einmal, dass sie eine Expertin für die Tücken des Alltags- und Beziehungslebens ist. Eine Qualität ihrer Romane ist, dass sie die Dinge, über die sie schreibt, gut kennt. Authentizität der Darstellung ist nicht der einzige Grund für die starke Wirkung. Knecht ist auch eine klug reflektierende Autorin. Sie lässt ihre Figuren nachdenken über Liebe und Leidenschaft, Sorge und Vertrauen, über Freiheit, Verantwortung, Sicherheit und vieles mehr. Natürlich ist ein Roman etwas anderes als ein Ratgeber für schwierige Lebenslagen, aber Leser erwarten, dass sie auch in der "schönen Literatur" existenziell berührenden Themen begegnen.

Der Handlungsraum Vietnam/Kambodscha fordert Heidi und Georg auch dazu heraus, ihre eigene Lebenssituation mit der von Menschen zu vergleichen, die in Armut leben. Plakative moralische Antworten auf soziale Fragen bleiben aber aus. So einfach macht sich Doris Knecht die Sache nicht. Überzeugend wie der Inhalt sind auch Form und Sprache des Romans. Doris Knecht beherrscht die Kunst des Spannungsbogens souverän und schreibt einen flotten Stil, dessen Sogwirkung man sich weder entziehen kann noch will.

Doris Knecht: "weg", Roman, Rowohlt Berlin, 300 Seiten, 22,70 Euro

OÖN Bewertung:

 

Lesung: Doris Knecht liest heute, 20 Uhr, aus ihrem Roman "weg" im Posthof Linz

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